Weltenfarbig: Kodály, Bartók, Rimsky-Korsakow mit Gilbert Varga und Dezsö Ránki im Konzerthaus

Wenn schon Klassik, dann Oper, ist eigentlich das Motto der Tochter des Konzertgängers, aber für die Scheherazade macht sie eine Ausnahme. Denn diese Sinfonische Suite op. 35 von Nikolai Rimsky-Korsakow ist doch farbenprächtiger, sinnenfroher, kinderphantasiekatapultierender als jedes Musiktheater.

Ja, für die wunderschöne Scheherazade nimmt sie sogar das ausgiebige Vorspiel in Kauf – und nachdem sie es offenen Ohrs angehört hat, beschließt sie, es durchaus gern in Kauf genommen zu haben. Der Dirigent Gilbert Varga (den man nicht erwähnen kann, ohne zu erwähnen, dass er der Sohn von Tibor Varga ist, was doch etwas ungerecht ist) erfindet im Konzerthaus das Rad der Programmgestaltung nicht gerade neu, man könnte sich diesen Ablauf auch in einem Konzert anno 1950 vorstellen: Ouvertüre-oder-Tanzsuite-Dings, Solokonzertbums, Sinfoniedingsbums – der Klassiker schlechthin.

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28.1.2017 – Salonnostalgisch: Vogler Quartett und Jochen Kowalski à la russe

Russisches Wochenende im Konzerthaus: Während es im Großen Saal zwei Großviecher des russischen Repertoires gibt (formidabel, wie man liest), präsentiert das Vogler Quartett im Kleinen Saal phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind: in den Petersburger Salons des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

der_junge_tschaikowskiDass sich für diese exotische Fauna ein etwas anderes Publikum interessiert als sonst, zeigt sich bereits in Tschaikowskys 1. Streichquartett D-Dur op. 11, in dem jeder Satz enthusiastisch beklatscht wird. Was zu den erträglichen Hörstörungen gehört, weil es ja zeigt, dass die sich als Kenner Wähnenden nicht unter sich bleiben (um gemeinsam auszusterben). Das Vogler Quartett spielt lebendig, freudig und ohne zu großen Wohlklang – ein Pluspunkt, wenn Tschaikowsky nicht im schönen Ton ertrinkt. Die direkte Akustik des Kleinen Saals, in dem man jedes Atmen und Knarzen der Instrumente spürt, trägt dazu bei. Für Kammermusik besser geeignet als der Kammermusiksaal, das muss mal gesagt werden.

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3.4.2016 – Zarenbot und -braut an der Staatsoper

Grandiose Sänger und, wie’s sich in der Oper gehört, vor allem Sängerinnen (Marina Prudenskaya, Elena Tsallagova). Die Staatskapelle in Bestform. Ein melodramatischer Opernschinken, der sich vor anderen Opernschinken weder in puncto Leidenschaft noch in puncto Liebestrankkokolores zu verstecken braucht. Und eine Inszenierung mit Internet und Digitalpipapo, die nicht nervt, sondern bezwingend plausibel ist – da bleibt nur die Frage offen, warum Nikolai Rimsky-Korsakows Zarenbraut nicht auch außerhalb Russlands längst zum Repertoire gehört. Die beeindruckende Wiederaufnahme an der Staatsoper tut ihr Bestes, damit sich das ändert – im April noch dreimal zu erleben.

Meine ausführliche Rezension diesmal bei Bachtrack (mit schönen Fotos von Sängern und noch schöneren von Sängerinnen, allerdings nicht denen, die gesungen haben).

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