Angst, Kleinmut und ein viraler Scherbenhaufen

Update zum Fall Lücker/Hope – für den Teil der Blog-Leserschaft, der nicht die Weltpresse verfolgt: Denn über die Sache mit dem Moderator, den das Konzerthaus Berlin wegen eines satirischen und/oder schmähenden Videos über Daniel Hope rausschmeißen will (siehe hier und hier), berichtet mittlerweile nicht nur BR Klassik, sondern auch die Londoner Times und die New York Times. Weiterlesen

Angstkleinlich: Ein Star schießt mit Kanonen auf Satirespatzen

Haarsträubender Vorgang am Konzerthaus Berlin: Offenbar weil der berühmte Geiger Daniel Hope sich über eine Satire (oder auch bloß Allerweltsblödelei) ärgert, wird ein unberühmter Dramaturg gefeuert. Darauf macht der Komponist Moritz Eggert in einem offenen Brief im „Bad Blog“ der neuen musikzeitung aufmerksam.

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Bewegung, bitte!

Auch zu viele Kekse schnabuliert über die Feiertage? Oder zu viel Musik gehört im bequemen Sessel? Dann aber raus!

Andererseits, immerzu raus, was soll das. Musikhören ist auch schön. Hier werden Sie geholfen: Musik, die sich bewegt. Sechs Schlittenfahrten, eine Hummel und zwei Eisenbahnen, Steckenpferd und Fangenspielen, drei irre Fingerakrobaten, brasilianischer Karneval und ein durchgeknallter Bienenschwarm. Oder was soll das Letzte sein? Eine Playlist für Kinder – und was für Kinder gut ist, das kann Erwachsenen nicht schaden. Weiterlesen und Hören

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Hörstörung (20): Können und Mögen

Bei den Lunchkonzerten der Berliner Philharmoniker (wo am kommenden Dienstag Franz Schuberts vierhändige f-Moll-Fantasie D 940 erklingen wird, ein Stück, das den Konzertgänger garantiert bis weit übers Dinner hinaus fällen würde) gibt es immer diesen höflichen Hinweis des Veranstalters an die Eltern kleiner Kinder:

Mit Rücksicht auf die ausführenden Künstler und die anderen Konzertgäste bitten wir interessierte Eltern, vor dem Besuch eines Lunchkonzertes abzuwägen, ob ihr Kind ca. 45 Minuten still sitzen kann und möchte. 

Der Konzertgänger möchte indes nach den verheerenden Erlebnissen der letzten Woche diese Bitte an alle richten, die ein klassisches Konzert zu besuchen im Begriffe sind, vom zullenden Kind über das blühende Manns- wie Weibsbild bis zum Greis dicht vor der Lebensscheide: Wäge ab, ob du eine gewisse Zeit still sitzen kannst und möchtest.

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Hördenkend: Die „Duineser Elegien“ mit Franziska Walser und Edgar Selge im Pierre Boulez Saal

Das hat noch gefehlt, da wird der Pierre Boulez Saal zum Rainer Maria Rilke-Saal: zweimal die Duineser Elegien, am vergangenen Sonntag und nochmal am kommenden Freitag, gesprochen von Franziska Walser und Edgar Selge. Purer Text, ohne Lichtschnickschnack und dergleichen, womit sich Rilke leichter bekömmlich machen ließe.

O reine Übersteigung, wie Rilkianer statt Ach du grüne Neune gern sagen. Aber die ist ja aus den Sonetten an Orpheus (die Übersteigung, nicht die grüne Neun). Deren erstaunlich weniger überstiegenes Gegenstück, die gar nicht so elegischen Elegien im Konzertsaal zu rezitieren, das ist ein interessantes Experiment. Statt Musik für das denkende Ohr mal Worte für das hörende Denken. Weiterlesen

Hörstörung (19): Ohrenzuhalten bei Mahlers Neunter mit Haitink und den Berliner Philharmonikern

Quelle: Anne Wellmer

Um diesem hemmungslosen Aus- und Raushusten in den Pausen zwischen den Sätzen zu entgehen, dem vorsorglichen Geröchel, dem Schnäuzen und Ausschmeißen, dem raschelnden Bonbonauswickeln, dem Poltern hastigen Nacheinlasses, dem unvermeidlichen Nachstimmen zwischen zweitem und drittem Satz und vor allem dem nichtigen Geplapper — um all dem zu entgehen, muss man sich bloß zwischen den Sätzen mit spitzen Zeigefingern die Ohren zuhalten: Weiterlesen

Hörstörung (18): Das Theaterpublikum hält den Rand

Warum zum Kuckuck, fragt sich der hörstörgeplagte Konzertgänger, als er zur Abwechslung einmal zum Theatergänger wird, um im Berliner Ensemble Michael Thalheimers zurecht hymnisch gelobte Frankfurter Medea-Inszenierung zu sehen und zu hören, die in beklemmend enger Weite die Sprache des Schreckens und der Finsternis, von Peter Krumme atemabschnürend dicht aus dem Griechisch des Euripides ins Deutsche übertragen, zum Klingen bringt, nur und einzig und allein die Sprache: warum zum Kuckuck ist dieses Theaterpublikum im Gegensatz zum Konzertpublikum in der Lage, zwei pausenlose Stunden lang ohne Mucks und Scharren und Husten zuzuhören?

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„Wo bist du, kleiner Stern?“ – Zur Rostropowitsch-Hommage im Konzerthaus Berlin

Die Gnade der späten Geburt wurde seinen Händen zuteil. Denn eigentlich wäre des 90. Geburtstags von Rostropowitsch nicht erst im März dieses Jahres zu Gedenken gewesen, sondern schon früher. Aber die schwangere Pianistin Sofia Nikolajewna Fedotowa brauchte viel Geduld im Spätwinter 1927 in Baku: Wochenlang ließ ihr Kind auf sich warten. Und als Mstislaw Leopoldowitsch alias Slawa viele Jahre später seine Mutter fragte, warum sie ihm in all der Zeit kein schöneres Gesicht gegeben habe, da antwortete sie: „Dafür habe ich an deinen Händen gearbeitet.“

Lange, dünne Finger waren das. Und doch wurde der Celloklang von Mstislaw Rostropowitsch, den das Konzerthaus Berlin jetzt mit einer zehntägigen Hommage ehrt, zum Inbegriff des schönen, warmen Tons. Kraftvoll und golden. Weiterlesen und Hören