14.9.2016 – Sorgfältig ekstatisch: Bayerisches Staatsorchester, Kirill Petrenko, Frank Peter Zimmermann spielen Ligeti, Bartók, Strauss

anthony_van_dyck_-_family_portraitSelbst eingefleischte Richard-Strauss-Muffel wie der Konzertgänger können dieser Sinfonia Domestica nicht widerstehen, die das Konzert des Bayerischen Staatsorchesters beim Musikfest Berlin in der Philharmonie beschließt. Die Kluft zwischen dem privaten Sujet und den musikalischen Mitteln des Werkes (womit nicht die Größe des Orchesters gemeint ist, sondern die pompöse Klangsprache) ist und bleibt zwar bizarr, ja lächerlich. Sinfonische Dichtung Ein Eheleben. Der Konzertgänger kann nie umhin, sich bei den instrumentalen Potenzierungen des dritten Themas ein 60 Meter großes Frankensteinbaby „Bubi“ vorzustellen.

Aber das Bayerische Staatsorchester zeichnet sich unter Kirill Petrenko durch eine so hinreißende Klangkultur aus, dass alles egal wird. Weiterlesen

Berliner hören günstiger

Mag auch unser Mietspiegel durch die Decke schießen, und das, obwohl unser Flughafen das Gespött der Nation, unser Essen schlecht und unser Umland staubig ist… so können wir doch die h-Moll-Messe zum halben Preis hören wie die Münchner:

Aber sprechen wir lieber von doppelt so günstig. Denn: Es ist die h-Moll-Messe. Es ist die Akademie für Alte Musik. Es sind hervorragende Solisten und ein großartiger Jugendchor.

Für Madonna im November gibt es „Premium-Tickets ab 199 Euro“. Für diesen Preis kann der Münchner zwölf Freunde zur h-Moll-Messe mitnehmen und hat noch Geld für einen Cappuccino zu Münchner Preisen übrig.

Aber der Berliner nimmt achtundzwanzig Freunde mit, hat noch Geld für einen Döner und drückt das Kleingeld einem Motzverkäufer in die Hand.

Anmerkung: Die Akademie für Alte Musik weist zurecht  auf die unterschiedlichen Spielorte hin, in Berlin die Gethsemanekirche, in München der Herkulessaal. Es wäre interessant, beide Konzerte im Vergleich zu hören.

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