Saisonvorschauen (1): Rundfunk-Sinfonieorchester

Noch mitten in der Saison erscheinen die Ankündigungen für die neue Saison. Als erstes ist das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin dran. Die laufende Saison hat im Konzertgänger den Eindruck bestärkt, dass das RSB mit Vladimir Jurowski den aufregendsten Chefdirigenten aller Berliner Orchester hat. In der neuen Saison tritt zu Jurowskis Pastoren-, wenn nicht Mönchsschwarz kräftiges Pastoralgrün, denn es gibt jetzt (wie zu Metzmachers Zeiten beim DSO) ein übergreifendes Saisonthema: Der Mensch und sein Lebensraum.

Sympathisch und konsensfähig öko ist das, aber nicht beliebig, auch dank Partnerschaften mit NABU, WWF, Green Lab Berlin u.a. Und zum Glück andererseits nicht aufdringlich, denn das Natur-Thema ist allgemein genug, um musikalisch alles Mögliche darunter zu fassen. Den rheinischen Frühling und rumänische Herbstwolken und andere Jahreszeiten, die Donau und das Meer, die Alpen, Pastorales nicht nur von Beethoven. Gott und die Welt. Und den Lebensraum Seele sowieso. Die Evergreen-Quote liegt etwas höher als in der experimentelleren ersten Saison.

Es gibt außerdem einen Artist in Focus (Johannes Moser) und einen Composer in Residence (Brett Dean), ein erfreuliches Bekenntnis zum Zeitgenössischen. Wie auch der Auftrag für ein neues Werk an Georg Katzer, das zum Jahresabschluss vor der Neunten zu hören sein wird. Auch deshalb erfreulich, weil zwar neue neue Publikumsschichten gerade im Westen fürs RSB sehr wichtig sind. Aber es wird auch Zeit, den Blick mal zu öffnen für die weitgehend verdrängte Avantgarde der ehemaligen DDR.

Größte Vorfreude: Gérard Griseys Les espaces acoustiques (19.5.2019)

Größte Skepsis: John Adams‘ Weihnachtsoratorium El Niño (15.12.2018)

Unbedingter Vorsatz: Endlich mal zu einem Film-Livekonzert des RSB. Und zur Kammermusik ins Weddinger silent green

Was tut der Chef für sein Geld: 22 Konzerte, davon 12 in Berlin und 10 im Rest der Welt von Chorin bis Japan

Wie viele Frauen unter den Gastdirigenten: 3 von 19

Schönste Extras: Angebote zu vogelkundlichen Spaziergängen im Tiergarten vor den Philharmonie-Konzerten, Pfefferminz-Samen in der Banderole um die Saisonbroschüre

Günstigstes und teuerstes Saison-Abo: 60 und 315 Euro

Zur neuen Saison des RSB

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Ein Gedanke zu „Saisonvorschauen (1): Rundfunk-Sinfonieorchester

  1. John Adams‘ El Niño – so ähnlich hab ich auch gedacht. Moser mit Waltons Violoncellokonzert klingt vielversprechend. Auch Carolin Widman mit Robert Schumanns Violinkonzert finde ich gut.

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