Konzerthinweis: F.C. Ciardis „voci vicine“ am 3. Juni in der Villa Elisabeth

Was es nicht alles gibt: Am Sonntag, dem 3. Juni wechselt der Konzertgänger die Seite, aus dem Auditorium auf die Bühne. Und zwar die Bühne der Villa Elisabeth in Berlin-Mitte.

Aber keine Sorge, er wird weder singen noch ein Instrument spielen. Denn er ist nicht Hauptfigur, sondern nur Zwischenfigur. Als Moderator, Reflexör, Vorsichhinfrager. Hauptfiguren sind das vortreffliche ensemble unitedberlin und mehr noch die Stimmen zahlloser Italienerinnen und Italiener auf der Straße. Weiterlesen

Fremdschaftlich: Ein Claude-Vivier-Abend mit dem ensemble unitedberlin und Vladimir Jurowski

Bloß auf der Hut sein vor Künstlermythen bei einem Komponisten, neben dessen Leiche im Jahr 1983 blutbefleckte Papiere gefunden wurden: und darauf ein Werk, dessen Text eben das beschreibt, was ihm am Ende widerfuhr. Einer verlässt die Wohnung, gabelt einen Mann auf und wird von diesem getötet — zog er einen Dolch aus seiner tiefschwarzen, wahrscheinlich in Paris erstandenen Jacke, und stieß ihn mir mitten ins Herz. In diesem Moment reißt die Musik ab, so wie das Leben des 1948 geborenen Frankokanadiers Claude Vivier abriss. 35 Jahre hatte er da gelebt, seit 35 Jahren ist er tot. Und so widmet ihm zum 70. Geburtstag das ensemble unitedberlin unter der Leitung von Vladimir Jurowski einen aufwändigen Abend im Konzerthaus. Wunderbare Gelegenheit, mit Vivier Fremdschaft zu schließen. Weiterlesen

Dunkelrot: Sowjetrussisches vom DSO/Payare und Ensemble unitedberlin/Vladimir Jurowski

Reformationstag oder Halloween? Sowohl als auch: 100 Jahre Oktoberrevolution.

In zwei Berliner Konzerten kommt sie vor: Einmal als ferner Gast, aus Inferno-Tiefen betrachtet beim Deutschen Symphonie-Orchester unter Rafael Payare. Einmal als Hauptperson, aus größter Nähe und unendlicher Weite zugleich in einem aufregenden Programm des Ensemble unitedberlin unter Vladimir Jurowski.

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Verbindend: 100 Jahre Zerrissenheit – Isang Yun

672694694f29258383d257734c1c9943Nicht nur 50 Jahre 100 Jahre Einsamkeit heuer, sondern auch 100 Jahre Zerrissenheit: Unter diesen etwas kryptischen Titel stellt das ensemble unitedberlin sein Konzert zu Ehren des Komponisten Isang Yun oder auch Yun I-sang (1917-1995). In der durch Krieg und Entchristlichung entkernten, aber gerade in ihrer Kahlheit spirituell wirkenden Elisabethkirche mit nackter Apsis.

Oft von Isang Yun gelesen, aber noch nie Musik von ihm gehört. Und nie recht gewusst, ob der bloß eine (West-)Berliner Lokalgröße war oder ein bedeutender Komponist.

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Chronisch-zephyrisch: Vladimir Jurowski und ensemble unitedberlin spielen „Russisches Roulette“ im Konzerthaus

Saturnus_fig274Musiker sind wie Politiker, am aufschlussreichsten sind ihre Nebentätigkeiten. Mit dem Unterschied, dass es nur zu begrüßen ist, wenn Prominente abseits der großen Bühnen Lobbyarbeit für Kammermusik und Neutönerei verrichten. Vladimir Jurowski, künftiger Chefdirigent des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, ist ein Wiederholungstäter: Zwei Tage nach seinem Auftritt im Großen Saal des Konzerthauses bespielt er (wie schon im Januar) zwei Etagen höher mit dem kompetenten ensemble unitedberlin den feinen Werner-Otto-Saal. Dessen Türen stehen offen für alle, die sich um offene Ohren bemühen. Unter dem knackigen Titel Russisches Roulette gibt es avancierte Musik, die zwischen 1950 und 2017 entstand.

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14./15.1.2017 – Vielsingend: Vladimir Jurowski beim RSB und beim ensemble unitedberlin

egon_schiele_068Was für ein interessanter, vielseitiger Dirigent ist Vladimir Jurowski.

Am Samstag dirigiert er das Rundfunk-Sinfonieorchester, dessen Chef er im Sommer wird, mit einem Programm von (auf den ersten Blick) gediegener tschechisch-deutsch-russisch-schweizerischer Moderne. Am Sonntag das ensemble unitedberlin, dessen Artistic Advisor er seit 2015 ist, mit einem Programm von (auf den ersten Blick) schwieriger, ja mörderischer italienischer Avantgarde.

Beides im Konzerthaus.

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