KURZ UND KRYPTISCH (4): Schütz und Brahms-Requiem mit Jurowski, RSB, Cantus Domus

KURZ UND KRITISCH hieß einst eine Rubrik im Tagesspiegel, die es leider nicht mehr gibt. Da aber k & k immer fein ist, rezensiert der Konzertgänger, wenn er wenig Zeit hat, auch mal KURZ UND KRYPTISCH. Heute: Das Rundfunk-Sinfonieorchester und Cantus Domus führen Heinrich Schütz und Brahms‘ „Deutsches Requiem“ auf.

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Sturzdämmernd: Premiere von Hans Werner Henzes THE BASSARIDS an der Komischen Oper

Hütet euch, Söhne, wenn die Mütter tanzen gehen!

Wo steckt Henze? Im Berliner Konzert- und Opernleben der letzten Jahre war er jedenfalls kaum mehr zu entdecken. Jetzt aber haben sich an der Komischen Oper Berlin zwei Musiktheater-Babos (um mal wieder diesen schönen Begriff eines bekannten Rappers namens Strafzettel zu zitieren) die Oper The Bassarids von Hans Werner Henze vorgeknöpft: Barrie Kosky inszeniert – ein bisschen. Vladimir Jurowski dirigiert – immens.

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Dürrheil: Haydns „Jahreszeiten“ mit RSB, Vocalconsort, Jurowski

Gute Sache, ein paar Tage nach diversen Gewitter- und Pastoralmusiken mal wieder Joseph Haydns Jahreszeiten zu hören. Moment, „mal wieder“? Es ist der Erstkontakt seit dem Musikunterricht in der Schule, damals in der mittlerweile gefühlten nullten Jahreszeit des Lebens. Dass für Bammel und Kontaktsperre gar kein Grund war, zeigt aber die schöne Aufführung durchs Rundfunk-Sinfonieorchester und Vocalconsort Berlin mit dem Dirigenten Vladimir Jurowski.

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Humanorganisch: Gérard Griseys „Les espaces acoustiques“ mit Vladimir Jurowski

Heimlicher Höhepunkt der Saison, und für die Anwesenden im Konzerthaus Berlin gar nicht so heimlich: Vladimir Jurowski führt mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) und dem ensemble unitedberlin das Spektral-Spektakel Les espaces acoustiques von Gérard Grisey auf. Wenn man nun pingibel darlegte, was es mit dieser „Spektralmusik“ auf sich hat, deren Opossum Magnum das Werk des 1998 gestorbenen Grisey darstellt – ja, da könnte einem die Lust aufs Hören gleich wieder vergehen. Im Blog von musica viva lässt sich das alles akkurat und durchaus unverquast nachlesen, aber es fehlt doch ein entscheidender Hinweis: nämlich dass das eine berauschende Klangerfahrung von überwältigender Schönheit ist.

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Entgrenzend: Vladimir Jurowski stellt 2019/20 vor und den Gustav dem Brahms gegenüber

Dirigent zieht, Orchester schiebt – in dieselbe Richtung

Was Berlin am Dirigenten Vladimir Jurowski und dem Rundfunk-Sinfonieorchester hat, zeigt nicht nur das jüngste Konzert mit Brahms und Mahler (mehr dazu unten), sondern auch der Ausblick auf die kommende Saison. Die steht unter dem Motto grenzenlos und wurde am passenden Ort vorgestellt: nicht auf der Bornholmer Brücke, aber immerhin im Max-Liebermann-Haus – „wenn Sie nach Berlin reinkommen, gleich links“. Seinen Vertrag beim RSB wird Jurowski, zur allseitigen Freude, bis 2023 verlängern, einige weitere Jahre sind ausdrücklich nicht ausgeschlossen.

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Hej! Weselmy się!

Für Weihnachtskonzerte gelten eigene Gesetze. Wie voll wäre die Philharmonie bei einem normalen Abokonzert mit Zemlinsky, Pärt, Lutosławski, Honegger und (na gut) Bach? Bei dem originellen Weihnachtskonzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters und mehrerer Chöre mit Vladimir Jurowski aber ist sie rappel. Reuelose musikalische Völlerei, mit einigen Prisen Askese, quer durch Europa.

Alexander Zemlinskys 1910 entstandene Vertonung des lebensbegleitenden, allerschönsten Psalms 23 Der Herr ist mein Hirte scheint mit Gebimmel und Harfnerei doch eine ästhetische Verirrung. Aber wie außerordentlich schön bimmelt und harft das RSB! Und die Berliner Singakademie, Laienchor der gehobenen Klasse, macht ihre Sache auch gut. Für den Psalm 121 hat Arvo Pärt einen adäquateren Klang gefunden, Beschränkung auf Streichorchester, der warme Countertenor von Andreas Scholl wiederholt lange immer denselben Ton und wechselt insgesamt viermal von mittel nach hoch und umgekehrt; während Pärts Vaterunser bedenklicher auf dem Kitschgrad balanciert. Weiterlesen

Doppelmessiast: RSB spielt „El Niño“ von John Adams, DSO „Messiah“ von Händel

Ja is denn heut schon Weihnachten – feinabgestimmte Programmplanung, wo gibts denn sowas? In Berlin sonst kaum, hier lief ja schon mal der Don Giovanni in der Staatsoper und gleichzeitig 600 Meter weiter in der Komischen Oper. Nun aber kann man an einem einzigen Wochenende überschneidungslos zwei wildwuchernde Heilands-Oratorien erleben: am Samstagnachmittag und Sonntagabend Händels Messiah in der Philharmonie, dazwischen am Samstagabend John Adams‘ El Niño im Konzerthaus. Ersteres mit dem Deutschen Symphonie-Orchester und dem RIAS Kammerchor unter Robin Ticciati (mehr dazu unten); letzteres mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester und dem Rundfunkchor unter Vladimir Jurowski. Weiterlesen

Vogelerdig: NABU führt durch den Tiergarten, Jurowski durchs „Lied von der Erde“

Das Lied von der Erde singen in der Sonntagabenddämmerung erstmal die Vögel im Tiergarten. Denn vor dem Konzert mit Schubert und Mahler bietet der altehrwürdige Naturschutzbund NABU einen vogelkundlichen Spaziergang in der Nähe der Philharmonie an – als Kooperationspartner des Rundfunk-Sinfonieorchesters, dessen aktuelle Saison Chefdirigent Vladimir Jurowski unter das Motto Der Mensch und sein Lebensraum gestellt hat.

Der Herbst ist im Konzertbetrieb beginnende Hauptsaison, im Vogelbetrieb Gesangsnebensaison. Weiterlesen

33 Veränderungen über Vladimir Jurowski

Berlin und Moskau. Oleg Senzow und Gustav Mahler. Die Frage nach der Halbgöttlichkeit von Carlos Kleiber, Teodor Currentzis und Alfred Schnittke. Radfahren und die Ewigkeit und die Freiheit des Musikers: Vladimir Jurowski in 33 Veränderungen. Mein Porträt des Dirigenten im neuen VAN Magazin.

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Theatralyrisch: Vladimir Jurowski beim RSB mit Mozart und Zemlinskys „Lyrischer Sinfonie“

Viele Wege führen nach Wien, aber alle sind Umwege. Zu Beethoven nahm Vladimir Jurowski den teils faszinierenden, teils verstörenden Umweg über Gustav Mahler, der die ungeraden Sinfonien von der Eroica bis zur Neunten mit spätromantischen Instrumentierungs-Anabolika aufpumpte. Zu Wolfgang Amadeus Mozart gehts dagegen über den scheinbar vertrauteren Umweg der wissenschaftlich fundierten Originalklang-Spekulationen, zumal Wien hier ja an der Moldau liegt: So bekommt bei der „Prager“ Sinfonie D-Dur KV 504 (wie schon beim Requiem) die Blech-Abteilung des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin historisches Natur-Instrumentarium in die Hände. Der Einsatz von Demeter-Trompeten und Hörnern mit Biosiegel hat aber weniger mit dem Öko-Schwerpunkt der kommenden Saison zu tun als mit musikalischem Sinn. Weiterlesen

Erschlagungsvoll: RSB und Jurowski spielen Brett Dean, Alban Berg, Schostakowitsch

Dieses Konzert im thematischen Bermudadreieck „Shakespeare / Oper / Frau“ wirkt ein bisschen so, wie Vladimir Jurowski redet: kaum zu stoppen, so dass man sich danach ein bissl erschlagen fühlt – aber niemals zugeschwafelt! Denn alles ist interessant, durchdacht und durchglüht. Und mag auch der eine oder andere Hörer durch die Konditionsprüfung rasseln, das Rundfunk-Sinfonieorchester besteht sie mit Bravour. Und die überwiegende Mehrzahl der Hörer in der Philharmonie wohl auch, und zwar mit Begeisterung. Weiterlesen

Saisonvorschauen (1): Rundfunk-Sinfonieorchester

Noch mitten in der Saison erscheinen die Ankündigungen für die neue Saison. Als erstes ist das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin dran. Die laufende Saison hat im Konzertgänger den Eindruck bestärkt, dass das RSB mit Vladimir Jurowski den aufregendsten Chefdirigenten aller Berliner Orchester hat. In der neuen Saison tritt zu Jurowskis Pastoren-, wenn nicht Mönchsschwarz kräftiges Pastoralgrün, denn es gibt jetzt (wie zu Metzmachers Zeiten beim DSO) ein übergreifendes Saisonthema: Der Mensch und sein Lebensraum. Weiterlesen

Fremdschaftlich: Ein Claude-Vivier-Abend mit dem ensemble unitedberlin und Vladimir Jurowski

Bloß auf der Hut sein vor Künstlermythen bei einem Komponisten, neben dessen Leiche im Jahr 1983 blutbefleckte Papiere gefunden wurden: und darauf ein Werk, dessen Text eben das beschreibt, was ihm am Ende widerfuhr. Einer verlässt die Wohnung, gabelt einen Mann auf und wird von diesem getötet — zog er einen Dolch aus seiner tiefschwarzen, wahrscheinlich in Paris erstandenen Jacke, und stieß ihn mir mitten ins Herz. In diesem Moment reißt die Musik ab, so wie das Leben des 1948 geborenen Frankokanadiers Claude Vivier abriss. 35 Jahre hatte er da gelebt, seit 35 Jahren ist er tot. Und so widmet ihm zum 70. Geburtstag das ensemble unitedberlin unter der Leitung von Vladimir Jurowski einen aufwändigen Abend im Konzerthaus. Wunderbare Gelegenheit, mit Vivier Fremdschaft zu schließen. Weiterlesen

Zumutig: Silvesterkonzert mit RSB, Rundfunkchor, Vladimir Jurowski

Beflügeltes Jahresendkonzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und des Rundfunkchors, mit dem der Chefdirigent Vladimir Jurowski seinem Publikum im Konzerthaus einiges zutraut und einiges zumutet.

Gut so! Denn eine zumutungsfreie Neunte ist die eigentliche Zumutung. Nicht nur montiert Jurowski (wie vor 40 Jahren Michael Gielen in Frankfurt) Arnold Schönbergs A Survivor from Warsaw mitten in Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie d-Moll hinein. Er spielt überdies den Beethoven-Remix von Gustav Mahler, der für seine eigenen Aufführungen spätromantische Orchesterretuschen an den Sinfonien verübte. Historisch informierte Aufführungspraxis mal anders, aber sowas von. Weiterlesen

Dunkelrot: Sowjetrussisches vom DSO/Payare und Ensemble unitedberlin/Vladimir Jurowski

Reformationstag oder Halloween? Sowohl als auch: 100 Jahre Oktoberrevolution.

In zwei Berliner Konzerten kommt sie vor: Einmal als ferner Gast, aus Inferno-Tiefen betrachtet beim Deutschen Symphonie-Orchester unter Rafael Payare. Einmal als Hauptperson, aus größter Nähe und unendlicher Weite zugleich in einem aufregenden Programm des Ensemble unitedberlin unter Vladimir Jurowski.

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