Rargärtnernd: Michel Dalberto spielt Franck, Fauré, Debussy, Ravel

Schaut man sich die Liste der Klavierrezitals im Kammermusiksaal an, könnte man meinen, es gäbe weltweit nur circa zehn hörenswerte Pianisten. Umso begrüßenswerter sind Einrichtungen wie der Weddinger Pianosalon Christophori oder Barnaby Weilers (in diesem Jahr leider ausgefallenes) Berliner Klavierfestival. Ein weiterer Versuch, blühende oder gar wuchernde Oasen im Berliner pianistischen Ödland zu schaffen, sind seit einiger Zeit die C. Bechstein Klavierabende im Kleinen Saal des Konzerthauses. Im ersten Konzert der neuen Saison gärtnert der renommierte, hierzulande aber bizarr unbekannte Pariser Pianist Michel Dalberto à la française: neben Pianolympischem von Debussy und Ravel gibts rare Pflanzen von Fauré und Franck.
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Musikfest 2018: Berliner Philharmoniker lichten, Rundfunkchor nachtklart

Ist ja auch mal ein schönes Faktum, dass von allen hiesigen Orchestern ausgerechnet die Berliner Philharmoniker als gute Gastgeber die Musikfest-Themen am intensivsten beleuchten: gleich zweieinhalb von dessen Schwerpunkten kommen im Konzert mit François-Xavier Roth vor. Bernd Alois Zimmermann und Debussy sind die zwei, Ligeti der halbe. Der Konzertgänger geht mal wieder zu einer dritten Aufführung, dritte Abende sind spielkulturell immer erhellt. (Gingen mehr Kritiker am dritten statt am ersten Abend, gäbs weniger Verrisse.) Außerdem kann man am Samstag noch zum anschließenden Late Night-Konzert des Rundfunkchors in die dunkle St. Matthäus-Kirche rübermachen.

Vermatscht sich das nicht in deinem Kopf, fragt seine Frau den Konzertgänger, noch ein Konzert gleich hintendran? Weiterlesen

Musikfest 2018: Boffard und Berliner Philharmoniker schattenspiegeln George Benjamin

Beim Musikfest rückt nach Bernd Alois Zimmermann (und Bruckner, aber der war wohl eher Orchester-Tourneeprogramm-Zufall) nun der englische Komponist George Benjamin in den Fokus, diesjähriger Composer in residence der Berliner Philharmoniker. Zwischen zwei von ihrem Ehrengast dirigierten Philharmonikerkonzerten (mehr dazu unten) stellt am Sonntagvormittag der Pianist Florent Boffard im Kammermusiksaal den Klavierkomponisten George Benjamin vor. Und zwar mit einem herrlich weitgefächerten Programm, in dem gar nicht so viel Benjamin vorkommt. Dafür aber lauter Stücke, in denen er sich gespiegelt oder beschattet fühlt: Weiterlesen

Musikfest 2018: Melnikov beginnt

Dialektik des Musikfests Berlin 2018: Es beginnt, bevor es sich eröffnet. Letzteres am Samstag mit Daniel Barenboims Staatskapelle, Ersteres bereits am Freitag mit Alexander Melnikov am Klavier und Claude Debussy im Klavier. Debussy ist dieses Jahr einer der gefühlt 120 Themenstränge, die Musikfest-Leiter Winrich Hopp ohne Themenstrenge, aber desto raffinös-sinniglicher ineinanderknüpft. Weiterlesen

Verletzlicht: Debussys „Pelléas et Mélisande“ an der Staatsoper

Pelléas et Mélisande-Reichtum ausgerechnet dans la capital de la Prusse: Claude Debussys Symbolschmachtfetzen gibts in der arg konzentrierten Kosky-Regie an der Komischen Oper wieder am 12. Juli. Die schön wässrige Deutsche-Oper-Inszenierung ist derzeit eingefroren, ob die nochmal aufgetaut wird? Die Version an der Staatsoper Unter den Linden aber, die’s im Ausweichquartier Schillertheater pour des raisons techniques viele Jahre nicht gab, ist ein wahres Monument: eine der beiden Arbeiten der großen Ruth Berghaus, die da noch laufen – neben dem 50 Jahre alten Barbier ist dieser Pelléas von 1991 noch knackfrisch. Und so gut, dass es egal ist, wer da singt … naja, fast egal. Weiterlesen

Sirenenerwählt: Staatskapelle mit Barenboim, Crebassa, Prohaska spielt Debussy

Teile des Klassikpublikums können einen schon befremden. Zum Beispiel diese Stange von drei oder vier ergrauten Staatskapelle-Abonnenten, die einer sehr jungen Frau Gift und Galle ins Gesicht blasen, weil diese – offensichtlich zum ersten Mal in der Philharmonie – ihren Platz quer durch die Reihe ansteuert: ja wo sie überhaupt hinwolle, warum erst jetzt, von der falschen Seite, müssen alle aufstehen etc pp. Da stellt sich doch die Frage, ob man in einem durchaus nicht überjüngten Publikum die Abwesenheit einer orientierungslosen Neulingin überhaupt wünschen darf. Noch dazu bei einem Programm, das so exquisit ist, dass selbst drei Hochkaräter wie Daniel Barenboim, Marianne Crebassa und Anna Prohaska die zweite Aufführung in der Philharmonie nur mit Mühe vollbekommen: Claude Debussy pur – aber nur ein Evergreen, dafür drei vergleichsweise unbekannte Stücke. Würdiger Abschluss für einen Schwerpunkt zum Debussy-Jubiläum, das mit sympathisch weniger Brimborium als Beethoven- oder Wagner-Jubiläen daherkommt. Weiterlesen

Maeterlinck-Doppel: „Pelléas et Mélisande“ an der Komischen und „L’Invisible“ an der Deutschen Oper

Schöne Gelegenheit, zweimal Opern nach Maurice Maeterlinck zu sehen und zu hören: Samstag Pelléas et Mélisande an der Komischen Oper, Sonntag L’Invisible an der Deutschen Oper.

Zwei Wochen nach der Uraufführung von Aribert Reimanns neuer Oper (ausführliche Premierenkritik) ist der Saal der Deutschen Oper doch eher kammermusikalisch besetzt, zumindest im Rang. Trauriger Berliner Gleichmut gegenüber einer herausragenden Neuigkeit. Aber Reimann ist wieder da, diesmal sitzt er im ersten Rang! Weiterlesen

Hochdruckzugvoll: Anna Vinnitskaya spielt Prokofjew, Debussy, Chopin

Anna Vinnitskayas Hände ziehen die Töne aus dem Klavier. Sehr reizvoll, im Kammermusiksaal von links einen guten Blick auf die Tastatur zu haben (auch wenn wahre Pianomaniacs sich bekanntlich immer nach rechts setzen). Sie drücken die Töne. Sie müssen sie aber ziehen, sagte Alfred Brendel einmal zu einem Dilettanten, den er bei einem Besuch ans Klavier gebeten hatte. Was man darunter verstehen kann, lernt man bei Vinnitskaya. Dabei zieht sie paradoxerweise mit einer speziellen Form von Hochdruck, der durch den ganzen Körper zu fließen scheint.

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Labyrinthesk: Wiedereröffnung der Staatsoper Unter den Linden mit Daniel Barenboim und Maurizio Pollini

Vielleicht das Schönste: Das erste Abokonzert in der vortags mit Pomp & Schmackes wiedereröffneten Staatsoper Unter den Linden fühlt sich nicht an wie eine zweite Pomp & Schmackes-Wiedereröffnungs-Sause. Sondern wie ein Abokonzert. Gut so, Kunst als Alltag, nicht als Staatsaffäre.

Natürlich schaut man sich dennoch vorher neugierig um. Tritt vorsichtig auf und traut sich gar nicht, irgendwohin zu fassen, nachdem man das mit den 400 Millionen gelesen hat. Nicht dass man achtlos irgendwohin patscht, und schon ist sie wieder weg, diese halbe Sekunde Extra-Nachhall! Über die das halbe Land sich mokiert, die aber für einen Musikliebhaber die Welt bedeutet. Weiterlesen

Nervig, kickig: DSO & Ticciati im Kraftwerk Berlin

Neue Wege! Experimente! Manchmal kicken sie dich, manchmal nerven sie. So auch bei diesem dritten Termin des Mini-Festivals, das das Deutsche Symphonie-Orchester anlässlich des Amtsantritts seines neuen Chefdirigenten Robin Ticciati veranstaltet: nach Symphonic Mob im Shopping-Center und einem ambitionierten Philharmonie-Konzert jetzt ein dreistündiges Konzert-Event-Ding im Kraftwerk Berlin, dieser Betonkathedrale mit Techno-Flair. (Für die Jüngeren unter uns: Was war Techno?)

Was also kickt, was nervt?

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