Anfangend: Kleine Bilanz zum Meyerbeer-Finale in Berlin

Giacomo Meyerbeer 1855

Was bleibt von dem fünfwöchigen Meyerbeer-Spezial an der Deutschen Oper Berlin, das dieses Wochenende ins Finale geht? Unter anderem die Erkenntnis, dass man Gutes nicht nur tun sollte, sondern auch laut drüber sprechen, poltern, protzen. Ups, völlig übersehen, völlig verplant, schrieb kürzlich auf Twitter eine von diesen paar Dutzend verrückten Opernliebenden, die das ganze Jahr kreuz und quer durchs Land reisen und die man mit der Zeit kennt, wenn man regelmäßig in die Oper geht und sich in sozialen Netzwerken darüber unterhält. Die Meyerbeer-Wochen in Berlin unter Radar, wie konnte das passieren?

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Ziegträumend: Meyerbeers „Dinorah“ an der Deutschen Oper

Grand opéra und Opéra comique (v.r.n.l.)

Entzückende Musik zu entdecken: Bevor es am Wochenende zum Abschluss des Giacomo Meyerbeer-Schwerpunkts an der Deutschen Oper Berlin nochmal die beiden Wuchtbrummen Les Huguenots und Le Prophète setzt, gibt es eine wunderbar leichtfüßige konzertante Aufführung des ulkigen Spätwerks Dinorah ou Le Pardon de Ploërmel. Und in dieser „Wallfahrt nach Ploërmel“ ist ein völlig anderer Meyerbeer kennenzulernen. Ein kurioses Amalgam aus Pastorale und Spukmärchen ist dieses Spätwerk von 1859, mit ebenso kurioser zentraler Symbol-Ziege.

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Jonglieren mit rohen Eiern: Pressestimmen zum Roman „Beethovn“

Vor zwei Wochen ist mein Roman „Beethovn“ erschienen und geht jetzt in die zweite Auflage. Zum Erscheinen ist eine Reihe von Kritiken erschienen. Einen ganz neuen, unverbrauchten Zugang zu Beethoven fand die Kritikerin Denise Dreyer auf SR2: so charmant wie abwechslungsreich, mal anrührend, mal witzig, zart und mit Empathie. Susanne Pütz hat sich im Hessischen Rundfunk Gedanken über das fehlende E im Titel gemacht. Für SWR2 hat Eva Hofem den Roman gelesen und war angetan. Matthias Nöther befand im WDR: der literarisch reizvolle Versuch, Beethoven über einen kunstvollen Umweg zu erschließen. Auf rbb Kultur habe ich mit Frank Meyer darüber gesprochen, was eigentlich Pippi Langstrumpf mit der neunten Sinfonie zu tun hat.

Und Sylvia Schreiber stellte auf BR Klassik schließlich die entscheidende Frage, ob es eigentlich im Beethovenjahr noch eine penibel notierte Lebensgeschichte mit hunderttausend Fußnoten brauche – und gab folgende Antwort:

Nein, es braucht genau so eine vielschichtige, vor Anspielungen strotzende, sinnliche Geschichte, die einen als Leser zum Schmunzeln und Grübeln bringt, weil ein fundierter Beethoven-Kenner und Liebhaber wie Selge mit Versatzstücken, Zitaten, Sonatentiteln jongliert, als wären es rohe Eier.

„Beethovn“ ist bei Rowohlt erschienen und in jeder Buchhandlung erhältlich. Wenn es nicht im Laden liegt, bestellen Ihr geschätzter Buchhändler und Ihre löbliche Buchhändlerin ohne Mehrkosten zum nächsten Tag. Hier finden Sie ein Geschäft in Ihrer Nähe.

Aber natürlich ist „Beethovn“ auch online erhältlich: etwa bei jpc, wo der Roman zum „Buch des Monats“ gekürt wurde, oder bei Amazon, Hugendubel, Thalia, Osiander & Co.

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Sterntanzend: Berliner Philharmoniker spielen Strawinsky, Zimmermann, Rachmaninow – und nächtlichen Grisey

Dreierlei Tanzmusiken in der Philharmonie. Nein, viererlei. Denn nach dem Konzert der Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko tanzt es sich erst so richtig sternwärts – im nächtlichen Foyer.

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Beethovn in Hamburg

Nächste Woche erscheint mein neuer Roman „Beethovn“. Er erzählt von Beethowen, Bethofn und vielen anderen. Wer mehr wissen will, klicke das Buchcover an. Und wer bei der Buchpremiere dabei sein möchte, könnte am kommenden Mittwoch, 19. Februar, in die Hamburger Laeiszhalle kommen. Dort lese nicht nur ich aus dem Roman vor, sondern es spielt auch der hervorragende Pianist Florian Heinisch.

Weitere Informationen und Karten gibt es auf der Webseite der Elbphilharmonie.

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Beethoven in Abu Dhabi

„Alle Menschen werden Brüder“ – auch diese schwimmenden Arbeiter im Louvre? Nicht in Paris steht der, sondern in Abu Dhabi, und dort erklang in der vergangenen Woche (angeblich zum ersten Mal auf der Arabischen Halbinsel) Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie. Ich war für die Frankfurter Allgemeine Zeitung bei diesem seltsamen, skurrilen, goldenen, berührenden Ereignis zu Gast – hier mein Bericht.

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Unhellernd: Cherubinis MÉDÉE an der Staatsoper

Hoppla, die Ex kommt!

Einen Tag, bevor an der Berliner Staatsoper Unter den Linden ein neuer Rosenkavalier in der Regie von André Heller (über dessen literarische Kunst der Wiener Germanist Wendelin Schmidt-Dengler, der Wortgott hab ihn selig, einst schrieb: „Diesen massiven Herausforderungen des Tiefsinns zu genügen, ist schlicht unmöglich“) Premiere feiert, gibt es eine willkommene Wiederbegegnung mit Luigi Cherubinis hörenswerter Médée. Über Andrea Breths etwas dröge Inszenierung fegt der frische, schnittige Wind des Dirigats von Oksana Lyniv. Den Namen sollte man sich merken, wenn man es nicht schon getan hat.

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Phremde Phedern: Ein Lob auf Giacomo Meyerbeer!

Berlin hat etwas wiedergutzumachen an diesem Komponisten – aber vor allem hat es die Chance, den großen Meyerbeer ausgiebig zu genießen! Anlässlich des am Sonntag beginnenden Giacomo-Meyerbeer-Vorfrühlings an der Deutschen Oper Berlin schreibt der Musikwissenschaftler Thomas Kliche hier als Gastautor über seinen Herzblut-Künstler.

Berliner Suchbild mit jungem Meyerbeer
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Mittsommerspartanisch: Benjamin Brittens A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM an der Deutschen Oper

Die Feenwelt ist ganz schön gruselig. Und der Wald bei Athen, wo Benjamin Brittens A MIDSUMMER NIGHT’S DREAM nach Shakespeare spielen soll, arg spartanisch. Zumindest in der Inszenierung von Ted Huffman, die jetzt an der Deutschen Oper Berlin Premiere hatte.

Sommernachtstraum, spartanisch
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Phremde Phedern: Jüri Reinveres Beethoven-Oper „Minona“ in Regensburg

In besonderen Fällen schreibt hier auch einmal eine Phremde Pheder – dann aber nur die ethelste: Julia Kaiser über die Uraufführung von Jüri Reinveres Oper MINONA – EIN LEBEN IM SCHATTEN BEETHOVENS in Regensburg

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Unletzt: Jaromír Weinbergers „Frühlingsstürme“ an der Komischen Oper

„Die letzte Operette der Weimarer Republik“ könnte ein Etikett wie ein Mühlstein sein, wenn man Jaromír Weinbergers Frühlingsstürmen zumuten wollte, tiefschürfendes Zeugnis oder Vermächtnis sein zu müssen. Denn dieses Werk wollte ja gewiss nichts „Letztes“ sein. Insofern ist Barrie Kosky sehr zu loben, dass er die Frühlingsstürme an der Komischen Oper als das auf die Bühne bringt, was sie sein wollten: eine kurzweilige Operette.

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Zwangshammernd: Kirill Petrenko dirigiert Mahlers Sechste

Mahlers Sechste (zeitgenöss. Darstellung)

Die Menschheit teilt sich in zwei Gruppen, die vermutlich unterschiedlich groß sind: diejenigen, die sich brennend für die Frage interessieren, ob in Gustav Mahlers 6. Sinfonie zuerst das Scherzo und dann das Andante kommt oder aber zuerst das Andante und dann das Scherzo. Und diejenigen, denen es egal ist. Kirill Petrenko macht bei den Berliner Philharmonikern zuerst das Andante und dann das Scherzo. Was unter anderem zeigt, dass sich in dieser Hinsicht sein Abgrenzungsbedürfnis zum Vorgänger Simon Rattle in Grenzen hält.

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Läppisches und Sprengendes: Kleine Fazite zum Ultraschall-Festival 2020

Nur doofe Männer sagen noch „starke Frauen / Schriftstellerinnen / Komponistinnen etc pp“. Denn das klingt, als wäre es etwas Besonderes, ganz Außergewöhnliches. Vielleicht besser so: Drei großartige Komponistinnen haben den Konzertgänger beim diesjährigen Ultraschall-Festival für neue Musik besonders beeindruckt. Für die Tiefpunkte scheinen hingegen, sprechen wir’s aus, vorwiegend Männer verantwortlich.

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Albtraumleicht: RSB mit Jurowski spielt Nikodijević und Mahler

Wichtige, lobenswerte, erfreuliche Durchlässigkeit vom Spezialistenreservat in den normalen Konzertbetrieb und umgekehrt: Der aus Serbien stammende Stuttgarter Komponist Marko Nikodijević, dessen Musik das Rundfunk-Sinfonieorchester unter Vladimir Jurowski vor Mahlers Vierter spielt, ist auch beim gerade laufenden Ultraschall-Festival für neue Musik zu hören. Und Nikodijevićs „да исправится / gebetsraum mit nachtwache“ scheint beim RSB-Publikum im Konzerthaus großteils gut anzukommen; trotz einer Dame, die zwanzig Minuten lang immer wieder „Das ist doch keine Musik“ murmelt, wie dem Konzertgänger in der Pause berichtet wird.

Let me tell you about paradise …
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