Musikfest 2018: Deutsche Oper zimmermannt

Zur Kugelgestalt wird hier die Zeit. Eins der apartesten Zusammentreffen beim Musikfest bietet das Orchester der Deutschen Oper unter Donald Runnicles in der Philharmonie: Richard Wagner meets Bernd Alois Zimmermann. Letzterer einer von mehreren Schwerpunkten im diesjährigen Programm. Während die wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Sinfonie in einem Satz, die die Rotterdamer am Sonntag spielten, ihren panischen Ausdruck geradezu herausschrie, stehen an diesem Mittwoch zwei der stilistisch gefinkelteren letzten Werke auf dem Programm: das kurz vor Zimmermanns Selbsttötung 1970 entstandene Stille und Umkehr und davor Photoptosis von 1968. Ein schwer erschütterndes Doppel ist das.

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Musikfest 2018: Poppe modernisiert (und Trio Catch knackt Ohren)

Zwischen zwei Bruckners sollst du was Modernes hören, so will es das Gesetz. Und für das Moderne ist beim Musikfest Berlin, so will es dessen Gesetz, Enno Poppe zuständig. Ziemlich oft jedenfalls, und künstlerisch aus gutem Grund. Allerdings gibt es an den regelmäßigen Geldströmen der Berliner Festspiele durchaus Kritik aus der Perspektive freier Ensembles, wie sie etwa der Musikmanager Sebastian Solte im VAN Magazin formulierte. Der Konzertgänger mag nicht in Hauptstadtkulturförderungsschlünden versinken, sondern einfach Musik hören. Da kann es aber nicht falsch sein, vor dem großen Musikfest-Konzert des Ensemble Modern mit Enno Poppe erstmal um 18 Uhr nach Friedrichshain zu rauschen: Dort eröffnet das von Solte betreute Trio Catch im Radialsystem eine neue Reihe von Gesprächskonzerten unter dem Titel Ohrknacker. Gefördert aus Mitteln der Spartenoffenen Förderung des Landes Berlin und immer am Folgetag auch im Resonanzraum Hamburg zu hören. Bei freiem Eintritt, aber mit Klingelbeutel am Ausgang. Weiterlesen

Musikfest 2018: Rotterdam romantisiert

Niederländische Niederbrüche beim Musikfest Berlin: zweimal Sinfonisches – einmal apokalyptisch, einmal romantisch. Bernd Alois Zimmermann und Anton Bruckner. 100 Jahre alt wird das Rotterdams Philharmonisch Orkest heuer. Seine Geburtstagstour ist zugleich die Abschiedsrunde des Dirigenten Yannick Nézet-Séguin, der zusätzlich zu seinen Chefstellen in Philadelphia und Montréal 2020 musikalischer Leiter der Met wird. Man muss auch loslassen können. Chefposten zumal. Die Gastspiele beim Musikfest Berlin haben indes immer das Schöne, viel die jeweilige Community zu hören; in dem Fall Exil-Niederländisch, das keineswegs nach Halskrankheit klingt. Noch schöner wärs, wenn mehr Berliner sich in die Philharmonie wagen würden, auch wenn nicht gerade das Concertgebouw oder die Bostoner spielen.

(Nachtrag: Pustekuchen, bei Boston ist es voll, aber beim Concertgebouw ebenfalls halbleer. Warum?) Weiterlesen

Musikfest 2018: Barenboim eröffnet

Einen Tag nach dem Beginn des Musikfests 2018 nun die offizielle Eröffnung: mit zwei Ritualen, einem hochkultiviert-feinsinnigen und einem grobschlächtigen, geradezu sittenwidrigen. Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin spielen unter dem Motto Merci à Pierre Boulez erst desselbigen Rituel in memoriam Bruno Maderna, dann Igor Strawinskys Le Sacre du Printemps.

Über die geradezu messianischen Kräfte, die jüngst Kirill Petrenko zugeschrieben wurden, verfügt in Wahrheit Daniel Barenboim. Er bittet das Publikum vor dem Konzert, nicht zu husten, und höre, das Publikum hustete nicht.  Weiterlesen

Musikfest 2018: Melnikov beginnt

Dialektik des Musikfests Berlin 2018: Es beginnt, bevor es sich eröffnet. Letzteres am Samstag mit Daniel Barenboims Staatskapelle, Ersteres bereits am Freitag mit Alexander Melnikov am Klavier und Claude Debussy im Klavier. Debussy ist dieses Jahr einer der gefühlt 120 Themenstränge, die Musikfest-Leiter Winrich Hopp ohne Themenstrenge, aber desto raffinös-sinniglicher ineinanderknüpft. Weiterlesen

Herzkernig: Saisonauftakt Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko

À la recherche du Herz und Kern

Zum Auftakt Galopp direkt in Kern und Herz. Denn da ist ja schon wieder dieses Kakeln im Walde: Die spätromantischen Schinken, ja, die seien gewiss Kirill Petrenkos Herzenssache, aber wie’s eigentlich um seinen Musikgeschmack stehe und zumal ums ominöse deutsche Kernschinkenrepertoire. Nun also Saisoneröffnung der Berliner Philharmoniker mit Louis van Beethoven, das ist unzweifellosfrei Kernschinkenrepertoire, und mit Richard Strauss, berlinerphilharmonischem Herzschinkenrepertoire. Weiterlesen

Wie ich lernte, Lutosławski zu lieben

Erst dachte ich, der Komponist hat eine Meise. Dann verschlug es mir den Atem, weil ich‘s so großartig fand. Witold Lutosławskis Werk war für mich ein Aha-Erlebnis und Lutosławski ein perfekter Türöffner zur neuen Musik, ein Vorhang-beiseite-Schieber. Darum freue ich mich (gleich dem jungen Herrn zu Füßen der Polonia auf Jacek Malczewskis Bild rechts) überaus immens, dass ich für das jungehrwürdige Elbphilharmonie Magazin ein paar Seiten über Lutosławski schreiben durfte.

Das Heft steht unter dem Titel Nachbarn, weil es in der kommenden Elbphilharmonie-Saison einen Schwerpunkt Polen gibt. Online gibts das Magazin (momentan) leider nicht, aber man kann reinblättern. Oder auch das Heft bestellen.

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Golden expansiv: Ungdomssymfonikerne bei Young Euro Classic

Aah, Norwegen!

Grauseelenerquicker Young Euro Classic, das Berliner Sommerfestival der jungen Orchester, das einen vergewissert, dass gar nichts den Bach runtergeht, so ganz allgemein nicht und kulturell schon gar nicht, im Gegenteil, die Bäche unserer Kultur fließen bergaufer denn je. Die Rumänen seien ganz hervorragend gewesen, hört man von Dauergästen. Jetzt also die Norweger der Ungdomssymfonikerne (Copy & Paste schrieb diesen Namen hier rein). Besonders schön immer, wenn die Orchester nicht nur sich selbst ins Konzerthaus Berlin mitbringen, sondern statt der internationalen Klassikhauer von Bee bis Tschai auch noch Musik aus ihrer Heimat. Weiterlesen

Gründig: Michael Abramovich spielt Schubert, Haydn, Beethoven

Einen Ort, den sogar die Frankfurter Allgemeine schon als „Untergrund“ bezeichnet hat, den mag man kaum mehr so nennen. Also ist der Pianosalon Christophori wohl einfach einer der schönsten, interessantesten Klavier- und Kammermusikgründe Berlins. Und immer ein Obergrund, in den (nicht nach!) Wedding zu fahren. Zumal im August hilft der Pianosalon dem Klassikfreund, der nicht in Bayreuth oder Salzburg weilt, ohne bleibende Schäden zu übersommern. Weiterlesen

Bericht aus Bayreuth: Fremd in der fremden blauen Welt

Die Bayreuther Festspiele laufen weiter, mit dem Fliegenden Holländer und dem mit Verblüffung und Spannung erwarteten Plácido-Domingo-Dirigat der Walküre. Der Konzertgänger ist nicht mehr dabei, sondern erholt sich von vier intensiven Tagen auf dem grünen Hügel. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist indes sein Bericht aus Bayreuth erschienen: über den neuen Lohengrin, libanesische Hochzeitsgeschäfte, verschwundene Bräutigame, fränkische Fremdenzimmer und syrische Fremdenführer, kurz über die fremde blaue Welt von Bayreuth. Diesen Artikel kann man im FAZ-Archiv bestellen oder weitaus günstiger im digitalen Blendle-Kiosk (wenn es die erste Blendle-Bestellung ist, kostet sie sogar nullkommanix).

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