Fishy: Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ an der Deutschen Oper

Letzte Gelegenheit, in verkommener Gesellschaft im Trüben zu fischen: Am kommenden Freitag gibts den allerletzten fischblutfleischroten Vorhang für Ole Anders Tandbergs Inszenierung von Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk an der Deutschen Oper Berlin. Beim vorletzten Vorhang, erst der siebten Aufführung seit der Premiere 2015, war der Konzertgänger dabei. Aus Herzensneigung zur armen Lady Macbeth alias Katerina Lwowna, dieser kämpferischen Schwester der Katja Kabanowa, deren Mordbereitschaft sie am Ende doch auch nur ins Wasser führt (Handlung). Weiterlesen

Maßlos erlösend: Korngolds „Wunder der Heliane“ an der Deutschen Oper

Ist der beinah einhellige Jubel über diese Erich-Wolfgang-Korngold-Produktion der Deutschen Oper Berlin berechtigt? Und hat Das Wunder der Heliane tatsächlich das haarsträubendste Libretto der Operngeschichte oder bloß das zweithaarsträubendste? (Und falls Letzteres, welches ist noch haarsträubender?)

Bis Anfang April ist Gelegenheit, das herauszufinden. Der Konzertgänger ergreift den Schopf bei der zweiten Aufführung, vier Tage nach der Premiere. Weiterlesen

Prophetenmütterlich: Meyerbeers „Le Prophète“ an der Deutschen Oper

Sind die Täufer nicht slightly aktueller als der olle Luther? Nicht die Täufer im allgemeinen, sondern die von Münster, wie die Nachwelt (oder die Siegergeschichtsschreibung) sie darstellte: eschatologisch, apokalyptisch, menschheitserlösend, durchgeknallt, blutrünstig. Diese Art von Wiedertäufern gibts ja bis heute, sie führen Endzeitkämpfe aller Art. Sie haben das 20. Jahrhundert versaut, heute schneiden sie Ungläubigen die Köpfe ab oder wollen hierzulande unsere Kultur von Fremdkörpern reinigen.

Kein Wunder also, dass Giacomo Meyerbeers Le Prophète (uraufgeführt 1849, 14 Monate nach der Verfassung des Kommunistischen Manifests) derart knackt. Wenn die Aufführung so gut ist wie an der Deutschen Oper Berlin. Weiterlesen

Maeterlinck-Doppel: „Pelléas et Mélisande“ an der Komischen und „L’Invisible“ an der Deutschen Oper

Schöne Gelegenheit, zweimal Opern nach Maurice Maeterlinck zu sehen und zu hören: Samstag Pelléas et Mélisande an der Komischen Oper, Sonntag L’Invisible an der Deutschen Oper.

Zwei Wochen nach der Uraufführung von Aribert Reimanns neuer Oper (ausführliche Premierenkritik) ist der Saal der Deutschen Oper doch eher kammermusikalisch besetzt, zumindest im Rang. Trauriger Berliner Gleichmut gegenüber einer herausragenden Neuigkeit. Aber Reimann ist wieder da, diesmal sitzt er im ersten Rang! Weiterlesen

Schattensichtbar: Aribert Reimanns „L’Invisible“ an der Deutschen Oper Berlin

Der französische Titel lohnt allein schon deshalb, weil offen bleibt, ob er DER, DIE oder DAS UNSICHTBARE bedeutet. Aber das ist nur einer von vielen Gründen, warum Aribert Reimanns neue Oper L’Invisible, uraufgeführt am Sonntag an der Deutschen Oper Berlin, so sehr lohnt: Dringliche Empfehlung für alle, denen diese Kunstform am Herzen liegt!

Das WER, WIE, WAS der Oper ist allerdings komplex. Aber nicht esoterisch, sondern hinreichend durchdringbar, um eine packende Opernerfahrung zu machen. Vorausgesetzt, man macht sich vorher ein klein wenig mit dem dreiteiligen Aufbau der Sache vertraut.

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Kreuzluftspiegelnd: Wiederaufnahme „Don Carlo“ an der Deutschen Oper

alonso_sanchez_coello_koenig_philipp_ii._von_spanien_in_spanischer_hoftracht_mit_dem_orden_vom_goldenen_vlies_um_1568_originalHier keine Perlenfischer. In Berlin hat man ja den Luxus, nach anderen Perlen zu fischen: Man kann z.B. Giuseppe Verdis Don Carlo, gestern an der Deutschen Oper wiederaufgenommen, mit dem eben gehörten Don Carlo an der Staatsoper vergleichen. Dort alles in allem differenzierter, hier theatralischer, auch plakativer, für den Konzertgänger letztlich aber emotional berührender.

Noch anregender der Vergleich mit dem sehens- und hörenswerten Boris Godunow, der eben an der Deutschen Oper Premiere hatte: Traurige Despoten unter sich, der Boris und Carlos Vater Philipp (siehe rechts). Beide wahrscheinlich gar keine schlechten Könige, so sub specie historiae betrachtet. Aber wie sie sich quälen sich sub specie aeternitatis (im Puschkin-Russland) bzw sub specie amoris (im Schiller-Spanien). Weiterlesen

Basskreiselnd: Mussorgskys „Boris Godunow“ an der Deutschen Oper

Dieser neue Boris Godunow an der Deutschen Oper hat ein offensichtliches und ein offenhörliches Zentrum. Das offensichtliche ist ein bunter Kreisel: kein Brummkreisel, sondern ein schaurig stummer. Das offenhörliche sind die farbigen Bässe: keine Brummbässe, sondern melosströmende.

kreisel 1

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Schmerzlich: Brittens „Billy Ohnesorg“ an der Deutschen Oper

Black_sea_by_Ivan_Aivazovsky2. Juni, schmerzlicher Abschied von Benjamin Brittens Billy Budd: für diese Saison, hoffentlich nicht für immer. Aber wo soll die Deutsche Oper Berlin das Publikum herzaubern für dieses Juwel? Besser kann sie ja kaum sein, dieser Billy Budd gehört(e) zum Stärksten, Eindrucksvollsten, Berührendsten, was hier in den letzten Jahren auf die Bühne gekommen ist. Weiterlesen

Hochseetüchtig? Dirigent Moritz Gnann zur Wiederaufnahme von „Billy Budd“ an der Deutschen Oper

WinslowHomer-Eight_Bells_1886Zu den verdienstvollsten Bemühungen der letzten Jahre an der Deutschen Oper gehört das Engagement für das Werk von Benjamin Britten — zuletzt Death in Venice. Frommer Wunsch, weil’s wahrscheinlich der Highway to Pleite wäre: nicht nur Verdi- und Wagner-Wochen, sondern einmal eine Britten-Woche, inklusive The Rape of Lucretia.

Jetzt kommt der großartige Billy Budd wieder, jene geheimnisvolle Melville-Veroperung, in der es nicht nur um Männerliebe geht, die sich nicht anders als in Hass auszusprechen vermag, sondern auch um die mystische Kraft des Stotterns. Wo wird in der Operngeschichte sonst so bedeutungsvoll gestottert?

Der Dirigent Moritz Gnann dirigiert Billy Budd dreimal (24. & 26. Mai, 2. Juni), zudem in einer kuriosen Kombination Donizettis L’Elisir d’Amore am 23. & 27. Mai. Zuvor hat der dem Konzertgänger ein paar Fragen beantwortet. Weiterlesen

Schwarzgrünschwarz: Wagners „Fliegender Holländer“ an der Deutschen Oper

Kohlrabendüsterer neuer Holländer, der eigentlich Erik und Senta heißen müsste – sowohl was Sängerleistungen als auch was Regiekonzept angeht.

August_Strindberg_-_Storm_in_the_Skerries._-The_Flying_Dutchman-_-_Google_Art_Project Weiterlesen