Dreiweiblich: Kurzopern von Ibert, Poulenc, Ravel an der UdK

Notiz ans Selbst: öfter mal das junge Gemüse besuchen. Denn was die Berliner Musikhochschulen so auf die Bretter stellen, ist à la bonne heure. Was nun die jüngst gezeigte Einakter-Triplette unter dem Titel Trois femmes mit Stücken der drei Non-femmes Jacques Ibert, Francis Poulenc und Maurice Ravel an der Universität der Künste angeht, hängte sich ein Intensiv-Musiktheatergänger gar dergestalt aus dem Fenster, dies sei der Höhepunkt seiner Berliner Opernsaison gewesen. Was durchaus als Sottise gegen den Berliner Opernbetrieb gemeint war; aber dennoch eine hohe Anerkennung für diese wunderbare Produktion ist, deren trois heures wie im Fluge vergehen. Weiterlesen

Vorspielhaft: Saisonvorschau & Konzert mit Juraj Valcuha im Konzerthaus

Vorspielhaft, nennt András Schiff die Arbeit des Berliner Konzerthauses und besonders des Noch-Chefdirigenten Iván Fischer. Und auch wenn er sich gleich zu beispielhaft verbessert, kann man das Wort gut stehenlassen, um die Vielseitigkeit und das lebendige Musizieren am Konzerthaus Berlin zu preisen. Den Eindruck von Schnarchmottigkeit, der das Konzerthaus-Image früher prägte, hat diese Vitalität doch ziemlich vertrieben. Mehr noch als die schnieken und preisgekrönten Social-Media-Kampagnen wie #klangberlins, die natürlich auch Nachfolger haben in der neuen Saison 2018/19 unter dem Motto Eins mit Berlin.

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Promenierend: Berliner Philharmoniker, Sokhiev, Bronfman spielen Prokofjew, Beethoven, Mussorgsky/Ravel

Zu Zweidritteln perfekt kindergeeignetes Programm bei den Berliner Philharmonikern, zu dem der Konzertgänger denn auch (Artemisquartett im Kammermusiksaal hin oder her) tiefstenentspannt mit seiner höchstgeschätzten Tochter promeniert, um’s von knapp unter der Saaldecke zu goutieren. Tugan Sokhiev dirigiert, stets gern gesehener Gast. Der rote Faden des Programms bleibt ein bissl scheinig, wischiwaschi, ein Genuss ist es aber allemal, und wischiwaschigen Klang gibts bei Sokhiev nie. Weiterlesen

Virtuoskindlich: Kopatchinskaja und Leschenko im Boulezsaal

Ein Kessel Buntes, aber nicht Wahlloses im Pierre-Boulez-Saal: explosiv vom knarzenden Knarren im Salonmatsch bis zum schmalzigen Schalk, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Weil das enfant terrible Patricia Kopatchinskaja mittlerweile eine prosperierende Fanschar hat (einerseits erfreulich, andererseits bedenklich wegen der lärmigen Begleiterscheinungen wie Johlen und Füßetrappeln nach jedem Stück), hier erstmal ein paar Worte zu ihrer gleichrangigen Partnerin, der wunderbaren Pianistin Polina Leschenko. Weiterlesen

Vernichtungsblühend: Berliner Philharmoniker, Antonio Pappano, Véronique Gens mit Ravel, Duparc, Mussorgsky, Skrjabin

Für den Konzertgänger immer ein Extrapunkt, wenn bei den Berliner Philharmonikern ein Komponist auf dem Programm steht, von dem er noch nie gehört hat. Das ist der Fall beim ersten Gastdirigat von Antonio Pappano seit 12 Jahren. Mag das Orchester den Pappano nicht, wie Brug meinte? Und ist der Konzertgänger der einzige im Saal, der den Franzosen Henri Duparc (1848-1933) nicht kennt? Fragen über Fragen.

Auf die man gar keine Antwort mehr will, wenn die hinreißende Sopranistin Véronique Gens singt. Weiterlesen

Schlürfend: Saisonschlüsse im Konzerthaus und an der Komischen Oper

So wie der nördliche Mensch im Herbst Sonne schlürft, um den endlosen Winter zu überstehen, schlürft der Konzertgänger im Juli Musik, um die endlose Sommerpause zu überstehen. Zweimal am Wochenende: Die Komische Oper spielte zum Abschluss ihres Neuproduktions-Festivals Mussorgskys Jahrmarkt von Sorotschinzi (mehr dazu unten), und im KONZERTHAUS gabs ein Programm mit Musik und Sonne.

Und, wichtiger als Sonne: Sommernacht. Kein Open-Air-Quatsch, sondern ein schönes spanisch-baskisches Programm des Konzerthausorchesters mit dem spanischen Dirigenten Josep Pons und zwei hinreißenden Sängerinnen. Wobei hinreißend, frei nach Loriot, das künstlerische Gesamtkonzept ist; rein sängerisch hinreißend ist zumindest eine der beiden. Weiterlesen

Der Komponist und der Zauberspuk – Eine Playlist zu Jean Echenoz‘ Roman „Ravel“

9783827006936Einer der schönsten Musikerromane, die es gibt, ist für mich Jean Echenoz‘ Ravel. Aber ist das überhaupt ein Roman, dieses kleine, feine Kunstwerk von nur 110 Seiten? Es ist eine Preziose von Text, die der 1947 geborene französische Schriftsteller geschaffen hat, höchst verdichtet, dabei immer reizvoll funkelnd, konkret.

Wie eine Komposition von Ravel.

Auf den Tag genau zehn Jahre folgt Ravel dem Leben des Komponisten: Vom 28. Dezember 1927 bis zum 28. Dezember 1937, seinem Todestag. Eine seismografische Beobachtung kleinster Regungen und Erschütterungen: Das stundenlange Bad in der Wanne auf Greifenfüßen. Die Vorliebe des ständig müden Feingeists für blutige Steaks. Die unruhigen Gänge durch das Haus in Montfort-l’Amaury, das die Form eines Briekäse-Viertels hat und zur Straße hin nur ein Stockwerk, zum Garten jedoch drei. Weiterlesen und Hören auf Idagio →

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8.2.2017 – Animierend: Strawinsky / Ravel an der Komischen Oper

Wieder Live-Action-Cartoon-Oper an der Komischen Oper: Die zweite Produktion des britischen Regie-Teams 1927 wirkt runder und schlüssiger als die vielgerühmte Zauberflöte. Trotzdem ist man danach etwas unschlüssig, wohin der Ansatz führen soll und kann.

Spektakulär sieht die Verbindung von animierten Filmen und menschlichen Akteuren auf jeden Fall auch diesmal aus:

Und die Koppelung des Balletts Petruschka und der Kurz-Oper L’Enfant et les Sortilèges ist nicht nur deshalb einleuchtend, weil die Komponisten Igor Strawinsky und Maurice Ravel im Jahr 1913 eine Nacht im selben Bett geschlafen haben sollen. Sondern auch weil sie sich inhaltlich berühren: In einem Stück erwachen Jahrmarktspuppen zum Leben, im anderen Dinge und Gegenstände eines Kinderzimmers.

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18.1.2017 – 153fach: Lucas Debargue spielt Scarlatti, Beethoven, Ravel, Liszt

f243gVorher leise Skepsis (und ein schlechtes Gewissen, weil gleichzeitig das Eröffnungskonzert des Ultraschall-Festivals für Neue Musik stattfindet), danach helle Begeisterung. Zumindest über den zweiten Teil des Konzerts, mit dem der französische Pianist Lucas Debargue im Kammermusiksaal sein Berlin-Debüt gibt. Genie-Mythen werden um den 26jährigen Franzosen gestrickt, im Interview entsteht ein konkreteres Bild des Mannes, der als Teenager das Klavierspiel hinschmiss, in einer Rockband spielte und erst mit 20 mit ernsthaftem Klavierstudium begann. Beim Tschaikowsky-Wettbewerb 2015 wurde er „nur“ Vierter, aber die Moskauer Kritik schwärmte für ihn.

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6.11.2016 – Traumrosamundisch: Mandelring Quartett spielt Haydn, Schubert, Beethoven

Ein Leben ohne Streichquartette ist möglich, aber sinnlos. Also beginnt der graue und grausige November mit einer höchlich sinnhaften Woche, einem inoffiziellen Streichquartett-Festival: Bevor heute das Cuarteto Casals und am Donnerstag das Emerson String Quartet Berlin beehren und am Samstag das feine Vogler Quartett im Konzerthaus spielt, eröffnet das vorzügliche Mandelring Quartett seinen neuen Berlin-Zyklus mit einer klassischen Drei-Gipfel-Wanderung im Kammermusiksaal. Hayschubhoven.

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