Hörstörung (26): Abstand total

Gut, so viel Abstand wie jetzt hätte der kurzmütige Konzertgänger sich niemals gewünscht, bei allem Ärger über rücksichtslose Mitbesucher. Aber durch diese größtmögliche Hörstörung müssen wir als verantwortungsvolle Bürger nun durch. Für viele Menschen gehts ja um Leben und Tod. Konzertpause heißt weitgehend Blogpause. Die Konzertgängerkinder wollen ja auch beschult und bespaßt sein und ein wenig Arbeit daheim getan. Und Live-Streamings sind für viele eine feine, tröstende Sache, das ist wunderbar; aber für notorische Echtraum-Erleber wie mich uninteressant.

Hübsch allerdings diese Neufassung von Beethovens Für Elise nach der zeitgemäßen Regel „Mindestens eine Terz Abstand halten!“, erstellt von Arno Lücker:

Und natürlich sei noch darauf hingewiesen, dass viele Buchhandlungen weiterhin geöffnet sind und einige jetzt auch Bücher nach Hause liefern – als Alternative zu den Onlineshops. Rufen Sie also ruhig mal im Buchladen Ihres Vertrauens an und fragen nach! Mein Roman Beethovn („das wohl originellste Buch zum Beethoven-Jahr“, schrieb gerade die Leipziger Volkszeitung) ist mittlerweile in der zweiten Auflage erschienen und überall lieferbar.

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3 Gedanken zu „Hörstörung (26): Abstand total

  1. „[N]otorische Echtraum-Erleber“ – danke für dieses Wort, lieber Herr Selge!

    Über das Phänomen denke ich schon lange nach, bevor es mir selbst wohlvertraut wurde, seitdem ich vor etwa zweieinhalb Jahren mit dem musikalischen Echtraum-Erleben begonnen habe (übrigens mit einem Konzert, das für mich damals eine Echt-Traum-Stunde war und bis heute ist, das aber heutzutage oft verschwiegen wird: mit Mahlers 3. in der Philharmonie dargeboten von der Staatskapelle unter dem Dirigat von James Levine – der Dirigent ist bekanntlich der Verschweigensgrund).

    Bislang ist mein Denken auch da an kein Ende gekommen. Warum zum Beispiel ertrage ich keine Oper aus der Konserve? Oder warum langweilen mich Konzerte aus selbiger, so dass ich auf sie fast immer auch verzichte?
    Warum aber fixen mich musikalische Aufführungen so an?! – Ich habe keine Ahnung von Akustik, kein Intesse an der Pausen-Gschäftlhuberei, und ich verstehe nicht das Mindeste von Musik – aber ich erlebe im Echtraum einer musikalischen Aufführung
    – ja, was ?!

    Vermutlich einfach das, was ich erlebt habe: das Leben komplett, inklusive Tod.
    Jeder Ton, der dort anhebt, findet dort auch sein Ende (und die Töne dort heben anders an und verklingen anders als ein Ton im Sprechtheater, welcher mir im Vergleich immer mehr als bloßer flatus vocis erscheint. Womöglich aber macht auch die Menge der Einzeltöne und ihr Zusammenspiel den Unterschied zum Sprechtheater?).

    Hm. – Nein: Kein Ende des Nachdenkens über das Echtraum-Erlebnis
    ist absehbar.
    Schon gar nicht in Zeiten, in denen uns jegliches Echtraum-Erleben außerhalb der eigenen vier Wände verwehrt ist.

    Sie haben Familie, Beruf und damit Verbindlichverbundenheit, das ist kostbar. Und es ist erfreulich.
    – Bleiben Sie gesund!

    Grüße aus dem Witwesk

  2. Herrlich, herrlich. Genau das brauchen wir: Lachen „mit Kultur“ – wenn die sonst nichts zu lachen hat. Beethoven hätte seine Freude an der Variation. Wie auch am „originellsten Buch … “ Originell UND geistreich.- A propos“ „Die trunkene Fahrt“ ist auch nicht zu verachten. Obwohl ja „reisen“ … Na ja. „Im Geiste“ ist’s erlaubt.

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