Drei von fünf: Helmchen, Piemontesi, Paul Lewis spielen Beethoven mit dem Konzerthausorchester

Was für ein Luxus im Konzerthaus: Fünf Pianisten spielen die fünf Klavierkonzerte von Ludwig van Beethoven, alles zu Ehren Alfred Brendels.

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Bevor nächste Woche Kit Armstrong und Till Fellner kommen, traten Martin Helmchen, Francesco Piemontesi und Paul Lewis auf. Drei feinsinnige Pianisten, die man nicht gerade mit Leistungssport-Klavier und Prokofjewgehämmer verbindet, an drei Abenden hintereinander, alle mit dem Konzerthausorchester unter Jan Willem de Vriend. Kombiniert jeweils mit Ferdinand Ries und Franz Schubert (mehr dazu ganz unten). Weiterlesen

Brendelnd: Ausblick auf die Hommage im Konzerthaus

Wer Alfred Brendel nie live gehört hat, kann in den kommenden zehn Tagen im Konzerthaus Berlin wehmütig werden; wer ihn hörte, erst recht. Nur er selbst wird wahrscheinlich nicht wehmütig sein. Stattdessen wird er zu später Stunde Gedichte vorlesen, Klavier spielt er öffentlich schon seit fast zehn Jahren nicht mehr, das wird an diesem Abend Pierre-Laurent Aimard tun. Ansonsten von Alter Musik bis zum Streichquartett-Marathon alles dabei. Mehr51c2b97d0fa202f9106f6af39a4dc261 dazu in den kommenden Tagen auf diesem Blog.

Zur Einstimmung: Sechs Pianisten werden während der Brendel-Hommage Beethoven spielen, vier von ihnen (Francesco Piemontesi, Paul Lewis, Herbert Schuch, Kit Armstrong) habe ich mit einigen nicht zu tiefschürfenden Fragen behelligt: Antworten im neuen VAN-Magazin.

Auf Idagio habe ich indes eine kleine Brendel-Playlist zusammengestellt: mit Musikern, die bei der Hommage auftreten werden (u.a. Lisa Batiashvili, Doric String Quartet), sowie antiken Aufnahmen von Brendel selbst. Wer sich schon immer gefragt hat, ob Brendel je Balakirews Islamey gespielt hat, und wenn ja, wie das wohl klang, wird dort klüger.

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21. + 23.5.2016 – Klavierfestival (2+3): Benjamin Grosvenor und Paul Lewis

Fumagalli_2Nach dem gelungenen Auftakt mit Nikolai Lugansky zwei weitere Konzerte des Klavierfestivals mit erstklassigen Pianisten, die aus unerfindlichen Gründen sonst nie solo in Berlin zu hören sind: Die Engländer Benjamin Grosvenor am Samstag und Paul Lewis am Montag im Kleinen Saal des Konzerthauses.

Das große Manko bleibt (bei aller Sympathie für Alternativen zum ewigen Steinway-Einerlei) der farbenarme Flügel der Firma Yamaha, die als Sponsor das Festival allerdings überhaupt erst ermöglicht. Maurice Ravels Le Tombeau de Couperin klingt bei dem technisch äußerst versierten Benjamin Grosvenor wie eine Spieldose aus Plastik. Eine stupend fingerfertige Schlusstoccata tröstet darüber hinweg. Auch in Frédéric Chopins bravourös gespielter 2. Sonate b-Moll op. 35 (vor zehn Tagen von Grigory Sokolov in halbem Tempo zu hören) klingen die Töne der unendlichen Kantilenen im zweiten und dritten Satz wie Kunststoffperlen. Aufregende Entdeckungen jedoch, was Grosvenor etwa im Kopfsatz an Bassfiguren herausdestilliert; und das kurze Finale hat nichts Verhuschtes, sondern klingt in seiner Zerfetztheit so modern, dass es den Hörer vor den Kopf schlägt. Ein unerwartetes Wunder ereignet sich schließlich in Franz Liszts Claude_Monet,_Saint-Georges_majeur_au_crépusculeVenezia e Napoli, als Grosvenor nicht nur die erwartet hohe Viortuosität zeigt, sondern dem Flügel Klangfarben und Schattierungen entzaubert, die man zuvor nicht für möglich hielt. Ein Hochgenuss!

Noch bezaubernder gelingt dies Paul Lewis, der einen so feinen, konzentrierten Anschlag hat, dass er auch eine klobige Kommode zum Singen brächte. Da der Yamaha ja nun auch kein wirklich schlechtes Instrument ist (abgesehen vom Pitschpitsch in den obersten anderthalb Oktaven), ist Lewis‘ Rezital traumhaft schön. Seinen Ruf als erstklassiger Schubert-Pianist, ein Meister der Anfänge und Übergänge, hat er offenhörlich zu Recht; wie seine Hand nonchalant ins Scherzo der Sonate H-Dur D 575 (1817) hüpft, ist unwiderstehlich. Und wenn er Johannes Brahms‘ frühe Balladen op. 10 singt, wird der Hörer zur verzückten Clara Schumann:

Es ist wirklich rührend, wenn man diesen Menschen am Klavier sieht mit seinem interessant jugendlichen Gesichte, das sich beim Spielen ganz verklärt, seine schöne Hand, die mit der größten Leichtigkeit die größten Schwierigkeiten besiegt, und dazu diese merkwürdigen Kompositionen.

Noch merkwürdiger, noch schöner Brahms‘ späte Intermezzi op. 117, die man auch als innigen Abschluss des Abends nähme. Aber zumindest eine Zirkusnummer muss hier wohl jeder Pianist bringen: Lewis absolviert diese Pflicht mit Franz Liszts alberner Dante-Sonate mit ihren zwei Millionen Doppelschlägen und sieben Millionen Höllenfahrt-Tritonussen hochvirtuos. (Ausgerechnet da beruhigt und begeistert sich das wie schon bei Lugansky sehr hibbelige Publikum, in dem diesmal besonders ein Husten-Hephaistos auf der Galerie und eine aufmerksamkeitsheischende Dame im Luftfächerwahn übel auffielen.)

Um so bewundernswerter, dass Paul Lewis so schön Schubert spielen kann, wie er in der zweiten Zugabe zeigt, dem ersten der Moments musicaux.

Darum noch eine weitere Zugabe:

Noch zwei Konzerte am 27.5. (Sophia Pacini) und 2.6. (Nikolai Demidenko).

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