Verletzlicht: Debussys „Pelléas et Mélisande“ an der Staatsoper

Pelléas et Mélisande-Reichtum ausgerechnet dans la capital de la Prusse: Claude Debussys Symbolschmachtfetzen gibts in der arg konzentrierten Kosky-Regie an der Komischen Oper wieder am 12. Juli. Die schön wässrige Deutsche-Oper-Inszenierung ist derzeit eingefroren, ob die nochmal aufgetaut wird? Die Version an der Staatsoper Unter den Linden aber, die’s im Ausweichquartier Schillertheater pour des raisons techniques viele Jahre nicht gab, ist ein wahres Monument: eine der beiden Arbeiten der großen Ruth Berghaus, die da noch laufen – neben dem 50 Jahre alten Barbier ist dieser Pelléas von 1991 noch knackfrisch. Und so gut, dass es egal ist, wer da singt … naja, fast egal. Weiterlesen

Sirenenerwählt: Staatskapelle mit Barenboim, Crebassa, Prohaska spielt Debussy

Teile des Klassikpublikums können einen schon befremden. Zum Beispiel diese Stange von drei oder vier ergrauten Staatskapelle-Abonnenten, die einer sehr jungen Frau Gift und Galle ins Gesicht blasen, weil diese – offensichtlich zum ersten Mal in der Philharmonie – ihren Platz quer durch die Reihe ansteuert: ja wo sie überhaupt hinwolle, warum erst jetzt, von der falschen Seite, müssen alle aufstehen etc pp. Da stellt sich doch die Frage, ob man in einem durchaus nicht überjüngten Publikum die Abwesenheit einer orientierungslosen Neulingin überhaupt wünschen darf. Noch dazu bei einem Programm, das so exquisit ist, dass selbst drei Hochkaräter wie Daniel Barenboim, Marianne Crebassa und Anna Prohaska die zweite Aufführung in der Philharmonie nur mit Mühe vollbekommen: Claude Debussy pur – aber nur ein Evergreen, dafür drei vergleichsweise unbekannte Stücke. Würdiger Abschluss für einen Schwerpunkt zum Debussy-Jubiläum, das mit sympathisch weniger Brimborium als Beethoven- oder Wagner-Jubiläen daherkommt. Weiterlesen

Cherubisch: Wiederaufnahme „Le Nozze di Figaro“ an der Staatsoper

Engel-Alarm an der Staatsoper Berlin! Die Hochzeit des Cherubino, könnte man diese jetzt wiederaufgenommenen Nozze di Figaro auch nennen, für die schon der Titel Cherub1Le Nozze di Susanna vorgeschlagen wurde. Denn erstens sind diese Mozart-Menschen doch alle Cherubini, himmelsferne Himmelswesen, mit ihrem unstillbaren Verlangen nach Lust und Liebe. Und zweitens sprengt die französische Mezzosopranistin Marianne Crebassa als Cherubino nicht nur die Grenzen ihrer Rolle, sondern die ganze Bühne: eine große Stimme, die man sich auch in ganz anderen Rollen vorstellen kann, zugleich frisch, fast kindlich, dramatisch, frivol, verzweifelt, unverschämt. Und darstellerisch ein konditionsstarkes, hochkoordiniertes Zappelwunder. Wenn Cherubino als Mädchen verkleidet ihren Blumenstrauss schwingt wie Thor den Mjolnir-Hammer, wackelt der Saal vor Lachen. Wenn Crebassa deklamiert Oh, vedo qui una donna!, schlackert das Ohr vor Freude.

Der Sohn des Konzertgängers war vorher schon Cherubino-Fan und ist es hinterher noch mehr. Non so più cosa son, cosa faccio auf der ganzen nächtlichen Heimfahrt mit dem Rad entlang der Spree. Weiterlesen