Kopfsinnlich: Trio Catch bei Ultraschall

Kurze, aber frohe Notiz vom Freitag beim Ultraschall-Festival für Neue Musik im Heimathafen Neukölln: Das Hamburger Trio Catch widmet sich der Klarinette und ihren Verwandten Bassklarinette und Bassetthorn. Ein Ensemble, dem Helmut Lachenmann nicht nur klangliche Brillanz und gestalterische Intelligenz bescheinigt, sondern auch unwiderstehliche persönliche Ausstrahlung.

Tatsächlich sehen die drei Musikerinnen auch verdammt gut aus, aber das hat Lachenmann bestimmt nicht gemeint. Nicht Lachenmann!

Etwa 45 Stücke habe das zeitgenössische Repertoire für ihre Besetzung Klarinette/Klavier/Cello am Anfang betragen, sagt Klarinettistin Boglárka Pecze im Interview, dank Kompositionsaufträgen seien es mittlerweile 70 bis 80. Seit Freitagabend ist es eins mehr, und was für eins.

Vor der Uraufführung von Isabel Mundry gibts aber erstmal vier weitere Stücke, von denen dem Konzertgänger drei gefallen, eins ganz besonders. Während Gérard Pessons Catch Sonata und Barblina Meierhans‘ In Serie 11 sich in reizvollen Klangtüfteleien ergehen, beide mit Beethovenzitaten übrigens, wirken die sogenannten Konventionshinterfragungen in Martin Schüttlers low poly rose (Schlapperpulli über Abendkleid, Rein- und Rauslatschen, Billigfiepsen mit Kleinlautsprechern und solche Subversiveleien) ziemlich reizlos. Mirela Ivičević aber entfacht im nur fünfminütigen Čar den Reiz des Explosiven.

Isabel Mundrys knapp halbstündige Sounds-Archaeologies für Bassetthorn/Klarinette, Cello und Klavier sind für den Konzertgänger der bisherige Höhepunkt des Festivals. Man befürchtet ärgste Verkopfung, wenn Mundry vorab den Interviewer Andreas Göbel mit seinen manchmal larifarigen Fragen in Grund und Boden reflektiert. Aber schon der erste Ton belehrt eines Sinnlicheren: großer Auftritt des auratischen Bassetthorns in den Flügelkorpus hinein. Sinnlich und durchdacht ist eben kein Gegensatz.

Was folgt, ist eine behutsame Archäologie der musikalischen Gesten, nicht der Zitate. Klangwelten entfalten sich im Zusammenspiel des, Lachenmann hatte Recht, brillanten und intelligenten Trios. Obwohl das Stück diskontinuierlich bis disparat klingt, entsteht ein immenser Sog: nicht durch mitreißenden Aktionismus, sondern durch äußerste Konzentration.

Das Konzert wurde live von DLF Kultur übertragen, nachhören kann man’s leider nicht, es ist eine Rechte-Dschungel-Krux mit unseren Öffentlich-Rechtlichen. Nicht mit diesem Stück, aber mit Isabel Mundry kann man das Wochenende bei Youtube verbringen.

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