Liebesverwesend: Luca Francesconis „Quartett“ an der Staatsoper Berlin

Phallussymbol, verwesend

Alljährliche Aufführung eines zeitgenössischen Werks an der Staatsoper Unter den Linden – wo das Publikum schon vor Corona Abstand hielt und wo der vereinzelte Kenner sich bereits keinen Crémant leisten konnte, als die Bar noch geöffnet war. Mit Vereinzelung hat auch (wieder mal und natürlich, möchte man fast sagen) Luca Francesconis 2011 uraufgeführte Oper Quartett zu tun, deren zweite Vorstellung ich besuche. Denn nirgends ist der Mensch so vereinzelt wie in der Folgeaufführung eines Neue-Musik-Stücks nach der Premiere sowie im Auf und Ab des Liebesbegehrens.

Eine halbe Erdkugel aus Beton füllt die Bühne, eine Mischung aus Todesstern und Hodscha-Bunker; oder auch ein riesiger abgespielter Fußball (Bühne Barbara Hanicka). Endlich erfährt man mal, wie es im Inneren so eines abgespielten Balls aussieht: sehr trostlos, momentweise nicht unerotisch, aber viertelstundenweise langweilig.

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Drei-Generationen-Konzert-hoppend: Vom Konzerthaus über die Komische Oper in die Philharmonie

Ich hatte mir vorgenommen, mir als Konzertgänger und den Meinen keine eskalierenden Terminballungen mehr aufzuhalsen: Aber am vergangenen Wochenende war ich doch wieder in drei Konzerten innerhalb von 21 Stunden. Einmal mit dem alten Vater, einmal mit dem kleinsten Söhnchen, einmal mit der Frau. Samstagabend Konzerthaus, Sonntagfrüh Komische Oper, Sonntagnachmittag Philharmonie.

Konzertgängers Wochenende: von einem Konzert zum nächsten
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„Die Walküre“ an der Deutschen Oper Berlin

»Man darf als Regisseur den manischen Ring umwenden, verdrehen, auch bekämpfen und verspotten, ja zerstören – aber ihn kleinmachen?« — Mein Bericht zur neuen WALKÜRE an der Deutschen Oper Berlin ist fast so lang geworden wie das Werk selbst und seit heute im schönen neuen VAN Magazin nachzulesen.

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Nächtliche Notiz zur neuen „Walküre“ an der Deutschen Oper

Recht hat die bräutliche Schwester, wir werden dem Zyklus bis zum Schluss eine Chance geben.

Startschuss zum neuen RING DES NIBELUNGEN-Zyklus an der Deutschen Oper Berlin, pandemieausfallbedingt mit der WALKÜRE. Dass der Rheingold-Vorabend fehlt, dürfte aber nicht das Hauptproblem für Stefan Herheims Inszenierung sein. Eher, dass man ihr variiertes Einheitsbühnenbild (zahllose Koffer sowie ein Konzertflügel und große Wackeltücher) schon nach dem zweiten Akt einigermaßen über hat. Wie soll denn das bis zur GÖTTERDÄMMERUNG tragen? Auch an sich nicht uninteressante Kopfgeburten wie ein Gollum-artiges Söhnchen für Sieglinde und Hunding richten mehr zerfasernden Nervschaden als gegenlichtige Erkenntnis an. Aber wer weiß, was noch kommen wird. Und das Orchester klingt ziemlich gut. Und Lise Davidsen dürfte die stimmmächtigste Sieglinde aller Zeiten sein. Und Nina Stemme als Brünnhilde, ah, La Stemme: Die macht alles groß. Auch das zu klein Gedachte.

Jetzt erstmal schlafen und morgen frisch nochmal drüber nachdenken. Am Mittwoch erscheint dann mein ausführlicher Artikel über die neue WALKÜRE im VAN Magazin.

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Hörstörung (27): Wenn alle weg sind, fehlen sie auch wieder

Nun also zum ersten Mal seit, Sie wissen schon, wieder Berliner Philharmoniker, mit Kirill Petrenko. Schönes Konzert, aber es will sich, obwohl tadellos gespielt, nicht völlig philharmonisch anfühlen. Dabei ist die Philharmonie ja ein ausgesprochen freundlicher Hochsicherheitstrakt, das Lächeln des Personals strahlt durch alle Masken, die Farben des Wegeleitsystems illuminieren schön die Treppen des Scharoun-Hauses; und gibt es auch zero Gastronomie, so sind außer den Handdesinfektionsstationen auch Wasserspender aufgestellt. Nicht verwechseln!

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Wiederwurzelnd: RIAS Kammerchor singt 600 Jahre

Auf in die Mundhöhle des Corona-Löwen: erstes Chorkonzert seit Februar! Es beginnt um 21 Uhr im Hochsicherheitstrakt Philharmonie, spät genug, um nachmittags noch mit dem Söhnchen ein vielleicht letztes Mal für dieses Jahr ins Strandbad zu gehen. In Berlin arbeiten wir ja nicht. Außer den Künstlern!

Auf der Suche nach der verlorenen Wurzel
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Fliegenfallend: Juraj Valčuha und Simone Lamsma

Erstmals wieder im Konzerthaus Berlin seit, Sie wissen schon. Ein bissl spooky ists schon, derart ausgedünnt im Großen Saal, jede zweite Reihe ausgebaut, je zwei von vier Plätzen in den verbleibenden Reihen bleiben frei. Andererseits, allein in der Loge mit meiner Marquise finde ich schon standesgemäß. Wenngleich die eingelegten OBI-Spanplatten über der verschwundenen ersten Logenreihe etwas subaristokratisch wirken; vor allem aber fehlen natürlich die diskreten Vorhänge vor der Loge, falls man, Sie wissen schon.

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Mitziehend: Zafraan Ensemble eröffnet Monat der Zeitgenössischen Musik

Johannes Brahms, mit dessen Vierter heute Abend (nach Igor Levits Auftakt) Kirill Petrenko & sein Hausorchester die liebe Philharmonie wiederaufschließen, ist für den Konzertgänger ja auch ein Zeitgenosse. Bei der gleichzeitig stattfindenden Eröffnung des Monats der Zeitgenössischen Musik wird trotzdem nicht Brahms gespielt, sondern Romitelli, Nemtsov, Cvijović.

Tendenzen der Gegenwartsmusik: Thema Fahrstuhl (1)
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Unabgestanden: Sommerliche Raritäten mit der Akademie für Alte Musik

Wir werden auch im Herbst nicht wieder in der Philharmonie sitzen, als wär nie was gewesen; und auch nicht im Winter und im Frühling. Die Akademie für Alte Musik hat sich jetzt aber auch vorgewagt und gibt eine Reihe von windfrischen Sommerkonzerten in der Elisabeth-Kirche und der angrenzenden Villa Elisabeth in der Invalidenstraße. Denn Frischwind ist alles derzeit.

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Düstrentagshoffend: „Rheingold auf dem Parkdeck“ der Deutschen Oper

Wagner-Wahnsinn kündigt ein Plakat an der Beton-Mauer des Parkhauses hinter der Deutschen Oper Berlin immer noch an, und um die Ecke wird Entdeckerkurs verheißen. Um Rued Langgaards raren Antikrist aus den 1920er Jahren, der im März ohne Corona hier Premiere gefeiert hätte, kanns einem besonders leidtun. Und auch auf das neue Rheingold, das es als Höhepunkt der Wagner-Wochen und Beginn des neuen Ring-Zyklus im Juni hätte geben sollen, war man gespannt. Eine eingeschmolzene Fassung also nun. Unter strikten Bedingungen im Parkhaus der Oper – eher Lebenszeichen als Geniestreich, aber ein wohltuendes, für manche sogar lebensnotwendiges.

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Entmaskend: Hinrich Alpers spielt Klavier. In echt.

Maske: nicht korrekt

Vorsichtiges Wiedererwachen, noch unsicher mit den Augen blinzelnd. Das Publikum sitzt mit coronabedingtem Abstand und trägt Maske im Weddinger Pianosalon Christophori, der sich jetzt behutsam wieder ins Konzertleben wagt. Und auch das Programm des Pianisten Hinrich Alpers, der endlich wieder vor leibhaftigen Menschen auftreten kann, hält Abstand zueinander, von Beethoven bis Skrjabin. Und Maskenträger sind auch dabei, Ravel ohnehin masqué, aber irgendwie auch Schumann und Liszt.

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Kalter Entzug

Nicht nur Musiker leiden, sondern auch Klassikjunkies. Was macht der pandemiebedingte Konzert- und Opernentzug eigentlich mit Menschen, die vom Live-Erlebnis leben wie der Mensch vom Brot und die Ente von der Kleinen Wasserlinse und wir alle miteinander vom Wasser? Mit einem bärigen Prachtexemplar der Gattung Heavy-Konzert-User habe ich darüber ein Gespräch geführt und fürs VAN-Magazin protokolliert.

Nachzulesen hier (kostenlos)

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Ein Erzbrief an Beethoven

Hip hip hooray, ab morgen haben in ganz Deutschland (wenn schon nicht die Konzertsäle und Opernhäuser) die BUCHLÄDEN wieder geöffnet! Indessen habe ich im Shutdown einen Brief an Ludwig van Beethoven verfasst – für eine Reihe des Deutschlandfunk-Musikjournals. „Lieber Ludwig, Scheiß Er sie voll!“, wurde mein Brief dort übertitelt. Aber ehrlich gesagt, das würde ich niemals schreiben.

Denn wer dürfte sich das erlauben – lieber Ludwig?!? Dies also ist mein Brief an Beethoven:

Sehr geehrter, nein: höchstverehrter …

… und damit fangen die Probleme ja schon an! Denn eigentlich würde ich gern schreiben: lieber Herr van Beethoven, herzallerliebster Herr van Beethoven. Aber das geht natürlich nicht, das sieht wohl jeder ein.

Und da wären wir schon beim nächsten Problem: Sieze ich Sie oder duze ich Dich? Siezen ist zu distanziert, wenn man wen liebt; Duzen zu kumpelhaft, wenn einer derart fern ist. Ich glaube, ich werde es darum wie Ignaz Schuppanzigh machen, dieser adipöse Geiger, der Ihre-Deine späten Streichquartette uraufführte. Der erzte nämlich alle Menschen, furchtbar altmodisch schon damals. „Scheiß Er sie voll!“, war Schuppanzighs schöner Rat zum Umgang mit einem verständnislosen Publikum.

Nach diesem Beispiel will also auch ich Ihn erzen, herzverehrtester Beethoven!

[…]

Den Brief weiterlesen (oder anhören) beim Deutschlandfunk

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Quarantäne-Qualen (2): Mein erstes Mal in Bayreuth

Schicko machen für Bayreuth, na klaro – aber vor allem Händewaschen nicht vergessen!

Nix Konzerte weiterhin. Weiß der Himmel, wann es wieder losgeht. Wenn, dann sicher erstmal Kammermusik, klein besetzt und klein besucht, das ist weniger infektiös. Und bis dahin? Konserve hören. Klavier üben. Lesen. Um die dürre Zeit zu übertändeln, hier nach der Wiederveröffentlichung meines letzten Bayreuth-Berichts nun noch mein Artikel über meinen ersten Besuch überhaupt bei den Bayreuther Festspielen.

Und über Lohengrin. In Neukölln gings los. Von Little Beirut nach Bayreuth.

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Wehe, Walhall in Quarantäne-Qualen (1)

Zurück vom Ring!, rief das verfluchte Covid-19, und also gehen die diesjährigen Bayreuther Festspiele den Rheinfall hinunter. Das muss wohl so sein, alles andere wäre unverantwortlich. Da es also im Sommer nichts über einen neuen Ring des Nibelungen zu schreiben geben wird, veröffentliche ich hier noch einmal meinen Zeitungsbericht über die Festspiele 2019 mit dem neuen Tannhäuser. Mein Bericht von 2018 über Lohengrin folgt dann in ein paar Tagen. Bleiben Sie gesund und munter!

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