Anfangend: Kleine Bilanz zum Meyerbeer-Finale in Berlin

Giacomo Meyerbeer 1855

Was bleibt von dem fünfwöchigen Meyerbeer-Spezial an der Deutschen Oper Berlin, das dieses Wochenende ins Finale geht? Unter anderem die Erkenntnis, dass man Gutes nicht nur tun sollte, sondern auch laut drüber sprechen, poltern, protzen. Ups, völlig übersehen, völlig verplant, schrieb kürzlich auf Twitter eine von diesen paar Dutzend verrückten Opernliebenden, die das ganze Jahr kreuz und quer durchs Land reisen und die man mit der Zeit kennt, wenn man regelmäßig in die Oper geht und sich in sozialen Netzwerken darüber unterhält. Die Meyerbeer-Wochen in Berlin unter Radar, wie konnte das passieren?

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Arg: Zemlinskys „Zwerg“ an der Deutschen Oper

Himmelhochjauchzen à la berlinaise: nichts zu meckern heute. Wahrscheinlich ist das sogar die beste, rundeste Premiere der Saison an der Deutschen Oper. Besetzung hervorragend, Orchester gut in Schuss, Inszenierung schlüssig. Und das Werk, DER ZWERG von Alexander Zemlinsky, eine arge Angelegenheit im besten Sinn.

Und das, obwohl Tobias Kratzers Regie der Sache über die biografische Schiene kommt. Da könnte man an sich zweierlei fragen: Erstens allgemein, was einen das heute noch anginge, dass Zemlinsky nur einssechsundfuffzig war und eine Frau ihn mal hässlich fand. Zweitens konkret, ob die inszenierten Auftritte von Komponisten in ihren Opern nicht abgenudelt sind. Der arge Hallodri Wagner in Koskys Bayreuther Meistersingern blieb zuletzt in bestürzender Erinnerung – ebenfalls im besten, d.h. schlimmen Sinn.

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Prophetenmütterlich: Meyerbeers „Le Prophète“ an der Deutschen Oper

Sind die Täufer nicht slightly aktueller als der olle Luther? Nicht die Täufer im allgemeinen, sondern die von Münster, wie die Nachwelt (oder die Siegergeschichtsschreibung) sie darstellte: eschatologisch, apokalyptisch, menschheitserlösend, durchgeknallt, blutrünstig. Diese Art von Wiedertäufern gibts ja bis heute, sie führen Endzeitkämpfe aller Art. Sie haben das 20. Jahrhundert versaut, heute schneiden sie Ungläubigen die Köpfe ab oder wollen hierzulande unsere Kultur von Fremdkörpern reinigen.

Kein Wunder also, dass Giacomo Meyerbeers Le Prophète (uraufgeführt 1849, 14 Monate nach der Verfassung des Kommunistischen Manifests) derart knackt. Wenn die Aufführung so gut ist wie an der Deutschen Oper Berlin. Weiterlesen

3.4.2016 – Zarenbot und -braut an der Staatsoper

Grandiose Sänger und, wie’s sich in der Oper gehört, vor allem Sängerinnen (Marina Prudenskaya, Elena Tsallagova). Die Staatskapelle in Bestform. Ein melodramatischer Opernschinken, der sich vor anderen Opernschinken weder in puncto Leidenschaft noch in puncto Liebestrankkokolores zu verstecken braucht. Und eine Inszenierung mit Internet und Digitalpipapo, die nicht nervt, sondern bezwingend plausibel ist – da bleibt nur die Frage offen, warum Nikolai Rimsky-Korsakows Zarenbraut nicht auch außerhalb Russlands längst zum Repertoire gehört. Die beeindruckende Wiederaufnahme an der Staatsoper tut ihr Bestes, damit sich das ändert – im April noch dreimal zu erleben.

Meine ausführliche Rezension diesmal bei Bachtrack (mit schönen Fotos von Sängern und noch schöneren von Sängerinnen, allerdings nicht denen, die gesungen haben).

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