Enttaubend: Cherubinis „Médée“ an der Staatsoper Unter den Linden

Eine der traurigsten und berührendsten Geschichten der Beethoven-Hagiographie erzählt, wie der fast Taube angestrengt einer Spieldose mit der Ouvertüre von Cherubinis Medea lauschte. Das mag eine dieser Schindler-Stories sein, trotzdem ergreifend. Den Namen Luigi Cherubini kennt jeder, was von ihm gehört haben nur Fachpersonal, Freaks und Callas-Fans. Uns musikgeschichtlich Ertaubten erlaubt jetzt eine Neuproduktion der Staatsoper Unter den Linden, das Ohr dicht an die Spieldose zu halten. Und einen atemberaubenden Anti-Fidelio kennenzulernen, inszeniert von Andrea Breth, dirigiert von Daniel Barenboim, hochkarätig besetzt. Am Sonntag war Premiere, der Konzertgänger war in der Folgevorstellung. Weiterlesen

Großkopfert: „Hänsel und Gretel“ an der Staatsoper Unter den Linden

Na endlich ist die Staatsoper Unter den Linden, nachdem sie schon im Oktober wiedereröffnet und gleich wieder zugemacht wurde, wirklich offen. Am ersten Weihnachtsfeiertag schaut der Konzertgänger sich die Neuinszenierung von Engelbert Humperdincks Hänsel und Gretel an, gemeinsam mit dem Konzertgängerkind – obwohl das nicht gern in Kinderopern geht, weil es in Kinderopern immer so laut ist. Aber 1. sind in Kinderopern immer die Erwachsenen am lautesten, nicht die Kinder, und 2. ist Hänsel und Gretel ja keine Kinderoper. Auch wenn sie aus einem Kinderspiel entstand und die Grässlichkeiten von Grimms Horrormärchen ziemlich abmildert und Kaiser Willem Zwo persönlich befand, das Werk sei für Kinder ganz besonders geeignet, man könnte ganz „unbesorgt“ seine Kinder hineinschicken (Humperdinck an seine Frau, 14.10.1894). Weiterlesen