Rattle-Abschieds-Countdown ⑤④③②❶: ZERO!

Nun wirklich aller, aller, allerletztes Konzert von Sir Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, in der Waldbühne. An diesem Wochenende muss sogar der Himmel über Berlin nach Wochen und Monaten des strahlenden Sonnenscheins vor Abschiedsschmerz weinen. Publikum und Musiker werden sich davon nicht die Laune verderben lassen. Hier sind indes alle Berichte über Rattle-Konzerte zu lesen, die seit 2015 auf diesem Blog erschienen.

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Rattle-Abschieds-Countdown ⑤④③❷①: Philharmonie-Ausstand mit Mahlers Sechster

John Duncan, Abflug des Chefdirigenten, 1909

Ist doch auch ganz schön, dass heutzutage ein Chefdirigent das Berliner Philharmonische Orchester im aufrechten Gang verlassen kann, umjubelt und mit Blumensträußen im Arm, statt wie im letzten Jahrhundert mit den Füßen voran, beweint und mit letzten floralen Grüßen auf den Sarg. Da kann man dann auch ein bissl kritisch (Kulturradio) oder sogar äußerst kritisch bis krawallig (VAN Magazin) bilanzieren, ohne sich der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener schuldig zu machen. Aber mit ebensolchem Recht darf man auch mal hemmungslos lobpreishudeln wie der Tagesspiegel-Autor Frederik Hanssen im Programmheft oder die rasende rbb-Kulturreporterin Maria Ossowski. Zumal wenn Simon Rattle am 20. Juni 2018 mit derselben 6. Sinfonie von Gustav Mahler quittiert, mit der er am 14. November 1987 debütierte. Die Älteren werden sich erinnern; der Konzertgänger ist jung genug, um damals eher Voyage, voyage von Desireless gehört zu haben. Weiterlesen

Rattle-Abschieds-Countdown ⑤④❸②①: Krystian Zimerman, Robin Hood & Co.

Vorletztes Sir-Chefdirigent-Programm in der Philharmonie, sechs Tage vor dem letzten Konzert, zehn Tage vor der allerletzten Waldbühnen-Sause: Am Abend der WM-Eröffnung hat Simon Rattle, scheidender Trainer der Berliner Philharmoniker, eine wild wuchernde Kunterbunter-Garten-Taktik ausgetüftelt. Tick, Trick und Track sind als magisches Dreieck dabei, Tom & Jerry als Flügelflitzer und Robin Hood im unwiderstehlichen Sturm.

Der ersten Halbzeit drückt indes der Pianist Krystian Zimerman seinen Stempel auf. Weiterlesen

Goodbye, Sir Simon

Was haben eine Ostberliner Weltreisende, ein englischer Erasmusstudent, ein Dahlemer Ausparkkünstler, ein 9jähriges Mädchen mit Glitzerohrringen und eine Frau aus Syrien mit Bach, Mahler, John Adams und dem Himmel über Berlin zu tun? Die Zeit mit dem Stadtraum? Und sie alle mit dem scheidenden Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker? Mehr dazu in meinem Beitrag in der eben erschienenen neuen Ausgabe von 128 – Das Magazin der Berliner Philharmoniker. „Der Schriftsteller Albrecht Selge erinnert in seiner literarischen Chronik an die Höhepunkte der Rattle-Ära“, heißt es da. Oder kurz: Goodbye, Sir Simon.

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Rattle-Abschieds-Countdown ⑤❹③②①: Widmann, Lutosławski, Brahms

Simon Rattle hält die Berliner Philharmoniker am Abschiedsrotieren, einen Tag nach Bru folgt Bra. Vor der Philharmonie hört man noch immer das Wummern der Bässe, die der Afd gezeigt haben, was Berlin von ihr hält. In Block B sitzt ein junger Mann, der bis zum Konzertbeginn auf dem Smartphone Malen nach Zahlen spielt. Auf dem Programm stehen drei Tänze auf dem Vulkan: Ein Stück heißt so, zwei sind es. Weiterlesen

Rattle-Abschieds-Countdown ❺④③②①: Hans Abrahamsen und Bruckners vervollständigte Neunte

Simon Rattle, ehemaliger Chefdirigent in spe der Berliner Philharmoniker, dreht heftig am Abschiedstournee-Rad. Drei Programme gibts noch im Juni (inklusive Waldbühne), davor an diesem heißen Wochenende Kernrepertoire en excess: heute Bru, morgen Bra. Vielleicht auch eine letzte Irreminiszenz an den zu Recht vergessenen Sturm im Wasserglas vor einem Achtel Jahrhundert, als es Wirbel um Rattles angebliche Vernachlässigung des Hohen Deutschromantischen Dingsbumses gab. Und selbstverständlich hört man ganz genau zu am Samstag bei Anton Bruckners 9. Sinfonie d-Moll in Chefdirigent Rattles fünftletztem Programm: gespannt wie ein Flitzebogen, schon weils da ein Finale gibt, das es gar nicht gibt. Weiterlesen

Promenierend: Berliner Philharmoniker, Sokhiev, Bronfman spielen Prokofjew, Beethoven, Mussorgsky/Ravel

Zu Zweidritteln perfekt kindergeeignetes Programm bei den Berliner Philharmonikern, zu dem der Konzertgänger denn auch (Artemisquartett im Kammermusiksaal hin oder her) tiefstenentspannt mit seiner höchstgeschätzten Tochter promeniert, um’s von knapp unter der Saaldecke zu goutieren. Tugan Sokhiev dirigiert, stets gern gesehener Gast. Der rote Faden des Programms bleibt ein bissl scheinig, wischiwaschi, ein Genuss ist es aber allemal, und wischiwaschigen Klang gibts bei Sokhiev nie. Weiterlesen

Schlangenbeschwörend: Kirill Petrenko, Yuja Wang, Berliner Philharmoniker mit Dukas, Prokofjew, Franz Schmidt

Obwohl Kirill Petrenko ja mal einige Jahre Generalmusikboss der Komischen Oper war, haben die Auftritte des zukünftigen Chefs der Berliner Philharmoniker in Berlin derzeit etwas Unalltägliches, ja Rar-Auratisches. Und so ist auch dieses merkwürdige bis verschrobene Programm unalltäglich, rar, auratisch. Weiterlesen

Selbstverständlich brillant: Berliner Philharmoniker, Rattle, Barenboim spielen Dvořák, Bartók, Janáček

Fortsetzung von Simon Rattles Abschiedstournee im eigenen Haus, zugleich durch Zeit und Raum: diesmal Schlenker nach Ostmitteleuropa (Prag, Budapest, Brünn), 1886 bis 1926. Dritte Aufführung, Samstag 19 Uhr. Der Konzertgänger aber vergisst Zeit und Raum, wenn es Janáčeks Sinfonietta gibt – ganz egal, was davor und danach und rundherum ist.

Im Konzert der Berliner Philharmoniker gibts ein Davor: nämlich Bartók mit keinem geringeren Gast als Daniel Barenboim und noch davor Antonín Dvořáks Slawische Tänze opus 72, das ist die zweite Sammlung der Erfolgsstücke. Weiterlesen

Vernichtungsblühend: Berliner Philharmoniker, Antonio Pappano, Véronique Gens mit Ravel, Duparc, Mussorgsky, Skrjabin

Für den Konzertgänger immer ein Extrapunkt, wenn bei den Berliner Philharmonikern ein Komponist auf dem Programm steht, von dem er noch nie gehört hat. Das ist der Fall beim ersten Gastdirigat von Antonio Pappano seit 12 Jahren. Mag das Orchester den Pappano nicht, wie Brug meinte? Und ist der Konzertgänger der einzige im Saal, der den Franzosen Henri Duparc (1848-1933) nicht kennt? Fragen über Fragen.

Auf die man gar keine Antwort mehr will, wenn die hinreißende Sopranistin Véronique Gens singt. Weiterlesen