Musikfest 2019: Aimard spielt Beethoven und Lachenmann

Bilderrätsel (Auflösung am Ende des Artikels): 1 …

Man schaut zweimal aufs Programm: Dieser Pianist spielt die Hammerklaviersonate? Die Kopplung Beethovens mit Lachenmann haben immerhin schon andere versucht, sogar mal Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern (damals haben Teile des Abo-Publikums rotzfrech gehustet und gekichert). Aber erst Beethoven, dann Lachenmann: Das ist doch echter Pierre-Laurent Aimard.

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Wohlkandidelt: Kirill Petrenko inauguriert mit Alban Berg und Beethovens Neunter

Ausnahmezustand? Nun ja, die alte Nachbarin des Konzertgängers und der Späti-Verkäufer am Eck wirken tiefenrelaxt wie immer. Aber das philharmoniker-affine Berlin freut sich, dass Kirill Petrenko inauguriert. Während der Wartezeit auf den neuen Chef der Berliner Philharmoniker wirkte die Stimmung ja teilweise überkandidelt, auch dieses Blog hier kandidelte hoch. Aber fürs offizielle Antrittskonzert hat Petrenko dennoch ein ganz besonderes Werk ausgesucht, etwas Ewiges gleichsam.

Sie wissen natürlich längst, wovon die Rede ist. Richtig: Alban Bergs Lulu-Suite.

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Wollmilchig: Eröffnung von Young Euro Classic

Eierlegende Wollmilchsäue

Morgens Friday for Future mit Greta T. am Invalidenpark, abends Pastorale mit Ludwig van B. im Konzerthaus: Zu letzterer nimmt der Sohn des Konzertgängers seinen Vater mit – Eröffnung von YOUNG EURO CLASSIC, dem großen Klassikfestival der Sommerferienschwänzer! Zwanzig Jahre wird das heuer alt und setzt einen van B.-Schwerpunkt, weil der nächstes Jahr bekanntlich putzmuntere 250 Jahre alt geworden wäre und immer noch in Wien leben würde, wenn, ja wenn er sich damals nicht so schlimm erkältet hätte bei der Kutschfahrt im Winterregen. Es wird nicht der letzte Beethoven-Zyklus bleiben in den kommenden 18 Monaten.

Es eröffnet das Polska Orkiestra Sinfonia Iuventus imienia Jerzego Semkowa.

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Dreigewittrig: Akademie für Alte Musik pastoralisiert

Pastorale mit Fortbildungsbeilage. Und mehr als das, ein Vergnügen! Die Akademie für Alte Musik Berlin (derzeit übrigens eins von zehn nominierten Ensembles als Gramophone Orchestra of the Year, über das man hier abstimmen kann) kombiniert im Konzerthaus Beethovens bekanntlich keineswegs unverwüstlichen Klassiker mit zwei ähnlich und doch ganz anders gewittrigen Werken von Ignaz Jacob Holzbauer und Justin Heinrich Knecht.

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Unaushaltbar: Abschluss der Quartett-Woche mit dem Hagenquartett

Höhepunkt zum Abschluss der irreführend benamsten, da zehntägigen Streichquartett-Woche im Pierre-Boulez-Saal: Das Hagenquartett spielt am Sonntagnachmittag Kurtág, Schostakowitsch und Beethoven. Kaum zum Aushalten, in mancherlei Hinsicht.

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Frühlingig: Quartetto di Cremona spielt Webern, Respighi und B.

Streichquartett-Frühling in Berlin! Zwischen den Konzerten des Casals, des Vogler, des sich neu erfindenden Artemis-Quartetts (vom Konzertgänger dummerweise verpasst wegen mutmaßlicher Kartenverbummlung durch seinen Zweijährigen) und einer bevorstehenden fetten Quartett-Woche im Boulezsaal ist der Auftritt des Quartetto di Cremona im Konzerthaus mehr als eine Lückenbuße. Ja, es werden sogar Frauenträume wahr. Gleich im ersten Stück, bei Anton Webern! Und zwar nicht nur Musiktheorie-Professorinnen-Träume!

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KURZ UND KRYPTISCH (2): Blomstedt bringt Wilhelm Stenhammar nach Berlin

KURZ UND KRITISCH hieß einst eine Rubrik im Tagesspiegel, die es leider nicht mehr gibt. Da aber k & k immer fein ist, wird der Konzertgänger, wenn er wenig Zeit hat, in Zukunft immer mal KURZ UND KRYPTISCH rezensieren. Heute: Herbert Blomstedt und Yefim Bronfman bei den Berliner Philharmonikern.

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Aufrichtig: „Missa solemnis“ mit Jacobs, FBO, RIAS Kammerchor

Orchester- und Choraufstellung nach René Jacobs (von rechts gehört)

Das Beethovenjahr wirft seine Highlights voraus. Die Schattenseiten werden uns 2020 noch mächtig auf die Nerven gehen, aber eine MISSA SOLEMNIS mit Freiburger Barockorchester und RIAS Kammerchor ist immer zu begrüßen. Es kommt dabei in der Philharmonie zu einigen unerwarteten Klangereignissen. Nicht bei allen ist klar, ob sie beabsichtigt sind oder passieren, und die Hörgemüter sind teils gespalten im Publikum, nicht jedem geht, was hier von Herzen kommt, zu Herzen. Aber der Konzertgänger hörts tutto sommato mit der innigsten Empfindung.

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Sauhimmelnd: Grigory Sokolov spielt Beethoven, Brahms und 6 Zugaben

Alljährlicher Grigory Sokolov-Aufschlag in Berlin, ein Aufprall wie eine kosmische Feder. Beethoven und Brahms stehen heuer auf dem Programm, aber ein bisschen spielt Sokolov immer Sokolov. Man verstünde allerdings, wenn er bald mal mit dem jungen Beethoven riefe: Für solche Schweine spiele ich nicht! Und dann nur noch in Kartäuserklostern aufträte. Denn im Großen Saal der Philharmonie ist es ein Must-go der Adabeis mittlerweile. Es blitzlichtert schon, wenn der Pianist hereinschlurft. Spielen muss er in Bronchialgewittern und unter Bonbonpapierknister-Tröpfchenfolter. Und eh nur das Adagio aus Beethovens 3. Sonate C-Dur op. 2/3 vorbei ist, haben schon mehrere Handys gebimmelt.

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Tentakelstreckend: Saisonvorschau des DSO

Education (Symbolbild)

Sinnigerweise stellt das Deutsche Symphonie-Orchester, welches abseits des großsymphonischen Hauptbetriebs ja regelmäßig nächtliche Kammerkonzerte in Berliner Museen gibt, seine neue Saison im Panorama-Pavillon am Kupfergraben vor. Dort hat man eine, nicht nur für Kinder, irre Antikenwelt aus Vogelperspektive innen drin und nach draußen den Blick aufs Pergamonmuseum – will heißen, eine dieser Berliner Baustellen, die Allegorien der Unendlichkeit sind.

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Hoppelteufelig: Daniil Trifonov spielt Beethoven, Schumann, Prokofjew

Die Phase „jahrelanger Geheimtipp“ hat Daniil Trifonov mit einem großen Hopps übersprungen, er füllt schon mit 27 die Philharmonie bis auf den letzten Platz. Im Grunde sind diese Klavierabende im Großen Saal eine Abwegigkeit – wo doch der Kammermusiksaal schon zu groß ist für Klavier. Trifonovs Programm bewegt sich zwischen irrwitzig und innig, wobei das Irrwitzige deutlich stärker gelingt. Bedenklich stimmt das Publikum, das auf Jubel gebürstet ist wie der Hooligan auf Krawall.

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Nebenhäuptig: Cuarteto Casals spielt Beethoven und Cattaneo

Auch ganz schön, mal ein Abend mit Beethoven-Streichquartetten ohne Spätwerk darunter. Stehen die nicht mittlerweile derart höher in der Publikumsgunst, fast als wäre alles davor nur Nebensache gewesen? Seltsamer Gang der Dinge, das enigmatischste ist zum populärsten geworden. Im allererstrangigen Beethoven-Zyklus des katalanischen Cuarteto Casals, der sich allmählich seinem Ende zuneigt, gibt es nun im Kammermusiksaal zwei sogenannte frühe Quartette und ein mittleres (sprich Rasumowsky), an dem natürlich gar nichts mittel ist. Und schon gar nicht neben, sondern alles haupt.

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Klingonisch: Víkingur Ólafsson spielt Bach und Beethoven

Der isländische Ludwig van Bach, by Kelapstick

Angesichts der Tatsache, dass weltweit mehr Menschen Klingonisch als Isländisch beherrschen, ist es doch erstaunlich, dass es erheblich mehr isländische als klingonische Literaturnobelpreisträger, Fußball-WM-Teilnehmer, Pop-Ikonen, Neue-Musik-Ensembles und eben auch rising Klavierstars gibt: etwa Víkingur Ólafsson im Kammermusiksaal. Im ersten Teil steht Bach von verwirrender Unübersichtlichkeit auf dem Programm, über mehr als zwei Seiten erstreckt sich die Auflistung der Stücke. Der Beethoven im zweiten Teil ist dagegen von dubioser Stringenz: die allererste und die allerletzte Sonate.

Aber so allerletzt, wie die 32. Sonate c-Moll opus 111 noch immer oft gemacht wird, ist sie ja vielleicht gar nicht. Weiterlesen

Pistolblumig: Cuarteto Casals spielt Beethoven und Casablancas

Zugegeben eine Herausforderung, im 21. Jahrhundert ein Streichquartett zu schreiben, um es zwischen Beethoven-Streichquartetten spielen zu lassen. Man würde sich fast wünschen, dass mal ein verblendeter Komponist Beethoven tolldreist die Pistole auf die Brust setzte, um ihm zu zeigen, wer der Größte ist. Aber die meisten Komponisten, die das Cuarteto Casals im Rahmen seiner über mehrere Jahre laufenden Aufführung sämtlicher Beethovenquartette beauftragt hat, gehen behutsamer zu Werk, tastender – naja, nachvollziehbar. Da war im Kammermusiksaal schon manches Interessante zu hören, aber auch allzu Zurückhaltendes. Bei dem spanischen Komponisten Benet Casablancas liegt der Fall jetzt etwas anders: Sein neues 4. Streichquartett ist trotz des beiläufig scheinenden Titels Widmung keine Petitesse, sondern ein Werk. Weiterlesen

Sehstörung (3): Selbsteinprangerung beim „Fidelio“

Auch einem Konzertgänger, der meint, er hätte schon alles gesehen, kann es passieren, dass er einer Aufführung des Fidelio an der Staatsoper Unter den Linden auf einem der gar nicht soooo üblen Hörplätze im dritten Rang beiwohnt, von denen aus man immerhin die halbe Bühne überblickt (freilich um den Preis, direkt unter dem Dach im Kondenswasser von Tönen und Publikum zu sitzen), und gerade darüber sinniert, wie berühmt Ludwig van Beethoven heute wohl noch wäre, wenn diese langweilige, hier überdies öde inszenierte und knallig-lasch musizierte, dabei freilich – u.a. von Klaus Florian Vogt – recht gut gesungene Oper sein gewichtigstes erhaltenes Werk wäre; um auf einmal eine Zuschauerin im am ungünstigsten gelegenen Hörplatzwinkel des Saals zu bemerken, die, um dem Bühnengeschehen besser folgen zu können, ihren Kopf zwischen Brüstung und Geländer eingefädelt hat: gleich einem Pranger in finsteren Zeiten oder gar jener schrecklichen Entkopfungsmaschine zu französischrevolutionärer Zeit, aus der das merckwürdige, schon in den 1820er Jahren außer Mode gekommene Genre der Rettungsoper ja stammt; woraufhin er begreift, dass er eben noch nicht alles gesehen hatte und hat.

Besprechung der Fidelio-Wiederaufnahme bei Schlatz

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