6.11.2016 – Traumrosamundisch: Mandelring Quartett spielt Haydn, Schubert, Beethoven

Ein Leben ohne Streichquartette ist möglich, aber sinnlos. Also beginnt der graue und grausige November mit einer höchlich sinnhaften Woche, einem inoffiziellen Streichquartett-Festival: Bevor heute das Cuarteto Casals und am Donnerstag das Emerson String Quartet Berlin beehren und am Samstag das feine Vogler Quartett im Konzerthaus spielt, eröffnet das vorzügliche Mandelring Quartett seinen neuen Berlin-Zyklus mit einer klassischen Drei-Gipfel-Wanderung im Kammermusiksaal. Hayschubhoven.

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23.9.2016 – Kühn, wortlos: „Sturm und Drang“ mit Freiburger Barockorchester und Kristian Bezuidenhout

haydnportraitIn diesem Konzert weiß man nie, wann man sich schnäuzen kann: Im Finale von Joseph Haydns 47. Sinfonie wagt man es ebensowenig wie in C.P.E. Bachs Concerto d-Moll, zu abrupt folgen auf heftigste Bewegung plötzliche Pausen und überraschende Pianissimi. So hält der Nachbar des Konzertgängers minutenlang sein Taschentuch vor die Nase und traut sich doch nie, es zu benutzen, aus allzu berechtigter Sorge, in eine unerwartete Stille zu tröten. (Bei Mahler weiß man immer, wann man sich die Nase putzen kann, ohne zu stören.)

So lässt sich das Etikett Sturm und Drang unmittelbar physisch erfahren. Weiterlesen

7.6.2016 – Lebensrettend: DSO, Norrington, Faust spielen Haydn, Mozart, Vaughan Williams

HaydnportraitZwischen wartenden Harfen und allerlei Perkussionsgerödel, das großer Dinge harrt, beginnt Joseph Haydns Symphonie Nr. 87 A-Dur Hob I:87 wie ein Überraschungsangriff. Die lang gedehnten Pausen im Kopfsatz genießen die Musiker des Deutschen Symphonie-Orchesters mit sichtbarer diebischer Freude. Hörbar ist diese Freude sowieso, erst recht in den Soli der Flöte (Kornelia Brandkamp) im Adagio und der Oboe (Thomas Hecker) im Trio des Menuetts.

Der freudigste Dieb von allen, Sir Roger Norrington, dirigiert nur, wo es nötig ist, oft und gern hört er einfach staunend seinen famosen Musikern zu. Weiterlesen

7.5.2016 – Intim dissonant: Vogler Quartett spielt Haydn, Strawinsky, Beethoven

Mal wieder Zeit für ein Lob des Kleinen Saals: Die Akustik ist dort vielleicht nicht so brillant und ausgewogen wie auf den besten Plätzen im philharmonischen Kammermusiksaal. Aber dort ist eben nur die Hälfte der 1.180 Plätze brauchbar, während man im Kleinen Saal des Konzerthauses auf allen 400 Plätzen ordentlich hört. Und vor allem: intim.

Da glättet und schönt sich keine unsaubere Intonation, aber von ungehobelter emotionaler Vehemenz geht auch keine Schramme verloren: Ein Leidensschrei bleibt ein Leidensschrei. In Beethovens Streichquartett Es-Dur op. 74, das wegen ein paar Pizzicati im Kopfsatz den läppischen Beinamen Harfenquartett nicht los wird, spürt man intensiv eine gewisse Gewalt und leidet in der keineswegs beschaulichen Einleitung des ersten Satzes bei jenen Notrufen mit, die ein Uraufführungsrezensent 1811 als unnötigen Wirrwarr harter Dissonanzen bezeichnete. Das Vogler Quartett (dessen beide Geiger nicht nach Papier, sondern vom Tablet spielen) poliert wie gewohnt nichts, sondern kehrt das Unnötige, Wirrwarrige, Harte, Dissonante hervor, auf dass das Makellose umso heller leuchte: hart an der Grenze der schönen Kunst, wie der Rezensent von 1811 schrieb, mit durchaus richtigem Gespür (auch wenn er das Ganze als Folter empfand). Das Scherzo, in dem das dadada-dam der Fünften sich in einen 3/4-Takt verirrt hat, reißt ebenso mit wie der finale Variationensatz, der in einen beeindruckenden Schlussspurt mündet; das Fotofinish sieht die Musiker im selben Moment die Ziellinie überqueren, den Cellisten Stephan Forck vielleicht am elegantesten.

Warum dieses Quartett im Vergleich zu den vorhergehenden Rasumowsky-Quartetten als leicht, ja beschaulich gilt, fragt man sich angehörs dieser intensiven Interpretation. Am schönheits- und spannungsgeladenen Schluss des Adagio ma non troppo bewundert man zudem, wie die vier Musiker im Ansturm eines unnötigen Wirrwarrs hustender Dissonanzen (als wäre November, nicht Mai) ihre Konzentration bewahren. Der Konzertgänger hätte zurückgebellt; aber er ist ja zum Glück kein Musiker, nur Hörer.

Und bei jedem Beethoven-Streichquartett, das er hört, denkt er unweigerlich: Das ist wirklich ein besonders aufwühlendes! Bei jedem Haydn-Quartett denkt er hingegen: Das ist wirklich ein besonders originelles! So auch bei Joseph Haydns Streichquartett G-Dur op. 77, 1 (Hob III: 81), das das Konzert eröffnet.

Es wäre interessant gewesen, wie viele Hörer wohl bemerkt hätten, dass es sich nicht um das B-Dur-Quartett op. 71, 1 handelt; aber der Primarius Tim Vogler macht freundlicherweise schon vorher auf den Fehler im Programmheft aufmerksam. Elegant und gutgelaunt, aber mit einem für Haydn ungewohnt intensiven, ja romantischen Adagio, in dem das eindringliche Thema in breitem Unisono beginnt und dann durch die Stimmen wandert. Der dynamische dritte und vierte Satz hätten auch dem Sohn des Konzertgängers gefallen, der gleichwohl lieber zuhause geblieben ist, weil er sich mit neun Jahren innerlich noch nicht bereit für Streichquartette fühlt.

Am meisten hätte er sich aber zweifellos über die größte Überraschung gefreut, die in der Mitte des Programms steht: Igor Strawinskys wunderbar schräge Drei Stücke für Streichquartett von 1915. Bessere Anwälte dieses bedauerlich unbekannten Werks könnte man sich nicht wünschen. Das Quartett spielt nämlich nicht nur engagiert, sondern gibt zuvor eine sehr nützliche ausführliche Einführung: informativ, aber nicht bevormundend. Die Musiker spielen die verschiedenen Stimmen an und schlagen assoziative Bilder vor, aus denen der Hörer dann die aussuchen kann, die seinem Ohr frommen – wenn er will, auch alle: Dann hört er im ersten Stück einen an der ratternden Druckmaschine tanzenden Bauern, über dem eine wackelkontaktige Glühbirne sirrt, während in seinem Rücken ein wütender Hund bellt. Aus einer ganz anderen Sphäre klingt das dritte Stück herüber, mystisches Murmeln, in dem die Zeit aufgehoben scheint. Dies irae und Kyrie eleison gewinnen flüchtige Kontur. Die kaum, dann gar nicht mehr zu hörende Bratsche am Schluss dieses Stückes wird zum Höhepunkt des Abends.

Zugabe, vom Publikum durch unangenehm rhythmisches Klatschen erbeten: der vibratoreich gespielte 9. Kontrapunkt aus Bachs Kunst der Fuge, Vorgeschmack auf das nächste Konzert des Vogler Quartetts am 12. November.

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11.4.2016 – Olimpisch: Freiburger Barockorchester spielt Haydn, Mozart, Traetta

Die Verbindung von sportlichen Großereignissen und klassischer Musik löst beim Konzertgänger normalerweise Panikattacken aus, Bilder und Klänge des Grauens drängen sich auf. Dass es auch anders geht, beweist das Freiburger Barockorchester bei seinem Konzert mit dem schönen Titel Spaß und Sport: Während im Großen Saal der Philharmonie Daniil Trifonov in Rachmaninows 3. Klavierkonzert gewiss einen klaren Sieg durch Hörer-K.o. einfährt, erlebt der Musikfreund im Kammermusiksaal mit Sepp Haydn, Wolfgang Armando Mozart und dem neapolitanischen Kunstturner Tommaso Traetta tönende Athletik in ihrer fröhlichen Form. Quer durch alle Sportarten und Disziplinen.

Joseph Haydns Schauspielmusik Il distratto von 1774 ist als Sinfonie Nr. 60 C-Dur Hob. I:60 gelistet, obwohl sie keine Sinfonie ist – jedenfalls nicht im klassischen Sinn, der erst allmählich verbindlich wurde. Das Publikum hat diese Struktur so verinnerlicht, dass es nach dem 4. Satz, einem rasanten Presto der Art, die bei Haydn scheußlicherweise oft Kehraus genannt wird, ganz logisch klatscht. Aber es folgen noch zwei weitere Sätze. Zunächst ein Adagio di Lamentatione, das Katharina Eickhoff in ihrer sehr lesenswerten Einführung als Apotheose der Unfähigkeit bezeichnet: Zwar findet der Konzertgänger die über Triolenwellen ruhig dahinfließende Melodie der ersten Geige (später auch der Oboe) eigentlich ganz hübsch, aber das Orchester sieht es anders und fährt dem ziellosen Gesang laut in die Parade. Das folgende dramatisch losleiernde Prestissimo, ein zweites Finale, bricht dann nach wenigen Takten ab, weil die Geigen feststellen, dass sie dringend ihre G-Saite wieder hochstimmen müssen…

Zerstreut wie der Protagonist des von Haydn musikalisch untermalten Schauspiels, der Briefe an die falsche Braut schickt und sich einen Knoten ins Taschentuch macht, um nicht die eigene Hochzeit zu vergessen, waren auch die ersten vier Sätze: etwa das Einschlafen der Musik im 1. Satz, aus dem ein heftiges Erwachen folgt. Einige zerstreute Hörer erschrecken auch bei der Wiederholung des Witzes!

Das Freiburger Barockorchester ist so spiel- wie stehstark, links wie rechts. Als ebenso energische wie elegante Mannschaftskapitänin überzeugt die erste Geigerin Lorenza Borrani, die die Einsätze durch beeindruckende Kniebeugen mit hohen Absätzen gibt, ein dirigentisches Bauch-Beine-Po-Programm, das kein Maestro hinbekäme. Die tadellose Haltung, mit der sie gleichzeitig streicht, möchte man allen Geigenschülerinnen dieser Welt anempfehlen.

Überzeugt bei Haydn vor allem die kompakte Teamleistung, kommen im weiteren Verlauf des Abends individuelle Spielstärken zur Geltung. In dieser Einzelwertung ist zunächst die Sopranistin Christine Landshamer zu nennen, die Sonderpunkte für Kleid und Turnschuhe erhält:

Landshamer singt zwei Bravour-Arien von Tommaso Traetta und Wolfgang Amadeus Mozart, beide nach demselben, insgesamt über 70mal vertonten L’Olimpiade-Libretto von Metastasio, in welchem eine Schöne namens Aristea als Goldmedaille fungiert. Landshamer punktet in sämtlichen Auf-, Um- und Abschwungübungen am Koloraturbalken ebenso wie in der emotionalen Kür. Silberstrahlend und eher empört als verzweifelt übers männliche Geschlecht klingt die intensive, mit klaren Linien fesselnde Arie Che non mi disse un dì von Traetta, der angelegentlich seiner 2011 in Berlin aufgeführten Antigona als italienischer Gluck bezeichnet wurde und dessen Sohn 1801 das erste Konservatorium der USA gründete. Sehr lyrisch und hochdifferenziert dagegen Mozarts Rezitativ und Arie Non so donde viene KV 294, in dem Landshamers warmer Sopran, den einen Ohrenblick lang drohenden Absturz souverän vermeidend, in strahlende Höhe aufsteigt.

Wie stark und ausgeglichen der Freiburger Kader besetzt ist, zeigt sich aufs Kurzweiligste in Mozarts Posthornserenade D-Dur KV 320: einem groß besetzten und schon ziemlich vermannheimten Ständchen vom Ende der Salzburger Zeit. Zwar herrscht genregemäß nicht in jedem Moment dieser 40 Minuten die höchste musikalische Ereignisdichte. Aber  ginge man sich zwischen den ziemlich symphonischen Rahmensätzen 1 und 7 ein Getränk holen, würde man immer etwas Hörenswertes verpassen: die wunderbaren Holzbläser etwa im Concertante und Rondeau (Flöte Daniela Lieb, Oboe Ann-Kathrin Brüggemann) oder die fahlen Mollabgründe des Andantino, die den Hörer in diesem unterhaltenden Zusammenhang kalt erwischen, ja erschüttern. Und natürlich das Posthorn im 2. Trio des 2. Menuetts, kurz vor Schluss, das Jaroslav Rouček bemerkenswert unflatterig bläst: eine Provokation Mozarts gegen den ungeliebten Erzbischof Colloredo, wie man bei Eickhoff erfährt, denn das Posthorntuten war in Salzburg so verboten wie das Hupen in Wien.

Nicht mal das Mitklatschen, das den Auszug der Musiker zu Mozarts D-Dur-Marsch KV 335 verhunzt, trübt den Konzertgenuss; die freudige Stimmung des Abends entschuldigt selbst diesen Fauxpas des beglückten Publikums.

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17.3.2016 – Glitzernd: RSB, Janowski und Arabella Steinbacher spielen Prokofjew, Schubert, Haydn

Bild: THOR

Auch wenn Sergej Prokofjew nicht jedermanns Lieblingskomponist ist, lohnt es, seine beiden Violinkonzerte im Vergleich zu erleben – vor allem wenn Arabella Steinbacher sie spielt. Nicht etwa, weil Steinbacher so gut aussieht, dass gerüchteweise sogar Taube ihretwegen in die Philharmonie kommen. Diese großartige Geigerin zu hören würde auch lohnen, wenn sie wie ein behaarter Klops aussähe! Nicht nur ihr violettes Kleid glitzert und funkelt, sondern auch Prokofjews 1. Violinkonzert D-Dur (1915/17, UA 1923), dem Steinbachers „transparenter silberner Ton“ (Deutschlandfunk) besonders gut steht. Dieses Werk ist so maximal entspannt, dass ein Baby in Block C völlig zurecht jauchzt. Störend hingegen der Reinklatscher aus Block G am Schluss: Gern ließe man diese Musik, in der ein Reiz auf den anderen folgt, noch in der Stille nachklingen, die flötenbegleiteten Pizzicati, das kristallin trillernde und glissierende Eisprinzessinnenfinish des ersten Satzes, das federleicht fliegende, sausende, schwirrende, auch trommelnde Vivacissimo. Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski begleitet so akkurat und begeistert, wie man es von diesem Orchester mittlerweile selbstverständlich erwartet.

Prokofjews 2. Violinkonzert g-Moll klingt im Vergleich weniger originell, dafür ist es von einer direkteren Schönheit, die auch dem Tschaikowsky- und Sibeliusfreund gefällt, geradezu irritierend klangsatt und rhapsodisch, wenn man bedenkt, dass es 1935 entstand, kurz bevor Prokofjew in die Sowjetunion zurückkehrte, mittenmang in Stalins Großen Terror. Der Abgrund, den man in diese Musik hineinzuhören neigt, liegt am ehesten in seiner Abwesenheit. Steinbacher spielt und singt den schönen Ton aus, ein großer Genuss, mit Best-of-Classics-tauglichem Andante und funkensprühendem, präzise besoffenem Finale mit iberischem Einschlag.

Franz Schubert hingegen ist jedermanns Lieblingskomponist, aber sein „Frühwerk“ hat einen schweren Stand, Brahms erwog gar (wie man im wie stets lesenswerten Einführungstext von Steffen Georgi erfährt), Schuberts Symphonien 1 bis 3 aus der Gesamtausgabe auszusperren. Aber das RSB schießt jeden Verdacht beiseite, Schuberts 3. Symphonie D-Dur D 200 (1815) sei langweilig. Mit zackiger, fast aggressiver Lustigkeit legt das Stück eine überdrehte Motorik an den Tag, die an Prokofjew denken lässt. Immer wieder schön, wie die Zusammenhänge von Janowskis altmodisch wirkenden Programmen beim Hören unmittelbar einleuchten.

Keine Prinzessinnenmusik, sondern wahrhaft königlich ist Joseph Haydns Symphonie Nr. 85 B-Dur Hob I:85 „La Reine“ (1787), die zweite der Pariser Symphonien, angeblich ein Lieblingsstück von Marie Antoinette. Janowskis Haydn ist eine sichere Bank, doch ohne falsche Routine. Wie Schubert ohne eigentlich langsamen Satz (fürs Lyrische ist heute ausgerechnet Prokofjew zuständig), dafür mit herrlichem Flötensolo von Ulf-Dieter Schaaff in der Allegretto-Romanze und prima synkopenfreudigem Menuett. Haydn wie Schubert von Janowski auswendig dirigiert.

Als einziger Wermutstropfen sei wieder einmal die elende Husterei erwähnt, die den verschnupften Wunsch weckt, Einlass in die Philharmonie nur noch mit ärztlichem Attest über die Abwesenheit von Erkältungskrankheiten und zwangsneurotisch bedingten Bronchialkontraktionen zu gewähren. Siehe zu diesem leidigen Thema auch die Ausführungen des Konzertgängers über Hörstörungen.

Am 10. April ist Arabella Steinbacher wieder beim RSB, dann mit dem Mendelssohn-Violinkonzert.

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16.1.2016 – Gedrängt: Radiale Nacht mit Teodor Currentzis und Patricia Kopatchinskaja

Der Homo oeconomicus tickt seltsam: Eine Frau mokiert sich über die 50-Cent-Gebühr für die Garderobe – vor einem Konzert mit einer Besetzung, für die man in Salzburg locker das Fünffache blechen würde. Aus der auf Einlass wartenden Menge, in der dutzende Menschen gedrängt stehen, ruft ein Mann: Ich stehe hier gedrängt! Antänzer sind zum Glück nur aus der Sasha Waltz Compagnie zu befürchten. Im Radialsystem V gibt sich Teodor Currentzis (den manche für ein Genie, andere für einen Hallodri halten) mit seiner Permer Originalklang-Wundertüte MusicAeterna die Ehre, aus diesem Anlass findet eine Radiale Nacht mit allem Pipapo statt, Kammermusik in allen Kammern und Aftershow-DJ.

In die Studios im 4. und 5. Stock ist schwer hochzugelangen, wer zu Panikattacken oder Atemnot neigt, sollte sich nicht ins Getümmel stürzen. Beim Recital of the Fittest in Studio C spielt der junge israelische Pianist Iddo Bar-Shai mit hoch springender Linker und quirliger Rechter Haydns geistreiche Klaviersonate Nr. 39 D-Dur im CPE-Bach-Stil. Als im Moll-Adagio zwei Tänzerinnen sich wie im Traum von ihren Sitzen erheben, schaut Bar-Shai etwas verdutzt, und Haydn klingt vertanzt plötzlich nach Schumann. Bar-Shai lässt sich davon ebenso wenig irritieren wie von den Bässen des DJ Acid Pauli, die aus Studio A herabdringen. In der Lounge kann man währenddessen Kammermusik von Mozart, Prokofjew und Steve Reich hören und dabei Bio-Buletten knabbern; wenn die Atmosphäre zu kneipig wird, gibt es zum Glück Besucher, die um Ruhe zischen.

Dicht gedrängt ist das Programm auch im Hauptteil des Programms mit Currentzis und MusicAeterna: Im Dunkeln erklingt zunächst Arvo Pärts sämig archaisierender Psalom, dessen Mystik für den Konzertgänger eher nach Vangelis als Josquin Desprez klingt, tintinnabula-Technik hin oder her. Da ist der gute alte Barockböhme Heinrich Ignaz Franz Biber doch ein anderes Kaliber! Der erste Geiger führt das Ensemble energisch und cool durch die Battalia D-Dur, ein aufregendes musikalisches Schlachtengemälde, das sich zwischendurch in ein geniales Chaos verwickelt. Das Ensemble mit Kontrabassisten in Lederjacke und orangem T-Shirt kann sich als liederliche gselschaft von allerley Humor hören und sehen lassen. Die Tänzer von Sasha Waltz haben indessen ein Plakat mit einem Zitat von David Bowie auf die Bühne getragen, dem das Konzert gewidmet ist (und nicht etwa Pierre Boulez): THE SUN MACHINE IS COMING DOWN AND WE’RE GONNA HAVE A PARTY.

Beethovens 5. Symphonie c-Moll dirigiert Teodor Currentzis dann ebenfalls im Geist einer battaglia, mit der Betonung auf con brio. Seinen weite Kreise ziehenden Dirigierstil kann man tänzerisch oder hampelig nennen, auf jeden Fall intensiv. Die Interpretation sieht allerdings extravaganter aus als sie klingt, es ist eine sehr solide Aufführung in hohem Tempo mit scharfen Akzenten, dem historischen Aufführungsstandard entsprechend, aber ohne die Differenziertheit eines Harnoncourt oder Norrington. Trotz Extrem-Fermate-Pausen gibt es doch bemerkenswert spannungsarme Übergänge bei diesem Hochdruck-Beethoven, der manchmal eher gedrängt als drängend wirkt. Dass die Waltz-Compagnie (in sehenswerten Kostümen von Esther Perbandt) die Symphonie vertanzt, ist schön anzusehen, gereicht der Musik aber nicht immer zum Vorteil: Ungebrochenes Freiheitspathos am Beginn (Hände recken sich durch Gitter), heftiges Gewirbel während der Durchführung oder ein sehnsüchtiger Blick im Andante con moto tragen nichts Erhellendes bei, sondern affirmieren die bleischweren Klischees, die diese Symphonie belasten. Gerade als man die Tanz-Choreografie als kompletten Fehlgriff abtun will, kommt es aber zu einem Clou, der alles rechtfertigt: Im Übergang vom Scherzo zum Finale mischen sich die Musiker mit den Tänzern – doch als das große Jubelfinale beginnt, erstarren die Tänzer mit konsternierten Blicken und… tanzen nicht mehr, sondern gehen umstandslos ab. Das ist ein beeindruckender Kontrast, der diese Symbiose von Musik und Tanz doch unvergesslich macht. Das Jubeln bleibt einem im Halse stecken, aber das Publikum bricht doch in frenetischen Beifall aus; was zumindest der musikantischen Wucht dieser Aufführung angemessen ist.

Gleichwohl kommt mit der Geigerin Patricia Kopatchinskaja noch ein gänzlich anderes Niveau in den Abend – und nun auch wirkliche musikalische Extravaganz. Statt Beethovens Violinkonzert spielt sie kurzentschlossen das Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219 von Wolfgang Amadeus Mozart. Currentzis brummelt irgendetwas Unverständliches in die vorderen drei Reihen, vielleicht eine Warnung vor dem, was Mozart gleich blüht. Den Eingang zum Allegro aperto spielt Kopatchinskaja mit Ultra-Flageolett, dass man einen Moment fürchtet, sie habe aus Versehen die chinesische Fabrikgeige ihrer zweijährigen Nichte mitgebracht. Auch die Kadenzen und die Übergänge zu den Ritornellen im Rondo schrubbt, knallt und fiepst sie, mal heftig, mal zart und gläsern, doch immer so bizarr, als hätte sie die Noten auf den Kopf gestellt, nach Beethovens Motto: Andersrum hab ich’s schon versucht. Das Wort Originalklang bekommt eine völlig neue Bedeutung: So hat man dieses Violinkonzert noch nie gehört. Wie keine andere Spitzengeigerin ist Kopatchinskaja bereit, schöne Stellen zu vergewaltigen; doch sie hat auch einen atemberaubend innigen Ton, etwa im melancholisch bis todtraurig singenden Adagio. Eine einzigartige Musikerin, wirklich nicht nur wegen ihrer nackten Füße.

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11.10.2015 – Gigantisch leicht: Francesco Piemontesi spielt Haydn, Mozart, Beethoven und… Stockhausen

Einen gewaltloseren Pianisten als den jungen Schweizer Francesco Piemontesi kann man sich nicht vorstellen. Trotzdem klagt ein älterer Herr in der Pause, er fühle sich erschlagen. Seine Begleiterin mutmaßt gar, in der Philharmonie würden Pianisten gezwungen, sowas zu spielen. Was ist passiert? Ein paar Minuten Stockhausen, vor immerhin 60 Jahren komponiert, inmitten von Haydn, Mozart, Beethoven.

Dabei ist es ein überaus durchdachtes Programm, von Provokation keine Spur: Nach den Haydn-Variationen klingt Karlheinz Stockhausens Klavierstück IX wie ein Thema mit Variationen, nach der Mozart-Fantasie das Klavierstück V wie eine völlig freie Fantasie. Piemontesi spielt die beiden Stücke im Kammermusiksaal an einem zweiten Steinway, der hinter dem Klassiker-Steinway steht, und dieser hallt vor allem in Stück IX wunderbar mit – so wie man umgekehrt bei den jeweils folgenden Beethoven-Sonaten stets Stockhausen mithört. Man glaubt kaum, dass das 50er-Jahre-Avantgarde ist, man braucht keinen Adorno, um diese sinnliche, ja romantische Klaviermusik zu hören.

In Stück IX gibt es erstmal lange dasselbe, nämlich 227mal den gleichen Akkord, aber er klingt jedesmal anders. Wenn dann in Beethovens 31. Sonate As-Dur op. 110 vor dem Klagenden Gesang vierzehnmal das A wiederholt wird, erst recht in den zehn Wiederholungen des G-Dur-Akkords, bevor die rettende Fuge nach u. nach sich neu belebt, staunt man ergriffen über die faszinierenden Zusammenhänge, die da hörbar werden.

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Noch bewundernswerter als die Programmgestaltung ist freilich Francesco Piemontesis Anschlag: Es muss wahnsinnig schwer sein, so leicht zu spielen. Joseph Haydns wunderbare Variationen f-Moll Hob. XVII,6 spielt er in nächtlicher Sanftmut, fast verhangen, aber nie verschwommen, mit sehr weichem Anschlag und perlenden Läufen. Das lange Pedal am Schluss weist schon auf die Nachhall-Effekte bei Stockhausen voraus. Wolfgang Amadeus Mozart scheint Piemontesis Herz besonders nah, in der Fantasie d-Moll KV 397 sind die sich wiederholenden Akkorde gebrochen, verflüssigt, und das abrupte Abbrechen der Gedanken weist ohnehin über jede klassische Stil-Einheit hinaus.

In Beethovens 30. Sonate E-Dur op. 109, die den ersten Teil des Abends krönt, liegen ihm natürlich besonders die bagatellenartigen Vivace-Passagen des ersten Satzes (piano, dolce); in den Kontrasten klingt für den Hörer das Stockhausen-Erlebnis mit. Den zweiten Satz, Prestissimo mit passacaglia-artigem Bass, spielt Piemontesi nicht bärbeißig oder grimmig, sondern auch im Fortissimo ganz fließend. Das große Variationenfinale Gesangvoll, mit innigster Empfindung geht er langsam, ja gedehnt an, aber der Konzertgänger hört es in atemloser Spannung – auch deshalb, weil er es so gesangvoll in der Tat kaum je gehört hat, selbst in den höchsten Regionen über dem gewaltigen Trillerrauschen in der letzten Variation. Klangschön wie Wilhelm Kempff, aber technisch natürlich viel perfekter. Der Konzertgänger hört die E-Dur-Sonate ziemlich oft, manchmal ist er etwas enttäuscht; bei Piemontesi aber denkt er: Darauf hast du die ganze Zeit gewartet.

Ebenso vollkommen die oben schon erwähnte As-Dur-Sonate, mit der der Abend endet: der schwerelose Mozarttonfall am seltsam klassizistischen Beginn, der ungeheuerlich fahle Ton der folgenden Moll-Wendung; die sanfte Wanderung des Fugenthemas in den Bass im Finale, schließlich höchste Lautstärke ohne jedes Fugenmeistergerummse – in nur 15 Minuten werden Welten durchschritten.

Es gehört nicht viel Mut dazu, Piemontesi eine große Pianistenkarriere vorherzusagen. Braucht es Mut, als Zugabe mal eben Debussys Feux d’artifice scheinbar locker aus dem Ärmel zu schütteln? Es klingt unfassbar leicht. Das muss, wie gesagt, ungeheuer schwer sein. Nach dem Konzert ist der gewaltlose Piemontesi durchgeschwitzt, abgekämpft; aber hoffentlich ebenso glücklich wie seine Hörer.

Nachtrag: Zweite Zugabe, vom Konzertgänger nicht erkannt, war die Etüde a-Moll opus 104 von Mendelssohn – herzlichen Dank an Francesco Piemontesi für die Auskunft!

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10.10.2015 – Paradiesisch: Vogler-Quartett und Gäste spielen Haydn, Beethoven, Eggert

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Nach einem Tag voller unangenehmer Erlebnisse am Abend das Sonnenaufgangsquartett: reines Glück. Alltäglicher wie existenzieller Ärger verpuffen, wenn sich zu Beginn die Geigenmelodie über einer ruhigen Klangfläche erhebt, und beim großen B-Dur-Fortissimo durchflutet bereits pure Freude den Konzertgänger – zu einem Zeitpunkt, als Joseph Haydns Streichquartett op. 76, Nr. 4 B-Dur erst ein paar Takte alt ist. Das choralartige Adagio ist einer der berührendsten langsamen Sätze von Haydn, das Quartett stammt von 1797, es klingt manchmal schon nach romantischen Gefühlssphären.

Dabei musiziert das Vogler-Quartett völlig unsentimental. Tim Vogler hat das Gegenteil eines überpolierten Tons, er spielt manchmal rauh, aber immer bewegt, lebendig und in perfekter Koordination mit seinen Kollegen. Man hört und sieht die Erfahrung dieses Quartetts, das seit 30 Jahren in dieser Besetzung musiziert: vier brillentragende Herren mittleren Alters, von denen die mild migrationshintergründige Frau des Konzertgängers sagt, sie sähen so deutsch und protestantisch aus, dass es knallt. Aus ihrem Mund ist das ein Kompliment.

Die weibliche Note bringt dann die junge britische Schlagzeugerin Sabrina Ma auf die Bühne. In Moritz Eggerts Stücken Croatoan I-III, die sich eher assoziativ als konkret auf das mysteriöse Verschwinden einer amerikanischen Siedlerkolonie im 16. Jahrhundert beziehen (mehr dazu hier), gesellen sich nacheinander ein Glockenspiel, ein breites Percussion-Arsenal und eine Große Trommel zum Streichquartett. Die flächigen tonalen Klänge in Croatoan I – Englische Stimmen, hinter denen Glöckchensterne funkeln, verbinden sich im Ohr des Hörers mit dem Beginn des Sonnenaufgangsquartetts. In Croatoan II – Im Sandkasten verschwindet Ma hinter ihrem riesigen Notenblatt, aber man sieht zum Glück ihre Hände, die sich zwischen Bongos, Tambourin, Klingel, einer Ratsche und noch viel mehr bewegen. Auch die Streicher stampfen, scharren, klopfen und bimmeln schließlich mit Glöckchen, die an den Notenständern hängen. Den vier seriösen Herren scheint es wie dem Publikum zu gehen: Erst kostet es etwas Überwindung, dann bereit es große Freude. Schließlich die volle Dröhnung, als in Croatoan III – Perpetuum mobile die Große Trommel den Kleinen Saal des Konzerthauses erbeben lässt, Fasolt-Fafner-Stampfen mit Phasenverschiebung, mitunter auch leise Töne.

Nach der Pause gehört das Podium Moritz Eggert, der so extrovertiert auftritt wie seine Musik klingt. Seine eigene Komposition Hämmerklavier XXV: Abweichung (Hommage à Beethoven) rauscht angenehm, aber etwas undringlich am Publikum vorbei. In Ludwig van Beethovens frühem Klavierquartett Es-Dur op. 16 übernimmt er dann den Klavierpart. Zunächst runzelt man die Stirn über den grimassierenden Paradiesvogler am Klavier, aber man lässt sich schnell überzeugen, dass Eggert ein erstklassiger Pianist ist: Beethovens Witze klingen witzig, die Läufe fetzen. Im zweiten Satz, dem Andante cantabile, trägt er die Streicher auf sanften Flügeln. Eine gelungenes Zusammenspiel, die den drei grundseriösen Herren vom Vogler-Quartett das Extraquäntchen Lockerheit gibt. Und den Hörern Lust auf die nächsten Termine mit dem deutschen, protestantischen, paradiesischen Vogler-Quartett macht.

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Webseite des Vogler-Quartetts

Moritz Eggert und sein Bad Blog of Muzick

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4.10.2015 – Friedensbewegt: Akademie für Alte Musik und RIAS-Kammerchor unter Łukasz Borowicz spielen Haydn und Wranitzky

Wranitzky? Tschechischer Name, wird sich also um einen österreichischen Bundeskanzler handeln, irgendwo zwischen Kreisky und Klima. Nein? Ein deutsch-mährisch-österreichischer Komponist und Dirigent der Wiener Klassik? Da gab es mehr als diese drei? Ja, von Haydns Bruder Michael hat der Konzertgänger schon gehört, auch von Kozeluch, Dittersdorf, Hummel…

Ihre Musik lernt man kennen, wenn man öfter mal Konzerte der Akademie für Alte Musik besucht. Von Pavel Vranický alias Paul Wranitzky, dessen Name in Charles Rosens Der klassische Stil nicht einmal erwähnt wird, gab es am 4. Oktober im Konzerthaus ein Werk, dessen Titel allein schon Spannung verheißt: die überaus bewegte Grande Sinfonie caractéristique pour la paix avec la République française c-Moll aus dem kriegerischen Jahr 1797.

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So richtig battaglia-mäßig geht es allerdings erst im dritten Satz zu, wenn die Tambourtrommel von der Orgelempore knallt und im Tumult munter die Piccoloflöte pfeift. Im zweiten Satz verliert, nachdem die Klarinette (Ernst Schlader) die  Wendung des Adagio-Idylls ins Düstere vorbereitet hat, Ludwig XVI. unter schnarrenden Dissonanzen sein Haupt; in letzten Flötentönen haucht der König sein Leben aus und wird dann in einem Trauermarsch beweint. Den man natürlich so wenig am Trauermarsch der Eroica messen darf wie die Guillotinierung an der Symphonie fantastique. Die Revolution im ersten Satz ist pingelig durchstrukturiert, bei allem, was passiert, kann man bis 4 zählen, und es ist auch manche Marschmusik dabei, wie sie Opa Erwin gefällt. Nach so viel Gradzahligkeit genießt man in den Friedensverhandlungen im Finale das tänzerische Andante grazioso, ehe im Freudengeschrei der 4/4-Takt wiederkehrt.

Nicht jede Ausgrabung kann ein Meisterwerk zutage fördern, aber hörenswert ist es allemal. Und bessere Fürsprecher als die Akademie für Alte Musik mit ihrer unvergleichlichen Spielfreude und den enthusiastischen Dirigenten Łukasz Borowicz, der im lang anhaltenden Applaus mehrmals die Partitur emporreckt, kann Wranitzky sich nicht wünschen. Der umtriebige Borowicz, der im Interview im Programmheft eine Art Initiativbewerbung für freiwerdende Stellen in Berlin abgibt („Ich träume davon, eines Tages sagen zu können: Ich bin ein Berliner!“), wird dem Konzertgänger jederzeit willkommen sein.

Die Unruhe, mit der das Kyrie in Joseph Haydns Missa in tempore belli C-Dur (1796) beginnt, hört man danach mit anderen Ohren. Die berühmten Pauken im abschließenden Agnus Dei, von denen dieses Werk seinen Rufnamen Paukenmesse trägt, lassen ohnehin keinen Zweifel an ihrer militärischen Herkunft. Die Kombination mit Wranitzkys Kriegssymphonie macht diese Bitte um Frieden umso dringlicher: Haydn hat vielleicht noch keine Finalsymphonie geschrieben, aber ganz sicher eine Finalmesse. Der glanzvolle RIAS Kammerchor und die hervorragenden Solisten Robin Johannsen (Sopran), Stefanie Irányi (Alt, kurzfristig eingesprungen), Attilio Glaser (Tenor) und – besonders hervorzuheben – Andreas Wolf (Bass) musizieren wie die Akademie für Alte Musik auf höchstem Niveau. Eine ergreifende Aufführung.

Begonnen hat der Abend mit Joseph Haydns frühem Te Deum C-Dur (1763), das reine Glaubensfreude ohne jede protestantisch-bachsche Zerknirschung ausstrahlt. Wer da Atheist sein will, ist selbst schuld.

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