Fein: Freiburger BarockConsort & Vox Luminis spielen Monteverdis „Marienvesper“

Artemisia_Gentileschi_-_Madonna_con_Bambino_(1609-1610)Die Kleinen bringen das Größte: Der Freiburger BarockConsort, die feine Kammer-Combo des Freiburger Barockorchesters, führt Claudio Monteverdis Vespro della Beata Vergine (Marienvesper) auf — das prächtigste, nuancierteste musikalische Mosaik, das jemals komponiert worden war. Mit diesem Superlativ bezieht John Eliot Gardiner sich zwar aufs Entstehungsjahr 1610, aber wer die Marienvesper heute hört, wird kaum zögern, diesem Satz auch die paar Jahre bis jetzt gutzuschreiben.

Die Aufführung im Kammermusiksaal leitet aus dem 13köpfigen Chor, der belgischen Vox Luminis, heraus der Bass Lionel Meunier. An seinem 36. Geburtstag und einen Tag vor dem 450. Geburtstag von Claudio Monteverdi. Weiterlesen

16.2.2017 – Sterbensfröhlich: Bach-Kantaten mit Freiburger Barockorchester und Matthias Goerne

058_presentation_fraangelica1Bei einer guten Bach-Aufführung spürt man oft, wie viel Lebenszeit man sonst sinnlos verplempert. Und dann gibt es Bach-Aufführungen, die so gut sind, dass sie all die verplemperte Zeit wieder ausgleichen. Dazu gehört das Bachprogramm, mit dem das Freiburger Barockorchester im Kammermusiksaal auftritt.

Wegen oder trotz Matthias Goerne? Dieser Wotan, Wozzeck, Winterreisende fällt einem nicht als erster ein, wenn man sich einen Bachsänger vorstellt. Nun stellen ja die Kantaten Ich will den Kreuzstab gerne tragen und Ich habe genug dem heutigen Hörer, selbst dem gläubigen, Unerhörtes vor: nicht nur Trost angesichts des unausweichlichen Todes zu verspüren, sondern Freude.

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27.11.2016 – Gottsuchend: René Jacobs, Freiburger Barockorchester, RIAS Kammerchor spielen Mozart und Haydn

el_greco_-_a_boy_blowing_on_an_ember_to_light_a_candle_soplon_-_wga10422Ja, ist denn heut schon Ostern? Das ist mal ein Adventsprogramm, mit dem das Freiburger Barockorchester und der RIAS Kammerchor unter René Jacobs im ausverkauften Kammermusiksaal gastieren: durch den Tod ins Leben. Erst das Mozart-Requiem, dann Haydns vor Freude sprühende Harmoniemesse.

Die Kombination ist nicht nur klanglich interessant (aufgrund ihrer stilistischen Gegensätze), man könnte sie zugleich religiös musikalisch nennen. Vor einem Jahr, ebenfalls in der Adventszeit, baute das DSO mit Manfred Honeck um Mozarts Requiem ein Programm, das den Hörer durch Überwältigung Gott finden ließ. René Jacobs dagegen sagt: Gott zu suchen ist wichtiger als Gott zu finden, weil er ungreifbar bleibt.

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23.9.2016 – Kühn, wortlos: „Sturm und Drang“ mit Freiburger Barockorchester und Kristian Bezuidenhout

haydnportraitIn diesem Konzert weiß man nie, wann man sich schnäuzen kann: Im Finale von Joseph Haydns 47. Sinfonie wagt man es ebensowenig wie in C.P.E. Bachs Concerto d-Moll, zu abrupt folgen auf heftigste Bewegung plötzliche Pausen und überraschende Pianissimi. So hält der Nachbar des Konzertgängers minutenlang sein Taschentuch vor die Nase und traut sich doch nie, es zu benutzen, aus allzu berechtigter Sorge, in eine unerwartete Stille zu tröten. (Bei Mahler weiß man immer, wann man sich die Nase putzen kann, ohne zu stören.)

So lässt sich das Etikett Sturm und Drang unmittelbar physisch erfahren. Weiterlesen

11.4.2016 – Olimpisch: Freiburger Barockorchester spielt Haydn, Mozart, Traetta

Die Verbindung von sportlichen Großereignissen und klassischer Musik löst beim Konzertgänger normalerweise Panikattacken aus, Bilder und Klänge des Grauens drängen sich auf. Dass es auch anders geht, beweist das Freiburger Barockorchester bei seinem Konzert mit dem schönen Titel Spaß und Sport: Während im Großen Saal der Philharmonie Daniil Trifonov in Rachmaninows 3. Klavierkonzert gewiss einen klaren Sieg durch Hörer-K.o. einfährt, erlebt der Musikfreund im Kammermusiksaal mit Sepp Haydn, Wolfgang Armando Mozart und dem neapolitanischen Kunstturner Tommaso Traetta tönende Athletik in ihrer fröhlichen Form. Quer durch alle Sportarten und Disziplinen.

Joseph Haydns Schauspielmusik Il distratto von 1774 ist als Sinfonie Nr. 60 C-Dur Hob. I:60 gelistet, obwohl sie keine Sinfonie ist – jedenfalls nicht im klassischen Sinn, der erst allmählich verbindlich wurde. Das Publikum hat diese Struktur so verinnerlicht, dass es nach dem 4. Satz, einem rasanten Presto der Art, die bei Haydn scheußlicherweise oft Kehraus genannt wird, ganz logisch klatscht. Aber es folgen noch zwei weitere Sätze. Zunächst ein Adagio di Lamentatione, das Katharina Eickhoff in ihrer sehr lesenswerten Einführung als Apotheose der Unfähigkeit bezeichnet: Zwar findet der Konzertgänger die über Triolenwellen ruhig dahinfließende Melodie der ersten Geige (später auch der Oboe) eigentlich ganz hübsch, aber das Orchester sieht es anders und fährt dem ziellosen Gesang laut in die Parade. Das folgende dramatisch losleiernde Prestissimo, ein zweites Finale, bricht dann nach wenigen Takten ab, weil die Geigen feststellen, dass sie dringend ihre G-Saite wieder hochstimmen müssen…

Zerstreut wie der Protagonist des von Haydn musikalisch untermalten Schauspiels, der Briefe an die falsche Braut schickt und sich einen Knoten ins Taschentuch macht, um nicht die eigene Hochzeit zu vergessen, waren auch die ersten vier Sätze: etwa das Einschlafen der Musik im 1. Satz, aus dem ein heftiges Erwachen folgt. Einige zerstreute Hörer erschrecken auch bei der Wiederholung des Witzes!

Das Freiburger Barockorchester ist so spiel- wie stehstark, links wie rechts. Als ebenso energische wie elegante Mannschaftskapitänin überzeugt die erste Geigerin Lorenza Borrani, die die Einsätze durch beeindruckende Kniebeugen mit hohen Absätzen gibt, ein dirigentisches Bauch-Beine-Po-Programm, das kein Maestro hinbekäme. Die tadellose Haltung, mit der sie gleichzeitig streicht, möchte man allen Geigenschülerinnen dieser Welt anempfehlen.

Überzeugt bei Haydn vor allem die kompakte Teamleistung, kommen im weiteren Verlauf des Abends individuelle Spielstärken zur Geltung. In dieser Einzelwertung ist zunächst die Sopranistin Christine Landshamer zu nennen, die Sonderpunkte für Kleid und Turnschuhe erhält:

Landshamer singt zwei Bravour-Arien von Tommaso Traetta und Wolfgang Amadeus Mozart, beide nach demselben, insgesamt über 70mal vertonten L’Olimpiade-Libretto von Metastasio, in welchem eine Schöne namens Aristea als Goldmedaille fungiert. Landshamer punktet in sämtlichen Auf-, Um- und Abschwungübungen am Koloraturbalken ebenso wie in der emotionalen Kür. Silberstrahlend und eher empört als verzweifelt übers männliche Geschlecht klingt die intensive, mit klaren Linien fesselnde Arie Che non mi disse un dì von Traetta, der angelegentlich seiner 2011 in Berlin aufgeführten Antigona als italienischer Gluck bezeichnet wurde und dessen Sohn 1801 das erste Konservatorium der USA gründete. Sehr lyrisch und hochdifferenziert dagegen Mozarts Rezitativ und Arie Non so donde viene KV 294, in dem Landshamers warmer Sopran, den einen Ohrenblick lang drohenden Absturz souverän vermeidend, in strahlende Höhe aufsteigt.

Wie stark und ausgeglichen der Freiburger Kader besetzt ist, zeigt sich aufs Kurzweiligste in Mozarts Posthornserenade D-Dur KV 320: einem groß besetzten und schon ziemlich vermannheimten Ständchen vom Ende der Salzburger Zeit. Zwar herrscht genregemäß nicht in jedem Moment dieser 40 Minuten die höchste musikalische Ereignisdichte. Aber  ginge man sich zwischen den ziemlich symphonischen Rahmensätzen 1 und 7 ein Getränk holen, würde man immer etwas Hörenswertes verpassen: die wunderbaren Holzbläser etwa im Concertante und Rondeau (Flöte Daniela Lieb, Oboe Ann-Kathrin Brüggemann) oder die fahlen Mollabgründe des Andantino, die den Hörer in diesem unterhaltenden Zusammenhang kalt erwischen, ja erschüttern. Und natürlich das Posthorn im 2. Trio des 2. Menuetts, kurz vor Schluss, das Jaroslav Rouček bemerkenswert unflatterig bläst: eine Provokation Mozarts gegen den ungeliebten Erzbischof Colloredo, wie man bei Eickhoff erfährt, denn das Posthorntuten war in Salzburg so verboten wie das Hupen in Wien.

Nicht mal das Mitklatschen, das den Auszug der Musiker zu Mozarts D-Dur-Marsch KV 335 verhunzt, trübt den Konzertgenuss; die freudige Stimmung des Abends entschuldigt selbst diesen Fauxpas des beglückten Publikums.

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12.1.2016 – Dem Musikhades entführt: Freiburger BarockConsort umsingt Orpheus

Orpheus in der Winterwelt: Während die kalte Jahreszeit in Berlin ihre tausend Fratzen zeigt, von gruseligem Weihnachtsföhn über Schneemassen, die nach einem einzigen Rodelnachmittag zu Matsch werden, bis zu giftigem Kryptonit-Regen, holt das Freiburger BarockConsort tausend vergessene Stücke aus dem Hades der Musikgeschichte. Der ist zwar wahrscheinlich ein aufregender Ort, erst recht seitdem Lemmy Kilmister, Pierre Boulez und David Bowie sich dorthin begeben haben. Aber wir Diesseitigen dürfen uns über das Programm Al modo d’Orfeo freuen, das das kleine Ensemble aus den Reihen des Freiburger Barockorchesters im Kammermusiksaal der Philharmonie präsentiert: Orpheuskompositionen jenseits von Monteverdi und Gluck. Obwohl es sich um echte Raritäten und Ausgrabungen handelt, findet kein musikhistorisches Seminar statt, sondern ein staubfreies Konzert, das, in den Worten von Johann Joseph Fux, auch Zuhörern, die keine Musik verstehen – und deren ist ja der größte Teil -, eine Befriedigung verschafft.

Drei Orpheus-Kantaten stehen drei Instrumentalkompositionen gegenüber, in denen Holz sich orphisch belebt: Das a-Moll-Concerto für Blockflöte, Streicher und Basso-Continuo-Gruppe von Domenico Natale Sarro (1679-1744) ist beschwingte, wenn auch nicht allzu memorable Musik. Konzertanter als dieses Konzert ist die d-Moll-Sonate von Francesco Mancini (1672-1737), Sarros Amtsvorgänger als Königlicher Kapellmeister in Neapel: mit klaren Kontrasten, wesentlich grooviger, mit orphischem Largo und viel Gelegenheit für die Flötistin Isabel Lehmann, ihre Virtuosität zu beweisen. Gravitätisch bis steif, jedoch äußerst kraftvoll ist die F-Dur-Suite des oben zitierten Österreichers Fux (1660-1744), in deren wunderbarer Aire die Bratsche (Werner Saller) zum Orpheus wird. Durch die folgenden Tanzsätze, vom Menuet bis zur Guique (sic), führt die Geigerin Petra Müllejans als prima inter pares.

Unendlich viele Orpheuskompositionen scheint es in der Musikgeschichte zu geben, von der ersten erhaltenen Oper überhaupt (Jacopo Peri) bis zu Nick Caves The Lyre of Orpheus (2004). Aber zweifellos hatte das Thema in Renaissance und Barock Hochkonjunktur, wie längst nicht nur Monteverdis Orfeo zeigt, den die Freiburger im Sommer in der Staatsoper aufführten. Es war so beliebt, dass es neben den großen Opern jede Menge Home Operas gab, Kammeropern und Salonkantaten – wenn auch mitunter für kaiserliche Gemächer: Seine Kammeroper Orfeo ed Euridice komponierte der Wiener Hofkapellmeister und Kontrapunktguru Johann Joseph Fux zum 30. Geburtstag Kaiser Karls des VI. im Jahr 1715. Das FBC präsentiert die intensive Ouvertüre und drei Arien von Euridice, der Unterweltkönigin Proserpina und dem erlösenden Amor. Proserpinas Arie über un freddo gelo, eine große Kälte, beißt sich mit ihrer fast tranceartigen Begleitung, in der ein Viertonmuster sich ständig wiederholt, lieblichst ins Ohr: Schöner kann Eintönigkeit nicht klingen.

Die atemberaubend gute Sopranistin Dorothee Mields, mit dem BarockConsort perfekt eingespielt, singt das alles nicht nur mit höchster Anmut, sondern verkörpert alle Rollen mit äußerster emotionaler Energie. Das gilt auch für Alessandro Scarlattis Kantate L’Orfeo (1703). Scarlatti komponierte Seria-Opern in Serie (so wie sein Sohn Domenico Cembalosonaten), aber die Frage, ob die Ausgrabung der kleinen Form lohnt, erübrigt sich spätestens bei der Arie Sordo il tronco, e grave il sasso, die nur von den Streichern begleitet wird, ein schwebender Klang, bei dem die Zeit stillsteht: Selbst den tauben Baumstamm und den schweren Stein rührt der Zauber dieses Gesangs.

Der musikalische Höhepunkt eines reichen Abends steht am Schluss: Giovanni Battista Pergolesi (1710-36) gehört mit Mozart und Schubert zu den katastrophal zu früh Gestorbenen der Musikgeschichte. Hätte er länger gelebt, hätte Gluck keine Reformoper zu erfinden brauchen: Daran zweifelt man nicht, wenn man Pergolesis Kantate L’Orfeo hört. Es ist unmittelbar berührend, wie Pergolesi in der Arie Euridice, e dove sei? durch höchste Kunstfertigkeit den Eindruck größter Einfachheit erzielt. In der Arie O Euridice, n’andrò festoso! trifft Jubel, der zum Himmel schießt, völlig unvermittelt auf heftige Verzweiflung, in der die Instrumente sich wie Schlangen (oder Mänaden) um die Stimme des Sängers winden.

So beginnt für den Freund Alter Musik, ob verständig oder nicht, eine Befriedigung verheißende Woche. Freitag spielt die Akademie für Alte Musik in der Gethsemanekirche Bachs h-Moll-Messe, Samstag gibt sich der Shooting-Star-Hallodri Teodor Currentzis mit MusicAeterna ein Stelldichein im Radialsystem.

Das Freiburger Barockorchester kehrt am 8. Februar und am 11. April nach Berlin zurück, zuerst mit Bach & Co, dann mit einem der lustigen Motto-Konzerte, mit denen das FBO regelmäßig den Vogel abschießt: Spaß und Sport. Mit Haydn, Jommelli und Mozart.

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4. Juli 2015 – Melancholisch: ‚When I Am Laid in Earth‘ in der Staatsoper

Wer bleibt freiwillig im Strandbad, wenn man in der Staatsoper Musik von Sciarrino und Purcell hören kann? Und zwar unter dem einladend morbiden Titel When I am laid in earth! In einer idealen Welt müsste es lange Schlangen geben statt eines gähnend leeren Saals – dabei ist ein zweiter Konzerttermin (offiziell aus dispositionellen Gründen) kurzerhand gestrichen worden. Aber nichts Bildungsschnöseliges gegen Strandbadbesucher, man könnte bei 38°C auch Schlimmeres tun, etwa zu Helene Fischer ins Olympiastadion gehen oder zum AfD-Parteitag nach Essen fahren.

So trifft sich zum Stelldichein von Barock und Gegenwart ein harter Kern von Musikfreunden, die Härtesten sogar im Jackett (ein Kulturradio-Redakteur). Die Musiker der Staatskapelle (fürs Neue, links) und des Freiburger BarockConsort inkl. Hille Perl (fürs Alte, rechts) erscheinen alle langärmlig, nur der coole Langhalslautenist Lee Santana zeigt Elle.

Featured imageDas vielversprechende Konzept des Abends, englische Musik des 16. und 17. Jahrhunderts im Wechsel mit Gegenwartskompositionen, die auf diese Ahnen Bezug nehmen, geht zum Teil auf. Den Liedern und Arien von Henry Purcell, allen voran natürlich Didos Todes-Arie When I Am Laid in Earth, von Dorothee Mields ganz wunderbar gesungen, möchte man ewig zuhören; und noch ewiger den Suiten von William Lawes und Matthew Locke. Herrlich ist der Schreittanz The Image of Melancholy von Anthony Holborne (1545-1602): Da denkt der Konzertgänger, er hätte gern im 16. Jahrhundert mit seiner posenhaften Melancholie gelebt. Hätte er in den endlosen Stunden seiner Pubertät diese berückende Musik gehört! Dann wäre alles besser gewesen! (Hier ein Youtube-Link.)

Einen ähnlichen Sog entwickeln die neuen Stücke nicht. Einerseits, weil einige Alte-Musik-Freunde die Novitäten als Gelegenheit zum kräftigen Abhusten erachten; andererseits weil die neuen Stücke so miniaturhaft sind, dass sie teilweise vorüberhuschen, ohne nachhaltige Wirkung zu entfalten – obwohl sie in ihrem noblen und leisen Klang gut zu den alten Engländern passen. In nomine nominis ist für Salvatore Sciarrinos Verhältnisse geradezu wuchtig, aber der einzigartige Sciarrino-Sound entfaltet sich über längere Distanzen viel eindrücklicher. requiescat in pace von Claus-Steffen Mahnkopf ist ein sehr leises Stück voll stumpfer Glockenschläge mit einem sehr lauten, fast anmaßenden Untertitel (In memorian victimarum christianitatis). Erst Klaus Hubers Ricercare il nome mit seinen langen, schreitenden, tastenden und suchenden Tönen besteht gegenüber den Altmeistern.

Nur einmal treffen sich Barock und Gegenwart direkt: In Gérard Pessons behutsamer Überschreibung von Thomas Tallis. Mit dieser instrumentation colorée rückt diese alte Musik in faszinierend nahe Ferne.

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