Hörstörung (21): Kein Ohr und kein Hals für Monteverdi mit William Christie

Der Vollständigkeit halber und fürs Archiv und mit Tränen auf den Wangen: William Christie und Les Arts Florissants und Monteverdi waren in der Philharmonie, der Konzertgänger leider nicht. Das ist die schlimmste Hörstörung überhaupt, wenn man sich seit Ewigkeiten auf ein Konzert freut und einen dann so ein Fiebern und Husten überfällt, dass mans einfach […]

Hörstörung (20): Können und Mögen

Bei den Lunchkonzerten der Berliner Philharmoniker (wo am kommenden Dienstag Franz Schuberts vierhändige f-Moll-Fantasie D 940 erklingen wird, ein Stück, das den Konzertgänger garantiert bis weit übers Dinner hinaus fällen würde) gibt es immer diesen höflichen Hinweis des Veranstalters an die Eltern kleiner Kinder: Mit Rücksicht auf die ausführenden Künstler und die anderen Konzertgäste bitten wir […]

Hörstörung (19): Ohrenzuhalten bei Mahlers Neunter mit Haitink und den Berliner Philharmonikern

Um diesem hemmungslosen Aus- und Raushusten in den Pausen zwischen den Sätzen zu entgehen, dem vorsorglichen Geröchel, dem Schnäuzen und Ausschmeißen, dem raschelnden Bonbonauswickeln, dem Poltern hastigen Nacheinlasses, dem unvermeidlichen Nachstimmen zwischen zweitem und drittem Satz und vor allem dem nichtigen Geplapper — um all dem zu entgehen, muss man sich bloß zwischen den Sätzen […]

Hörstörung (18): Das Theaterpublikum hält den Rand

Warum zum Kuckuck, fragt sich der hörstörgeplagte Konzertgänger, als er zur Abwechslung einmal zum Theatergänger wird, um im Berliner Ensemble Michael Thalheimers zurecht hymnisch gelobte Frankfurter Medea-Inszenierung zu sehen und zu hören, die in beklemmend enger Weite die Sprache des Schreckens und der Finsternis, von Peter Krumme atemabschnürend dicht aus dem Griechisch des Euripides ins […]

Hörstörung (17): Eine Dame fächert den Takt auf

Eine Frage, die nicht beantwortet wird, und einen Wunsch, der sich nicht erfüllt, ruft die ausdauernd fächerwedelnde Dame in der eigenartigen Aufführung der h-Moll-Messe durch die Berliner Philharmoniker unter Ton Koopman (Bericht) beim Konzertgänger hervor. Wäre es besser, so die Frage, die Dame würde mit ihrem Fächer im Takt wedeln statt in jener freien Polyrhythmik, […]

Hörstörung (16): Ein Herr diniert beim Mondparsifal

Unkompliziert, pflegte meine Tante Edelgard (Allah habe sie selig) süffisant zu sagen, wenn jemand sich flegelhaft benahm, etwa bei Tisch telefonierte. Was hätte sie wohl zu jenem korpulenten Herrn mit rotem Hemd und breiten Hosenträgern gesagt, der, im letzten Moment vor Beginn von Meese-Lang-Wagners Mondparsifal in den Saal hetzend und sich in seinen Sitz plumpsen […]

Hörstörung (15): Eine Dame pustet auf Modernes

Wenn man, wie nun beim ersten Sinfoniekonzert an der grundsanierten Staatsoper Unter den Linden, erleben muss, dass die zwei Sitze neben einem platzierte herrschaftliche Dame bei den ersten Klängen einer zeitgenössischen Komposition im Brusttone des Schreckens ihrem Gatten zupustet: Fffffuh, was Modernes — dann … … ja dann malt man sich, als werweißwievielte Schurigelungsfantasie gegen […]

Hörstörung (14): Beelzebub maßregelt Teufel

Es reicht jetzt mal!, zischt ein Herr weithin vernehmbar in der Philharmonie, während das Deutsche Symphonie-Orchester Jean-Féry Rebels Les éléments spielt. Viele Köpfe, auch der des Konzertgängers, wenden sich aufgeschreckt um: um zu sehen, dass der störende Zischruf des Herrn dessen Sitznachbarn galt, offenbar weil dieser Nachbar unentwegt an seinem Handy herumfummelt. Da ist also […]

Hörstörung (13): Siri versteht Diabelli nicht

Manchmal vernimmt man von fernen Bekannten Dinge, die man niemals, niemals im Konzert erleben möchte. So von einem offenbar sonst sehr gelungenen Klavierabend Martin Helmchens in Schwetzingen: Gestern übrigens auch Siri im Konzert in Schwetzingen. “Ich habe dich nicht verstanden” sagte sie in einer Generalpause. #ichkannsonicht… — Klavierissimo (@tkrooss) May 5, 2017 Andererseits: Eine gar […]

Hörstörung (12): Schwanengesang in der „Johannespassion“

Heikles Thema Straßenmusik vor Konzerthäusern! Niemals würde der Konzertgänger irgendeinem Musiker, der mit Cäciliens Kunst sein Brot verdient, am Zeug flicken. Dennoch fährt er, bei allem Wohlwollen, von den philharmonischen Fahrradständern aus immer den längeren Weg im Uhrzeigersinn ums Haus herum zum Tiergarten: um nämlich dem gewiss tüchtigen und liebenswürdigen Balalaika-Spieler zu entgehen, der nach jedem […]