Die trunkene Fahrt

Vier Männer in einem rostigen Fiat Panda: Ein jähzorniger Pianist aus Hannover, ein einfältiger Student aus Bologna, ein übergewichtiger Musikkritiker aus Westberlin, ein dubioser Lehrer aus Südtirol. Eine aberwitzige Berg-und-Talfahrt, ein Roadtrip zu geologischen und menschlichen Abgründen: Das kann nicht gutgehen, ergibt bei Albrecht Selge aber einen sehr guten, ziemlich heiteren Roman… virtuos, ein furioses Kammerspiel. (SPIEGEL ONLINE)

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Leseprobe:

Sie brausten zur Mautstelle Sterzing, die wie der Grenzübergang Dreilinden aussah. Zwantulla zählte während des Wartens 24 Tore, aber neben dem äußersten stand auf einem grauen Container 22. Als sie vorne waren, fuhr Gasser fast in die orange leuchtende Schranke.

Achtung! rief Perger. Die Schranke!

Ja ja, sagte Gasser u. wartete, bis sie sich gehoben hatte. Dann ging es auf die Autobahn, auf der kaum Verkehr war, nur ein paar LKWs, obwohl es doch die Brennerautobahn war. Irgendwann ein Viehtransport (oder Steinways). Sie fuhren eine Weile, vorbei an Dörfern mit gotischen Kirchtürmen. Perger schwärmte: Schön, mal ein Tag unter Männern. Mal auf andere Gedanken kommen. Und ist doch eine andere Gegend als bei mir in Hannover! Doll, durchaus doll. Etwas ganz anderes als das norddeutsche Tiefland … erst recht anders als das niedersächische Bergland … wunderschön. Wenn nur das Waldsterben nicht wäre … hätten Sie noch ein Bonbon für mich? Granatapfel, bitte, usw. – Zwantulla hörte die anderen (sogar Perger) wieder über Fußball sprechen, dann döste er weg. Da hatte er den 1 . Traum an diesem Tag: Er sah einen weinenden Vogel, der auf einem Baum saß. Der Baum stand in vollem Laub, zugleich war klar u. deutlich, dass der Baum ein Kirchturm war. Aber der Kirchturm war ein Baum. Was für ein Baum, konnte er nicht erkennen. Der Vogel weinte. – Als er wieder zu sich kam, fragte er sich, was für ein Vogel das gewesen war, er kannte sich mit Vögeln nicht aus, u. hörte, dass Gasser von den Pyrenäen sprach.

?

Nach einer Weile kapierte er, dass es sich um eine kurzlebige Südtiroler Kulturzeitschrift handelte bzw gehandelt hatte, für die Gasser gearbeitet bzw die er möglicherweise gegründet hatte. Also nicht nur ein lesender Chauffeur, sondern irgendein Kulturmensch, Cineast, Museumsgänger, Literaturfreund, er nannte Goethe euern größten Landsmann u. hatte, wie sich herausstellte, in Innsbruck u. Wien Altphilologie studiert, daher das klassisch gebildete Vokabular (Cicerone, delphisch, Erkennen von Horazzitaten etc), daher die Heimatkritik, daher auch das sofortige latinisierende Einverständnis mit Perger u. die Freundschaft mit Kumm, über den er sich dennoch vorhin mokiert hatte, sogar ins Angesicht von dessen Sohn. Mokieren u. monieren, einer dieser typischen in Innsbruck u. Wien studierten Kulturmänner, jetzt monierte er: Es gibt hier diese entsetzliche Einheitszeitung, die Dolomiten, eine nationalkatholische Gebirgsprawda, deshalb haben wir unsere Zeitung Pyrenäen genannt. Verstehen Sie? Pyrenäen statt Dolomiten. Kultur als das schlechthin Andere, das Jenseitige.

Ah! Kultur!

Gut gesagt.

Aber warum nicht Tatra?

Nein, Pyrenäen ist viel besser.

Aber jetzt gibt es die Pyrenäen nicht mehr?

Nein, nicht mehr. Es war uns darum zu tun, unsere in der Notzeit der beiden Faschismen, der italienischen Skylla und der großdeutschen Charybdis, fatal zusammengerückte Einheitskultur aufzumischen. Stattdessen Einheizkultur, mit z! Advocati diabolorum, geistiges Pogo, Zitate, die zittern machen. Literatur ist die höchste der Künste. Das ist uns in aller Bescheidenheit gelungen, aber dann war das Geld alle.

Wie lange gab es die Pyrenäen?

Einige Wochen.

Einige Wochen? Sagten Sie nicht, es war eine Vierteljahresschrift?

Mm.

Und wovon leben Sie heute?

Gymnasiallehrer für Deutsch, Geschichte, Philosophie.

Puh.

Lehrer, das wär nicht so meins.

Aber warum denn, es ist eine Freude, auf junge Leute einzuwirken, ihre Liebe zur Bildung zu wecken, heißen Hunger auf Literatur, brennenden Durst nach Philosophie … vor allem aber in ihnen den Mut zu entzünden, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen, wie es euer größter Landsmann Kant formuliert hat.

Das wär wohl etwas für Sie gewesen, Hibiscus, nicht wahr?

Mm?

Nichts für ungut. Aber sagen Sie, müssen Sie denn vormittags nicht arbeiten?

Wieso sollte er arbeiten, ist doch Sonntag.

Und Ferienzeit.

Verrinnzeit?

Aber nein, Ferienzeit, es sind Sommerferien. Bei uns in Italien dauern die Sommerferien drei Monate, zwar ein Schmarrn, ist aber so. Und sowieso, ewiger Sonntag im Gemüte, wie es im Taugenichts heißt …

Stimmt, die Italiener sind faul. Dass sie nichts taugen, tät ich nicht sagen, nicht alle, aber … die Semesterferien sind noch länger, fünf Monate, hihi, nur ab und zu eine Prüfung.

Sag mal, Hibiscus, was studierst du eigentlich?

Jura.

Puuuhh …

Stimmt, Hibiscus, du hast es ja vorhin erwähnt, als wir nach Sterzing unterwegs waren. Auf einmal bekam Gasser ein philosophisches Gesicht: Recht zu sprechen … in gewisser Hinsicht der unmenschlichste Beruf der Welt, meint ihr nicht? Neben dem des Pfarrers.

Stimmt, Pfarrer wär noch langweiliger, so was Trockenes.

Na, lassen wir das … aber kennt ihr diese Erzählung von Kafka? Mit dem Advokaten, der früher ein Schlachtross Alexanders des Großen war, usw. – Perger sagte schon seit einer Weile nichts mehr, er schaute betreten, nicht nur wegen seiner kleinen Augen (v.a. als Gasser die Literatur höchste der Künste nannte) u. klammerte sich an das schwarze Täschchen zwischen seinen Knien, lutschte Bonbon, rauchte HB, vielleicht war ihm vom Qualm mulmig, aber als Zwantulla vorschlug, ein Fenster zu öffnen, rief er: Nein, nein, keinen Zug! – Dann verstummte er wieder. Vielleicht schubberte ihn auch nur der raue Sitz am Rücken.  Zwantulla schaute aus dem Fenster, wohin fuhren sie. Die Kirchtürme waren bloß Kirchtürme, so lang er auch hinsah. Noch immer wenig Verkehr. Auf dem Seitenstreifen stand ein LKW, den offenbar die Carabinieri angehalten hatte. Hibiscus winkte den Carabinieri im Vorbeifahren, was sollte denn das? – Dann bemerkte er, dass die Leitplanke neben der Autobahn durchgehend rostig war. Zuerst dachte er, es sei Blut, aber es war Rost. Auf seine Frage antwortete Gasser, während er den Panda an einem verschlafenen LKW vorbeiflitzen ließ, dass die Leitplanke bereits rostig gebaut worden sei. Damit man Blut darauf nicht sieht? Natürlich nicht, vielmehr sei Rost bekanntlich der beste Korrosionsschutz, es gibt nichts Besseres, man sollte es auch bei den Pandas so machen.

Was?

Von vornherein rostig bauen. Der Fiat Panda, in dem wir fahren, der rostet nämlich schon an allen Ecken und Enden … Türkanten, Radhäuser, Ölwanne, alles verrostet, im Grunde eine Frechheit, sowas zu verkaufen. Erst ein Jahr alt und zerfällt einem schon unterm Arsch!

Ein Jahr?

Naja, vielleicht zwei. Er lachte, Hibiscus mit ihm, Perger nicht. – Sie nahmen die nächste Abfahrt u. bezahlten, nachdem Gasser erneut fast gegen die Schranke gefahren wäre, die Maut bei einem müden Italiener, dem die Haare aus der Nase wuchsen. Etwas später hielten sie an einer Agip-Tankstelle, hinter einem Dorf mit gotischem Kirchturm. Perger kurbelte die Fensterscheibe auf der Beifahrerseite runter.

Am Sonntag so früh unterwegs?, sagte der Tankwart, während er die Zapfpistole in den Tank steckte.

Er u. Gasser schienen sich gut zu kennen. Gasser erzählte über Perger hinweg, dass er auf Wunsch von Professor Kumm 3 Gäste aus Deutschland durchs Land navigiere, an einige Orte jenseits der  abgegrasten touristischen Fischgründe: Dies ist der berühmte Klavierspieler Professor Günter Berger.

Der Tankwart, dem eine Art Grinsen festgewachsen war, schüttelte Perger die Hand.

Dies der bekannte Journalist Doktor Zwantler aus West-Berlin.

Der Tankwart streckte sich u. schüttelte Zwantulla über Perger u. Hibiscus hinweg die Hand.

Und dies der Sohn von Professor Kumm.

Der Tankwart schüttelte Hibiscus die Hand: Keinen Kamm zur Hand gehabt, was? Nichts für ungut … und, wie gefällts euch bei uns? Schön, mal ein Tag unter Männern, was? Mal auf andere Gedanken kommen. Und wohin gehts jetzt?

Tja, hm, wohin?, überlegte Gasser u. schien sich erst jetzt zu entscheiden: nach Klamm!

Das Grinsen des Tankwarts wurde noch größer. Schön, dachte Zwantulla, wenn so ein Mensch vor guter Laune fast platzt, man sollte sich anstecken lassen. Auch den Ölstand kontrollieren?

Nicht nötig.

Nicht?, fragte Perger. Durchaus nicht?

Aber nein, wozu?

Wie ihr meint. Hat er eigentlich noch Collaudo? Servus, und grüßt Klamm von mir. Der Tankwart lachte erneut u. ging zu einem hupenden schwarzen Mercedes mit deutschem Kennzeichen.

Eure ungeduldigen Landsleute, sagte Gasser kopfschüttelnd zu seinen Passagieren: einst Dichter und Denker, später Richter und Henker, wie man so sagt (was für ein Schmarrn übrigens, wieso denn Richter … Unrichter), heute Gelichter und Lenker. Nehmts mir nicht krumm, dass ich so offen spreche. Ist meine Art. Ungeduldige Menschen in großen Autos. Wären Sie so freundlich, bezahlen zu gehen?

Er drückte Perger ein Bündel 10.000-Lire-Scheine in die Hand.

Perger nickte u. verließ (mit dem schwarzen Täschchen unterm Arm) den Panda, der beim Aussteigen wackelte. Gasser blieb hinter dem Lenkrad sitzen, was Zwantulla unhöflich vorkam; andererseits kutschierte Gasser sie ja unentgeltlich durchs Land (oder wurde er von Kumm dafür bezahlt? kaum vorstellbar), da durfte er wohl seine Passagiere bitten, bezahlen zu gehen, zumal er ihnen noch das Geld gab.

Sie schwiegen.

Zwantulla betrachtete den feuerspeienden Wolf mit 6 Beinen. Ihm war, als käme er von der gotischen Kirche im Dorf. – Dann beschloss er, vor dem Weiterfahren auszutreten; er wunderte sich selbst darüber, da er seit dem Aufstehen keinen Schluck getrunken hatte, vielleicht kam es noch von gestern Abend. Als er Gasser bat, ihn rauszulassen, schaute der ihn wieder fragend, fast beleidigt an u. antwortete, er solle bittschön auf Hibiscus‘ Seite aussteigen. Hibiscus klappte den Beifahrersitz vor u. schlüpfte hinaus, um Zwantulla aus dem wackelnden Panda zu lassen.

Allein Gasser blieb sitzen.

Zwantulla stellte fest, dass er sich bei der Abfahrt vor dem Morgengrauen getäuscht hatte, der Panda war nämlich nicht grau, sondern weiß, u. der Streifen auf seiner Seite schwarz. Darum also hatte er Perger an ein Klavier erinnert, so was Banales. – Es schien an der Tankstelle keine Toilette zu geben, aber gleich nebenan, zum Dorf hin, lag ein großes Gasthaus namens Mühle. Zwantulla ging dorthin; obwohl es erst kurz nach 7 war, stand die Tür offen. Im stillen Schankraum sah er zahllose leere Tische, über denen etwas Feierliches, Erwartungsvolles lag. Hinter dem Tresen polierte eine ältere Frau mit einem Geschirrtuch Weingläser. Sie wies ihn freundlich zur Treppe, die zu den Toiletten hinabführte. Im schummrigen Flur hing ein billiges Ölgemälde, das Zwantullas Interesse weckte: das Ganzkörperbild eines blonden Mädchens in Tracht auf einer Alm; die Farbe war, obwohl das Bild nicht sehr alt zu sein schien, voller Risse, vielleicht hatte der Maler schlechte Ölfarben benutzt oder sie falsch verwendet, das konnte Zwantulla, der von bildender Kunst wenig verstand, nicht beurteilen; was ihn aber am meisten amüsierte bzw irritierte, war ein perspektivischer Fehler: Das Mädchen schien durch malerisches Ungeschick über der Alm zu schweben. – Es schien ihm besser, das Bild nicht zu lange anzuschauen, je länger er hinsah, desto unordentlicher kam ihm die Welt vor.

Wieder an der Tankstelle, wollte er noch Zigaretten kaufen u. betrat den Kassenraum. Gleich hinter dem Eingang befand sich ein Ständer mit Südtirolpostkarten, an dem er stehenblieb: Berggipfel, Kirchtürme (sogar einer, der aus einem See aufragte), Murmeltiere. Er ließ den Blick über die Motive schweben u. fragte sich, ob es wohl eine Postkarte von dem schwebenden Almmädchen gab; fand aber keine (natürlich). Dann kam er auf die Idee, Jülide eine Postkarte zu schicken, vielleicht einen Kirchturm, Jülide mochte alle Arten von Gotteshäusern u. ging regelmäßig in eine Kirche in ihrer Nachbarschaft in Lichtenrade, wo monatlich Bachkantaten aufgeführt wurden. Oder ein Murmeltier. Ihr würde es hier gefallen. Er hätte sie wirklich mitnehmen können. Er könnte auch Johanna eine Postkarte nach Blankenese schicken, ihren 13. Geburtstag im Frühjahr hatte er glatt vergessen. Grüß bitte deine Mutter und deinen Vater, meine lieben Freunde. Nein, die würde er ja schon morgen sehen, wenn er ins Dorf Tirol fuhr, in die Villa  Petőfi, mit herrlichem Blick über Meran, wie Praetorius behauptete.

Perger trat neben ihn, wieso war der denn immer noch hier drin? Nanu, er war ja totenblass. Krasser Kontrast zum bunt karierten Pulli. Schon seekrank? Oder war das Tanken so teuer gewesen? Nein, der Tankwart war ja immer noch draußen, bei dem deutschen Mercedes.

Nur ein Bein, nuschelte Perger.

?

Wenn ich es Ihnen sage! Ich weiß ja, dass ich manchmal etwas undeutlich spreche … Bemerkten Sie es etwa nicht?

Dass Sie undeutlich sprechen?

Dass er nur ein Bein hat.

Wer?

Unser Fahrer. Gasser.

Hat nur ein Bein?

Ja.

Wie kann er denn da fahren?

Das frage ich mich auch. Er hat anscheinend ein Automatikgetriebe.

Der Panda?

Vielleicht eine Spezialanfertigung. Wie der Kniehebel beim Hammerklavier. Aber selbst der würde nichts nützen, das Knie fehlt ja auch. Was weiß ich. Ich kenn mich mit Autos nicht aus, ich bin Musiker.

Ich auch nicht.

Was?

Ich kenn mich mit Autos auch nicht aus. Professor Kumm lässt uns von einem Einbeinigen durchs Land kutschieren?

In der Tat. Außerdem …

Was, noch etwas?

Ja.

Richtig, die Sache mit den Gurten …

Nein, das meine ich nicht.

Ist Ihnen der Wagen zu klein fürs Hochgebirge?

Nein, ist zwar eine Nuckelpinne, aber das ginge ja noch …

Was dann?

Die blaue Brille.

Die blaue Brille? Was ist damit?

Er sollte sie beim Fahren abnehmen.

Naja, die Sonne ist ja aufgegangen, da kann man beim Fahren eine Sonnenbrille tragen, nicht? Obwohl wir die Sonne im Rücken haben, da haben Sie Recht …

Das ist es nicht, ist mir doch egal, es geht um die Farbe.

Ums Blau?

Ja.

Sie meinen, er sollte keine blaue Brille tragen? Weshalb?

Stehen Sie wirklich so auf der Leitung? Jetzt denken Sie mal nach. Sie haben doch hier als Einziger Licht am Fahrrad, Herr Doktor Zwantulla. Was ist die Konträrfarbe von Blau?

Konträrfarbe? Keine Ahnung.

Orange.

Ach so?

Und welche Farbe haben Schranken?

Rot? Orange?

Orange, richtig. Straßenkegel?

Orange?

Absperrbänder?

Orange.

Warnpyramiden?

Orange.

Warnwesten?

Orange.

Engstellensignalisierungen?

Was? Orange?

Genau! Leitmale, Schrankenzäune, Absperrbaken, alles orange! Mehr oder weniger! Durch eine blaue Brille unsichtbar. Hätte er grüne oder braune oder graue Gläser, na gut, dann wärs ja kein Problem, aber blaue …

Ist ja haarsträubend!

Allerdings …

Sie brachen ab, weil der Tankwart mit dem ungeduldigen Mercedesfahrer hereinkam, einem fürchterlichen Dicken mit Schmissen im Gesicht, Fleisch voller Kratzer. Perger, unterm Arm noch immer die Tasche, bezahlte zittrig.

Beim Hineinzwängen in den wackelnden Panda schaute Zwantulla unauffällig nach unten: tatsächlich hatte Gasser nur 1 Bein, das rechte Hosenbein war akkurat hochgefaltet u. an der Hüfte in den Bund gesteckt. Er schaute wieder hoch, Gasser lächelte u. zwinkerte ihm durch die blauen Brillengläser zu.

Zwantulla lächelte zurück.

Haben Sie Zigaretten bekommen?

Nein, sie hatten keine Roth-Händle, nur leichtes Zeug, Marlboro und sowas.

Na, da können Sie gleich eine Gauloise von mir nehmen! Sie hätten übrigens ein neues Feuerzeug mitbringen können, meins ist fast leer …

Fast leer? Und wir haben nicht mal einen Zigarettenanzünder im Auto …

Brauchen Sie ein Streichholz? Hibiscus war durchgerutscht u. saß jetzt hinter Gasser, Zwantulla platzierte sich hinter den Beifahrer u. beobachtete, während sich nun nicht mehr seine rechte, sondern seine linke Hüfte an Hibiscus‘ Hüfte rieb, wie Gasser losfuhr: Offenbar konnte er alles mit 1 Bein, er benutzte gewisse Hebel u. Knöpfe. Halb so schlimm also, alles unter Kontrolle mit diesen Hebeln. – Er machte alles mit der rechten Hand, mit der linken lenkte er; zum Rauchen benutzte er mal diese, mal jene, aber immer nur kurz, die meiste Zeit hing die Zigarette zwischen seinen schmalen Lippen. – Der Panda fuhr tadellos. Perger starrte aus dem Fenster, Zwantulla dann auch: Mais u. Kühe. Manchmal ein Findling. Dörfer mit gotischen Kirchtürmen. Also schaute er in die Ferne, da war ein Berg, dann noch einer usw; ein Berg hatte eine hellgrüne Schramme, da fuhren wohl im Winter die Skifahrer. Dann verschwammen ihm die Berge. Wohin fuhren sie.

[…]

© Albrecht Selge 2016

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7 Gedanken zu „

  1. Gratulation. Ich habe WACH mit Vergnügen gelesen. Sie kürzen die „und“s ab? Das ist cool. Danke für die Einladung, die erste habe ich wegen Urlaub überhaupt nicht gesehen und die zweite bei eine meiner seltenen Profilbesuche. Bin am 20. bei der Staatskapelle (heute auch, Kaufmann sei Dank), aber werde mich auf jeden Fall über weitere Einladung freuen. Berlin ist groß und Sie werden eventuell noch Termine haben??? Viele Grüße.

    • Ja, auf einer rasanten Fahrt darf man keine Zeit mit langwierigen nebenordnenden Konjunktionen verlieren!
      Bei der SK sind Sie definitiv besser aufgehoben, ich bin kein Bühnentier, aber lade gerne wieder ein – die nächsten Termine sind allerdings erstmal auswärts.

  2. Bitte gerne, tue ich auch nicht, hatte aber so manchen Sätzen und Formulierungen so meine Schwierigkeiten, da ich nur mittlere Reife hatte und mir manches verschlossen blieb, so wie die ollen Griechen und Römer und auch bei musikalischen Anspielungen…

  3. da kann ich dem Spiegel nur recht geben, bin fast am Ende und es macht wirklich Spaß, allerdings so einige Anspielungen, Ausdrücken usw. bleiben einem kleinen nicht so gebildeten Leser, wie ich es bin, ein bisschen verschlossen, schmälert aber nicht mein großes Lob

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