Tipp: Berliner Klavierfestival

Boldini,_Gentleman_at_the_PianoElysium ad portas für Klavierfreunde, die mal andere Pianisten hören wollen als das grandiose Dutzend, das an den üblichen philharmonischen Klavierabenden zu hören ist: Im Konzerthaus beginnt am Dienstag das 6. Berliner Klavierfestival. Neben dem Weddinger Pianosalon Christophori ist das der heißeste Scheiß, den Berlin neugierigen Klavierfreunden zu bieten hat. Keine Eigenveranstaltung des Konzerthauses, sondern eine private Initiative des Anglo-Steglitzer Klavierwahnsinnigen Barnaby Weiler, den das ewige Einerlei der hiesigen Klavierrezitals anödete.

Fünf Pianisten werden auftreten: Der in Deutschland schmählich unbekannte Yevgeny Sudbin, der einst in einem Spandauer Aussiedlerheim Klavier spielte, hat vielleicht das spannendste, jedenfalls kurioseste Programm dabei, von Scarlatti bis Nikolai Medtner. Die erst 23jährige Beatrice Rana spielt die Goldberg-Variationen, der Schweizer Wahlberliner Francesco Piemontesi koppelt ein klassisch-romantisches Programm mit einem Stück von Maximilian Schnaus, dem Organisten der Berliner Sophienkirche.

Warum Christian Zacharias in Berlin immer nur mit Orchestern zu erleben ist, nie mit einem Solo-Abend, wissen die Götter; seine Scarlatti-Aufnahmen gehören ja zur Grundausstattung eines Plattenschranks (oder einer Favoriten-Playlist). Beim Klavierfestival spielt er Beethoven, Schubert und Schumann. Und wer einmal den berückenden Schumann von Elisso Virsaladze gehört hat, der will das wieder hören.

Der Konzertgänger krittelte im vergangenen Jahr am Klang des Yamaha-Flügels herum, von dem die Pianisten selbst jedoch, wie man hört, sehr angetan waren. Vielleicht sollte man einmal den Firmennamen verdecken und dann urteilen? Neben dem Yamaha werden in diesem Jahr voraussichtlich auch ein Steinway und ein Bösendorfer zu hören sein, eine interessante Vergleichsmöglichkeit.

Im Kleinen Saal des Konzerthauses hört man auf keinem Platz so brillant wie auf den besten Plätzen des Kammermusiksaals. Dafür gibt es im Gegensatz zum Kammermusiksaal auch keine wirklich schlechten Plätze — wenn die Pianisten nicht zu laut spielen.

Heißer Hinweis also! Zumal das nächste Klavierfestival aus Termingründen (verfluchte Fußball-WM) erst 2019 stattfinden wird.

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