Pressestimmen zu „Fliegen“

Eine kleine Auswahl von Pressestimmen zu meinem neuen Roman FLIEGEN:

Die Seele «zieht Schlieren» in diesem wirklich seelenvollen Roman, dessen Sprache im Takt der Schienen schwingt. – NEUE ZÜRCHER ZEITUNG

Ein scharfsichtig-verschrobenes Ereignis. – DIE ZEIT

Albrecht Selge bleibt sehr nah bei seiner Figur. Alles wird aus ihr heraus erzählt, sprunghaft und verträumt, in einer eigensinnigen, vom vielen Alleinsein, Grübeln und Zugruckeln etwas schaukelnden Sprache. – SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Poetisch, ganz unpathetisch und mit großer Zuneigung zum Menschen zeigt uns Albrecht Selge, dass wir uns im Flug durchs Leben von niemandem demütigen lassen müssen.NDR Kultur

„Fliegen“, der neue Roman von Albrecht Selge, skizziert klug, witzig, spannend, genau und einfühlsam das Porträt einer eigensinnigen, widersprüchlichen und also so ungewöhnlichen wie auch ganz normalen Frau. – SPIEGEL ONLINE

Erhältlich in Ihrer erhaltenswerten Buchhandlung. Und überhaupt in jeder Buchhandlung. Und natürlich auch online bei eBay oder Amazon oder Thalia und überall sonst, wo es Bücher gibt.

Leseprobe und weitere Informationen bei Rowohlt.

Beata viscera Mariae Virginis

Perotin, bedeutendster Komponist der Notre-Dame-Schule, um 1200.

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Tentakelstreckend: Saisonvorschau des DSO

Education (Symbolbild)

Sinnigerweise stellt das Deutsche Symphonie-Orchester, welches abseits des großsymphonischen Hauptbetriebs ja regelmäßig nächtliche Kammerkonzerte in Berliner Museen gibt, seine neue Saison im Panorama-Pavillon am Kupfergraben vor. Dort hat man eine, nicht nur für Kinder, irre Antikenwelt aus Vogelperspektive innen drin und nach draußen den Blick aufs Pergamonmuseum – will heißen, eine dieser Berliner Baustellen, die Allegorien der Unendlichkeit sind.

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Entgrenzend: Vladimir Jurowski stellt 2019/20 vor und den Gustav dem Brahms gegenüber

Dirigent zieht, Orchester schiebt – in dieselbe Richtung

Was Berlin am Dirigenten Vladimir Jurowski und dem Rundfunk-Sinfonieorchester hat, zeigt nicht nur das jüngste Konzert mit Brahms und Mahler (mehr dazu unten), sondern auch der Ausblick auf die kommende Saison. Die steht unter dem Motto grenzenlos und wurde am passenden Ort vorgestellt: nicht auf der Bornholmer Brücke, aber immerhin im Max-Liebermann-Haus – „wenn Sie nach Berlin reinkommen, gleich links“. Seinen Vertrag beim RSB wird Jurowski, zur allseitigen Freude, bis 2023 verlängern, einige weitere Jahre sind ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

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„In einem Zug durchlesen“

Der Konzertgänger gelobt, bald nicht mehr so viel über eigene literarische Ausgüsse zu schreiben und wieder mehr über erlebte musikalische Eingüsse (auf der to-hear-list stehen demnächst Bronfman, Petrenko-Kopatchinskaja und die Strawinsky-Sause am Gendarmenmarkt, u.a. mit dem Concertgebouw). Aber das muss noch: einige schöne Lobesworte für Fliegen aus kundigem Kritikergriffel und liebevoller Buchhändlerinnenfeder.

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„Fliegen“ – Roman

And now for something completely different, aber in eigener Sache: Im neuen Roman des Konzertgängers, der am 19. Februar bei Rowohlt erscheint, geht es nicht um Musik. Es sei denn, man hörte das Dahinrattern und Dahingleiten der Züge, der Gespräche in Großraumabteilen, der Tage und Jahre als eine Art Musik.

Zum Inhalt: Eine Frau auf unendlicher Reise. Sie lebt im Zug, in Großraumabteilen, in ICEs. Früher hatte sie ein normales Leben: Wohnung, Beruf, Mann, beste Freundin. Jetzt hat sie eine Bahncard 100, eine Tasche mit dem Nötigsten und lebt vom Flaschensammeln. Und doch scheint diese Außenseiterin hellsichtig. Für die Komödien und Tragödien um sie herum, für ein Deutschland ohne Orientierung. Die Geschichte eines Sturzes? Eine Geschichte übers Aufstehen und Weiterfahren, über Obdach und Würde. Und ein Bild unserer Gegenwart aus außergewöhnlichem Blickwinkel.

Leseprobe (PDF) hier. Ab 19. Februar in jeder Buchhandlung und bei jedem Online-Händler erhältlich. Mehr zu Fliegen beim Rowohlt-Verlag.

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Kargfarbig: KHO mit Valčuha spielt Schostakowitsch und Schubert

Da würde die Afd den Saal verlassen: Dina Pronitschewa, Überlebende des Massakers, 1946 bei ihrer Aussage im Kriegsverbrecherprozess von Kiew gegen 15 deutsche Polizeiangehörige.

Guter Zeitpunkt, um Dmitri Schostakowitschs „Babi Jar“-Sinfonie zu spielen: kurz vor dem Holocaustgedenktag. Und kurz nachdem im bayrischen Landtag gewählte Abgeordnete demonstrativ den Saal verließen, weil sie die Rede der 86jährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Charlotte Knobloch, nicht ertragen wollten. Knobloch wird seitdem von Afd-Fans bedroht.

Dabei ist Schostakowitschs 1962 entstandene 13. Sinfonie b-Moll, die das Konzerthausorchester unter Juraj Valčuha spielt, natürlich keine ausdrückliche „Holocaust-Sinfonie“ (wenn es so etwas überhaupt geben kann). Weiterlesen

Mystik in Zeiten des Brandschutzes

Heiliger Erlösungs-Bimbam des Klassikbetriebs oder bloß Rebel without a clue? Wer das Polarisierungs-Spiel um Teodor Currentzis mitmacht, der ist schon mittendrin im Marketing-Spiel. Aber könnte es sein, dass dieser ungewöhnliche Dirigent nicht nur die Geister scheidet, ja zerreißt … sondern selbst ein zerrissener Geist ist? Mystik in Zeiten des Brandschutzes: so der Titel meines Currentzis-Porträts im neuen Elbphilharmonie Magazin.

(Und ab morgen oder übermorgen wird hier im Blog wieder konzertkritikt, oder wie man das nennt.)

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Sehstörung (3): Selbsteinprangerung beim „Fidelio“

Auch einem Konzertgänger, der meint, er hätte schon alles gesehen, kann es passieren, dass er einer Aufführung des Fidelio an der Staatsoper Unter den Linden auf einem der gar nicht soooo üblen Hörplätze im dritten Rang beiwohnt, von denen aus man immerhin die halbe Bühne überblickt (freilich um den Preis, direkt unter dem Dach im Kondenswasser von Tönen und Publikum zu sitzen), und gerade darüber sinniert, wie berühmt Ludwig van Beethoven heute wohl noch wäre, wenn diese langweilige, hier überdies öde inszenierte und knallig-lasch musizierte, dabei freilich – u.a. von Klaus Florian Vogt – recht gut gesungene Oper sein gewichtigstes erhaltenes Werk wäre; um auf einmal eine Zuschauerin im am ungünstigsten gelegenen Hörplatzwinkel des Saals zu bemerken, die, um dem Bühnengeschehen besser folgen zu können, ihren Kopf zwischen Brüstung und Geländer eingefädelt hat: gleich einem Pranger in finsteren Zeiten oder gar jener schrecklichen Entkopfungsmaschine zu französischrevolutionärer Zeit, aus der das merckwürdige, schon in den 1820er Jahren außer Mode gekommene Genre der Rettungsoper ja stammt; woraufhin er begreift, dass er eben noch nicht alles gesehen hatte und hat.

Besprechung der Fidelio-Wiederaufnahme bei Schlatz

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Hörstörung (24): Notwehr-Exzesse im Konzertsaal

Sinfoniekonzert (Symbolbild)

Dass vor wenigen Wochen ein Malmöer Konzert des Leipziger Gewandhausorchesters unter Andris Nelsons in einer Schlägerei endete, lag weder an aufführungstechnischen Unzulänglichkeiten noch an der generell aufwühlenden Wirkung von Gustav Mahlers Fünfter, sondern war die Eskalation eines Konflikts, der von der Hörstörung durch ein sich auswickelndes Kaugummi (oder doch eher ein Hustenbonbon?) ausging. Das Parlando über solche notorischen Hörstörungen ist nicht nur ein beliebtes, manchmal leider an die Stelle der Reflexion über die gehörte Musik tretendes Pausengesprächsthema unter Konzertgängern, sondern seit jeher eine der erfolgreichsten Rubriken in diesem Blog. Aus Gründen. Und Anflüge von Körperverletzung sind da tatsächlich nichts Neues. Auf einen anderen Aspekt machte jedoch anlässlich des Malmöer Exzesses die, oft selbst von Hustern und Raschlern gestörte, Musikkritikerin Julia Ruth Spinola bei Facebook aufmerksam: Weiterlesen

33 Veränderungen über Vladimir Jurowski

Berlin und Moskau. Oleg Senzow und Gustav Mahler. Die Frage nach der Halbgöttlichkeit von Carlos Kleiber, Teodor Currentzis und Alfred Schnittke. Radfahren und die Ewigkeit und die Freiheit des Musikers: Vladimir Jurowski in 33 Veränderungen. Mein Porträt des Dirigenten im neuen VAN Magazin.

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Was ist Warten?

„Die Hälfte seines Lebens / wartet der Soldat vergebens“, pflegte der Großvater des Konzertgängers zu sagen. Mit der Hälfte wär ein Musiker noch gut bedient. Erst recht, wenn er der Beckenschläger in Bruckners Achter ist. Der Hörer und die Hörerin aber warten ganz anders. Worauf auch immer. Zu einer Anthologie mit dem Titel Vom Warten – Über Zeitlöcher und Warteschlangen habe ich eine Erzählung beigesteuert, die Der Schlag heißt. Daraus:

Langweilig ist mir nie. Nicht mehr. Früher schon manchmal! Wenn man jung ist, das ist ein einziges Hampeln, zumindest innerlich. Heute nicht mehr. Keine Ahnung, warum das Gesicht des Pförtners am Bühneneingang – worauf du beim Warten halt so verfällst, während die andern sich abrackern. Meine Güte, erinnerst du dich halt ans Gesicht des Pförtners. Aber was heißt rackern, es soll ja fließen und strömen. Auch wenns kracht. Und strömt und fließt auch heute Abend, hört man gleich, Dirigent vertraut, Bläser gut drauf. Nur da … na, das hört keine Sau. Das Publikum will sich eh nur wegpusten lassen, außer den paar Kennern.

Die Kenner sind die schlimmsten.

Und merkst du wenns richtig fließt sowieso nicht, wieviel Arbeit da drin steckt.

Nur halt bei mir nicht.

Bis zum Schlag.

Außerdem im Buch ein Haufen prima Autorinnen und Autoren wie Marion Brasch, Dietmar Dath, Andrea Diener, Nora-Eugenie Gomringer, Andreas Maier, Philipp Mosetter. Erschienen im Marix Verlag und für 18 Euro erhältlich in allen Buchhandlungen sowie den einschlägigen Online-Shops.

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Wie ich lernte, Lutosławski zu lieben

Erst dachte ich, der Komponist hat eine Meise. Dann verschlug es mir den Atem, weil ich‘s so großartig fand. Witold Lutosławskis Werk war für mich ein Aha-Erlebnis und Lutosławski ein perfekter Türöffner zur neuen Musik, ein Vorhang-beiseite-Schieber. Darum freue ich mich (gleich dem jungen Herrn zu Füßen der Polonia auf Jacek Malczewskis Bild rechts) überaus immens, dass ich für das jungehrwürdige Elbphilharmonie Magazin ein paar Seiten über Lutosławski schreiben durfte.

Das Heft steht unter dem Titel Nachbarn, weil es in der kommenden Elbphilharmonie-Saison einen Schwerpunkt Polen gibt. Online gibts das Magazin (momentan) leider nicht, aber man kann reinblättern. Oder auch das Heft bestellen.

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Lieben Sie Bruckner?

Bruckners Neunte, von Eduard Tomek

Die Liebe zu Anton Bruckner, sagte der Konzertgänger, behauptete ich, sei naturgemäß die fürchterlichste und die herrlichste. Die Liebe der Linzer zu Anton Bruckner aber sei naturgemäß die allerfürchterlichste und die allerherrlichste, sagte er, behauptete ich. Einerseits Torte, andererseits Bruckner. Die einerseits unerträglich fürchterliche, andererseits unerträglich herrliche oberösterreichische Linzer Liebe zu Anton Bruckner, sagte er, behauptete ich, gehe sogar so weit, dass sie ihr oberösterreichisches Linzer Orchester nach Anton Bruckner benannt hätten.

Weiterführende Literatur: Mein eben erschienener Artikel Sieben Arten, Bruckner zu lieben — naturgemäß im Orchesterbuch 2018/19 des Bruckner Orchesters Linz (pdf).

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